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Holocaust-Zeitzeugen-Berichte : Wenn Dokumente sprechen müssen

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Die Gedenkkultur lebendig halten: Direktorin Floriane Azoulay vor der Zentralen Namenkartei in der Dauerausstellung der Arolsen Archives Bild: Daniel Pilar

Es gibt immer weniger Zeitzeugen, die von den Verbrechen der Nationalsozialisten erzählen können. Können digitales Storytelling und Ausstellungen ihre Geschichten vermitteln?

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          Auf der alten Holzkommode in Eva Szepesis Wohnung stehen Bilder in silbernen Rahmen. Sie zeigen ihre Großeltern, ihre Mutter, ihren Vater, ihren kleinen Bruder. Alle wurden während der Nazi-Zeit ermordet. Die Bilder sind das Einzige, was Eva Szepesi von ihnen blieb. Die Achtundachtzigjährige schüttet Filter­kaffee in eine Tasse, während sie erzählt, dass sie gerade einmal zwölf Jahre alt war, als sie deportiert wurde. Sie war die letzte ihrer jüdisch-ungarischen Familie, die nach Auschwitz kam. Szepesis Mutter hatte ihre Tochter zu ihrer Tante in die Slowakei geschickt. „Ich dachte, ich würde in den Urlaub fahren“, sagt Eva ­Szepesi heute. Eigentlich wollte ihre Mutter mit ihrem Bruder nachkommen, doch dazu kam es nie. Ihr Vater musste zuvor in ein Arbeitslager, man hörte nie wieder von ihm.

          Ihre Familie kann diese Geschichte nicht mehr erzählen, sie wurde durch die Nazis zum Verstummen gebracht. Deshalb erzählt Eva Szepesi ihr Schicksal. Irgendwann wird auch sie das nicht mehr können. Wer soll dann, nach der letzten Generation von Zeitzeugen, von dieser Geschichte berichten?

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