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Hollywood-Stars bei Scientology : „Das Geschäft läuft gut“

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An der Franklin Avenue wird nicht nur vornehm geruht und gut gegessen. Das Celebrity Centre dient auch als Anlaufstelle für stressgeplagte Stars. Bei Karriereknicks werden sie dort beraten, können Kontakte mit Kollegen, Drehbuchautoren oder Filmstudios pflegen oder sich den Reinigungsriten der Organisation unterziehen. Auch bei persönlichen Krisen steht das Centre den Stars zur Seite. So soll Kirstie Alley hier die Modalitäten ihrer teuren Scheidung von Parker Stevenson verhandelt haben - unter Aufsicht eines ranghohen Scientologen. Lisa Marie Presley, wie ihre Mutter Mitglied, hat dagegen nach Angaben von Wollersheim 1994 Hilfestellung bei dem Heiratsarrangement mit dem King of Pop Michael Jackson bekommen. Die Organisation habe gehofft, dass Jackson unter seinen jungen Anhängern künftige Scientologen rekrutieren werde.

Rollen trotz teils mäßigen Talents

Tom Cruise, Leah Remini, Jenna Elfman, John Travolta und seine Frau, die Schauspielerin Kelly Preston, gehören zu den aktivsten Mitgliedern des Celebrity Centre in Los Angeles. Sie verdingen sich für die verschiedenen Aktionen der Organisation wie Leseprogramme für Kinder, Scientology-Werbung in Gefängnissen und Umweltschutz à la Hubbard. Wie Scientology selbst ist auch der Zweck dieser Programme umstritten. Kritiker sehen in ihnen nur den Versuch, zahlungsfähige Neukunden für Hubbards Bücher und „Techniken“ zu werben. Ihre Anhänger dagegen loben die Segnungen seiner Lehren. „Wer ein reiches, erfülltes Dasein haben und richtig glücklich sein möchte, braucht Scientology. Früher war ich eine Einzelgängerin, heute übernehme ich eine große Verantwortung für die Menschheit“, sagt Kelly Preston, die schon in der Schauspielschule durch ihren Lehrer angeworben wurde. Ihre Karriere scheint von den Verbindungen der Gruppe in Hollywood profitiert zu haben. Neben Tom Cruise durfte Preston in der Sportsaga „Jerry Maguire: Spiel des Lebens“ mitwirken und bekommt trotz des ihr nachgesagten mäßigen Talents immer wieder Rollen angeboten.

Zu ihren peinlicheren Werken gehört ausgerechnet „Battlefield Earth“, die Verfilmung des gleichnamigen Science-Fiction-Romans von L. Ron Hubbard. Vor 75 Millionen Jahren, so der Plot, bringt ein böser galaktischer Herrscher Milliarden von Außerirdischen auf die Erde und setzt sie an Vulkanen ab, um sie danach mit Wasserstoffbomben in die Luft zu sprengen. Die Seelen der Aliens rotten sich aber zusammen, klammern sich an die Menschen und verseuchen dort bis heute Körper und Geist. Was sich wie ein Drehbuch liest, ist tatsächlich das inhaltliche Fundament von Scientology. Rettung vor den Seelen der Außerirdischen bieten demnach einzig Hubbards teure „Techniken“. Der verstorbene Produzent Don Simpson, der mit Tom Cruise „Top Gun“ gedreht hat und selbst Scientologe war, nannte das Ganze nach Verlassen der Organisation schlicht „Bauernfängerei“.

Travolta auf höchstem Erkenntnis-Level

In Hollywood scheint die Werbung neuer Mitglieder meist über persönliche Kontakte zu funktionieren. John Travolta hörte vor mehr als 30 Jahren während Dreharbeiten zum ersten Mal von L. Ron Hubbard und ist seitdem dabei. Auf der Mitgliederliste der Organisation wird der Schauspieler inzwischen als „OT VIII“ geführt. Damit repräsentiert Travolta in der strengen Hierarchie Scientologys das höchste Level der Erkenntnis.

Tom Cruise, in der Organisation eine Stufe unter Travolta angesiedelt, soll Ende der achtziger Jahre durch seine erste Frau, die Schauspielerin und Scientologin Mimi Rogers, angeworben worden sein. Er wiederum hat Hubbards Ideen später seiner zweiten Frau (Nicole Kidman) und seiner dritten Frau (Katie Holmes) näher gebracht. Zuletzt bemühte sich Cruise unter anderen um Talkshow-Moderator Larry King und Schauspielerkollege Jim Carrey. Während sich Carrey offenbar zu einem ersten Scientology-Kursus überreden ließ, zeigte sich King auch nach einer Führung durchs Celebrity Centre nicht begeistert: „Ich mag Tom. Aber ich teile die Ansichten seiner Kirche nicht.“ Nun kursieren Gerüchte in Los Angeles, dass die dritte Mrs Cruise sich um die frisch aus Madrid übersiedelten Beckhams bemüht hat. Victoria Beckham habe eine Mitgliedschaft bei Scientology aber ebenfalls abgelehnt - aus Kostengründen.

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