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Porträt : Diane Keaton und der nächste Akt

Hollywoodstar Diane Keaton Bild: © Armando Gallo/Retna Ltd./Corbi

Diane Keaton war die Stadtneurotikerin und die Ehefrau des „Paten“, sie liebte Woody Allen, Al Pacino und verspürte erst mit 50 Jahren den Wunsch, Mutter zu werden. Eine Begegnung mit einer Außergewöhnlichen.

          8 Min.

          Es ist nicht ganz einfach, ein Porträt von Diane Keaton zu schreiben, weil es schwer ist, sie als Person zu sehen. Was redest du denn da, Schreiberling, höre ich Sie einwenden, die amerikanische Schauspielerin sitzt dir doch gerade in dieser Hotelsuite gegenüber, ganz in Schwarz/Weiß gekleidet – schwarze Hose, weiße Bluse mit feinen weißen Streifen, schwarz/weiß karierte Fingernägel, dunkler, runder Hut – und ist dabei so schmal, dass sie glatt zwei Mal auf ihren Stuhl passen würde. Gut 24 Stunden später wird sie bei „Wetten, dass..?“ mit dem armen Markus Lanz hier in Erfurt jeden abküssen, der die Showtreppe herunterkommt, aber jetzt ist sie ladyhafter, ganz konzentrierte Aufmerksamkeit mit einer Spur Vorsicht, ein wenig müde sicher auch nach einem ganzen Tag Interviews. Anschließend sollen nur noch ein paar Fans zum „Meet and Greet“ kommen, dann darf Keaton für heute Schluss machen, aber vorher, Schreiberling, könntest du sie zum Beispiel fragen, woran es liegt, dass sie auch heute noch, mit 68 und nach vier Jahrzehnten im Geschäft, in ihrem Job ganz einfach auf diese gewisse hinreißende Niedlichkeit ihrer Person bauen kann. Also schreib das: eine hinreißende Niedlichkeit. Das ist doch schon mal was über ihre Person, oder?

          Bertram Eisenhauer

          Verantwortlich für das Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das Spannende an Keaton ist ja, dass sie zur kulturellen Ikone wurde, indem sie eine Figur spielte, die, wie sie selbst es später formulieren würde, „eine leutselige Version“ ihrer selbst war. In Deutschland, wo das Werk 1977 als „Der Stadtneurotiker“ in die Kinos kam, konnte das Publikum dem Irrtum unterliegen, zentral sei darin der Woody-Allen-Charakter. Tatsächlich jedoch war die Epiphanie des Films Keaton – und, untrennbar davon, die von ihr gespielte „Annie Hall“, die dem Film den Originaltitel gegeben hatte. „Annie“ war Kosename für Keaton, „Hall“ ihr wahrer Familienname. Die Klamotten, die ihre Annie trug, hatte die Schauspielerin den Frauen von SoHo abgeguckt; dass Frauen weite Männerhosen trugen und Hosenträger und Westen und lose geknotete Krawatten und Fedora-Hüte, sollte schon bald le dernier cri sein. Charakterlich war Annie eine Studie einnehmender Widersprüche: eine ätherische, wie durchsichtig schimmernde Schönheit, aber nahbar; intellektuell neugierig, aber verunsichert; emotional anstrengend und leicht daneben – „ditzy“ im Amerikanischen -, aber von entwaffnendem Charme, nicht nur für Menschen/Männer mit Helfersyndrom.

          Ein Schaffner, der aussieht wie Robin Williams

          Es war eine Rolle, die Keaton für Allen ganz ähnlich mehrfach spielte, etwa in „Mach’s noch einmal, Sam“, und sie brachte ihr einen Oscar ein. Dass sie ernstes Material ebenfalls beherrschte, bewies sie etwa als Mafioso-Gattin in allen drei Teilen von „Der Pate“; aber dem Zeitgeist kam sie nie mehr so nahe wie mit der Annie. Bei vielem von dem, was sie danach spielte, etwa der Mutter-der-Braut in den „Vater der Braut“-Filmen oder der betrogenen Gattin in „Der Club der Teufelinnen“, war es oft so, als sehe man Annie, die das Erwachsenwerden erfolgreich absolviert hat. Keatons erfolgreichere Altersrollen zeigen Frauen, die unspektakulär gereift sind, aber wissen, was sie wollen. In dem Film, den zu bewerben sie nach Erfurt gekommen ist, „Das grenzt an Liebe“, hat Keatons Figur ihre Gefühle zwar nicht immer beieinander; doch von den Angelegenheiten des Herzens weiß sie immer noch mehr als ihr männliches Gegenüber, Michael Douglas. Annie ist weit gekommen.

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