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Ben Affleck im Interview : „Ich bin ein Bücherwurm“

  • -Aktualisiert am

Der Mann hinter der Theke: Ben Affleck spielt Onkel Charlie, der sich im Film „The Tender Bar“ um seinen Neffen J.R. (Tye Sheridan) kümmert. Bild: AP

Hollywoodstar Ben Affleck spielt auch gerne Nebenrollen, wie im neuen Film „The Tender Bar“, bei dem George Clooney Regie führte. Im Interview verrät er, wer seine Vorbilder sind – und was für Bücher er mit seiner Tochter liest.

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          Herr Affleck, nach „The Last Duel“ ist „The Tender Bar“ nun der zweite Film, in dem Sie sich mit einer Nebenrolle be­nügen. Gefällt es Ihnen, nicht im Mittelpunkt zu stehen?

          Abgesehen von der schlechteren Be­zahlung, habe ich Nebenrollen eigentlich immer schon bevorzugt. Man hat eine ­Freiheit, die man als Hauptdarsteller nie haben wird.

          Warum nicht?

          Weil es im Mainstreamkino – nicht ganz unberechtigt – die herkömmliche Meinung gibt, dass ein Protagonist oder eine Protagonistin grundsätzlich sympathisch genug sein muss, um beim Publikum Empathie zu wecken und es mit auf eine Reise zu nehmen. Bestimmte Charakterzüge oder Verhaltensweisen können dazu führen, dass Zuschauer sich distanzieren, und dann hat ein Film sie meist verprellt. Entsprechend ist eine gewisse Tugendhaftigkeit nötig, die aus erzählerischer Sicht sinnvoll ist, aber darstellerisch beengend sein kann. In einer Nebenrolle hat man die Möglichkeit, ­komplizierte, widersprüchliche oder alles andere als perfekte Figuren zu spielen.

          Aber kompliziert und widersprüchlich sind doch eigentlich in der Realität fast alle Menschen.

          Na klar. Deswegen finden wir diese Figuren ja auch meistens so interessant. Im Zentrum einer Geschichte wollen wir im Kino allerdings – so die traditionelle Meinung – lieber jemanden sehen, der vielleicht nicht ganz so unserer Alltags­erfahrung entspricht. Da sind facetten­reichere Nebenrollen eher schmückendes Beiwerk. So wie damals Jeremy Renner in meinem Film „The Town – Stadt ohne Gnade“. Er war spektakulär als mörderischer Bankräuber, das Publikum war begeistert von ihm. Aber als Protagonist hätte die Figur kaum funktioniert, weil dann immer die Frage im Raum gestanden hätte, ob man mit jemandem wie ihm überhaupt mitfiebern darf.

          In „The Tender Bar“ spielen Sie nun einen Sympathieträger, den Onkel und Mentor des jungen Protagonisten J. R. Wer waren in Ihrem Leben die Männer, die bei Ihnen als Junge die bleibendsten Eindrücke hinterlassen haben?

          Mein Vater und mein Großvater waren und sind für mich auf jeden Fall echte Vor­bilder, die mich sehr geprägt haben. Aber auch meinem Schauspiellehrer habe ich viel zu verdanken.

          Mehr als das reine Vermitteln der Schauspielkunst?

          Auf jeden Fall. Er unterrichtete nicht nur Schauspielerei, sondern auch Regie und Drehbuch, und zu erkennen, wie eng diese drei Disziplinen verwoben sind, war für mich von großer Bedeutung. Gerade das Regieführen wird manchmal etwas mystifiziert, es kann viel Respekt einflößen. Dass ich mich immer recht unbefangen getraut habe, mehr auszuprobieren, als nur vor der Kamera zu stehen, liegt wirklich an diesem Mann. Fast noch wichtiger war aber, was er mir, Matt Damon und anderen Schülern jenseits des Fachlichen vermittelt hat. Integrität sich selbst und Respekt anderen gegenüber, wie man das eigene Tun ernst nimmt und was es heißt, professionell zu sein, harte Arbeit, Pünktlichkeit – das alles habe ich von ihm gelernt. Klingt nach naheliegenden, fundamentalen Dingen, aber wenn sie einem von jemandem bei­gebracht werden, den man bewundert und den man zufriedenstellen möchte, dann brennt sich das besonders ein. Ich habe ­diese Dinge als Prinzipien in meiner Arbeit verinnerlicht – und sie leisten mir bis heute gute Dienste.

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