https://www.faz.net/-gum-9je0h

Homosexuelle in Kolumbien : Drei Männer und ein Fall von Liebe

  • -Aktualisiert am

Eine der wenigen unumstößlichen Regeln ihrer Beziehung lautet: Wir reden über alles und verheimlichen nichts. Am Tisch ganz links sitzt Manuel, in der Mitte Victor, ganz rechts Alejo. Bild: F.A.S.

Gefühl ist das eine, die Bewältigung des Alltags das andere. Beides war für Alejo, Manuel und Víctor wichtig, als sie die erste Dreier-Ehe in Kolumbien geschlossen haben.

          8 Min.

          Alejo hat heute gekocht. Auf der Küchenzeile in der Wohnküche stehen Reis, Bohnen und Salat. Manuel und Víctor küssen ihn zur Begrüßung, bedienen sich und setzen sich mit ihren Tellern an den Tisch. Manuel nimmt sich wie immer noch einen Maisfladen, Alejo und Víctor Saft. Sie sprechen über Alejos und Víctors Theaterprojekt. Wie sie die Eltern aus dem Viertel motivieren können, damit ihre Kinder mitmachen. Manuel, der Älteste, gibt Rat. Sie lachen, diskutieren, planen. Als sie aufgegessen haben, geht einer nach dem anderen zur Spüle und wäscht seinen Teller und seine Gabel ab. Die eine gemeinsame Mahlzeit am Tag ist ihnen heilig. Sie genießen die Zeit miteinander, sie unterstützen einander bei ihren Vorhaben. Doch auf keinen Fall würden sie einander in Rollen drängen. Nicht einmal in die des Abwäschers für alle.

          Manuel Bermúdez ist um die 50, Alejandro Rodríquez 38 und Víctor Hugo Prada 24 Jahre alt. Sie haben als Erste in Kolumbien und wohl weltweit als Zweite eine Dreierehe geschlossen. Die Nachricht sorgte 2017 international für Aufsehen. Ausgerechnet in Kolumbien. In dem katholischen Macho-Land, wo im vergangenen Jahr wieder mehr als 100 Homo- und Transsexuelle wegen ihrer sexuellen Orientierung ermordet wurden; wo nach mehr als 50 Jahren bewaffneten Konflikts der Friedensvertrag zwischen Staat und Farc-Guerrilla in einer Volksabstimmung 2016 unter anderem durchfiel, weil Religiöse und Konservative Stimmung machten gegen die „Gender-Ideologie“, die diese Minderheiten besonders schützen sollte; wo Paramilitärs sie seit Jahrzehnten in sogenannten „sozialen Säuberungen“ ermorden. Auch Manuel Bermúdez hat man schon mit dem Tod bedroht.

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          F.A.Z. PLUS:

            im F.A.Z. Digitalpaket

          : Aktion

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Nahaufnahme einer Kanüle mit Tropfen und Spritze (Symbolbild)

          Entwicklung in Russland : „Wir können den Impfstoff früher zulassen“

          Russland will schon bald einen Impfstoff gegen das Coronavirus präsentieren. Kirill Dmitrijew, Chef des Russian Direct Investment Fund, hat ihn an sich selbst erprobt – und glaubt, im September könnten die Massenimpfungen losgehen.
          Das Atomkraftwerk Dukovany in der Tschechischen Republik

          Energiewende : Die Atomkraft lebt weiter

          Viele Staaten setzen nach dem Kohleausstieg auf Atomkraft, so zum Beispiel Tschechien. Die Grünen wollen das torpedieren – mit Hilfe der EU.