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Homo-Ehe : Der Schnitt

  • -Aktualisiert am

Nach acht Jahren liebt Julia Susanne nicht mehr. Ihr eingetragene Lebenspartnerschaft ist gescheitert. Bild: Picture-Alliance

Acht Jahre lang waren Susanne und Julia eine eingetragene Lebenspartnerschaft. Jetzt liebt Julia eine andere Frau. Eine Trennungsgeschichte.

          5 Min.

          Ein einziges Mal ist Susanne mit Julia* zusammengetroffen, seit sie vor einem Jahr von ihr verlassen worden ist. Geklärt haben die beiden bei der Begegnung nichts. Nicht, wem von ihnen das Auto zusteht, das sie sich zusammen angeschafft hatten. Nicht, wie das mit dem Unterhalt ist, den Julia an Susanne zu zahlen hat. Susanne möchte auch von Julia wissen, ob ihre Partnerschaft trotz des einen Jahres und trotz Julias neuer Geliebter nicht vielleicht doch Aussicht auf eine Art von Zukunft hätte.

          Miteinander reden. Julia aber will nicht, sie will nicht mit Susanne reden. Nicht über die acht Jahre, die sie miteinander verpartnert waren. Nicht über die Kinder, die sie gemeinsam wollten. Nicht darüber, was aus Julias Hochzeitssachen und den vielen Fotos werden wird, die sie sich noch immer nicht bei Susanne abgeholt hat.

          Eine halbe Stunde lang dauerte das Zusammentreffen. Eher zufällig war es zustande gekommen, als dass es geplant gewesen wäre, und während Susanne und Julia einander stumm gegenübersaßen, tauschte Julia SMS mit der anderen Frau aus.

          Trennung mit Knutschflecken am Hals

          Mitte zwanzig war Susanne, Julia zwei Jahre jünger als sie, als die beiden Hochzeit feierten und Lebenspartner wurden. Sie betrachteten sich als verheiratet, ihre Beziehung als Ehe. Baum hatten sie sich als gemeinsamen Nachnamen gewählt, Susanne und Julia Baum, nach Susannes Mädchennamen. Eine Verbindung für die Ewigkeit.

          In einer Jugendgruppe hatten sie einander kennengelernt und als Freundinnen viel Zeit miteinander verbracht. Jetzt sagt Susanne über Julia, dass sie die Rückzahlung für Strom und Gas vom letzten Abrechnungsjahr für sich einbehalten hat, und an der Miete für die gemeinsame Wohnung hat sie sich zum Schluss auch nicht mehr richtig beteiligt. Julia hat Susanne gesagt, dass sie sie nie geliebt hat. Dass das alles nicht wahr gewesen ist, die Partnerschaft, die gemeinsamen Urlaube, der Kinderwunsch. Jetzt verkehren sie ausschließlich über E-Mail, WhatsApp und über die Briefe ihrer Anwälte miteinander.

          Am Anfang vom Ende vor einem Jahr waren die rotviolettfarbenen Stellen am Hals, mit denen Julia nach Hause gekommen war. Als Knutschflecke erkannte Susanne die Male. Julia sagte ihr dazu, dass sie in den vergangenen drei Jahren immer einmal wieder eine andere hatte. Manchmal auch einen Mann.

          Versöhnungsversuch und Kinderwunsch

          Bloß ist diesmal alles anders, ernst. Die Frau diesmal wünscht sich, dass Julia bei ihr bleibt. Den folgenden Morgen zog Julia aus der gemeinsamen Wohnung aus, mit nichts anderem bei sich als dem, was sie sich gerade angezogen hatte. Als letztes Wort sagte sie zu Susanne, dass sie schon öfters die Absicht hatte, von ihr wegzugehen.

          Das Trennungsjahr wird im nächsten Monat vorüber sein. Julia wird dann sofort den Antrag auf Aufhebung der Lebenspartnerschaft stellen. Sie wird darauf bestehen, dass die Partnerschaft so zerrüttet ist, dass das Bestreben, sie aufrechtzuerhalten, zwecklos wäre.

          Susanne wird sich mit dem Antrag als nicht einverstanden erklären. Sie will unbedingt ein weiteres Jahr für einen weiteren Versöhnungsversuch. Sie sagt, dass ihr Julias Verhalten wie eine Verirrung vorkommt, wie etwas, das vorbeigehen wird. Dass Julia den gemeinsamen Nachnamen bisher nicht abgelegt hat. Dass der Kinderwunsch mehrere Male bei ihnen beiden da war, am stärksten einen Monat vor dem Bruch.

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