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Höchster Berg Afrikas : Führt bald eine Seilbahn zum Kilimandscharo?

Majestätisch: Der Kilimandscharo ist mit 5895 Metern der höchste Berg Afrikas. Bild: dpa

Der Kilimandscharo mit seinem weißen Gipfel zieht immer mehr Touristen an. In Zukunft könnte sogar eine Seilbahn auf Afrikas höchsten Berg führen. Umweltschützer sehen das kritisch.

          3 Min.

          Was für ein Berg! Schneebedeckt thront der Kilimandscharo über der Savanne: das Dach Afrikas, der größte freistehende Berg der Welt. Auf kenianischer Seite grasen Elefanten, in Tansania brechen jeden Tag die Bergwanderer auf, um den fast 6000 Meter hohen Koloss zu besteigen. Etwa 50.000 sind es jedes Jahr, und es werden immer mehr. Nicht wenige ziehen, wenn sie wieder im Tal sind, noch weiter nach Sansibar oder in die Serengeti. Für den klammen Haushalt des ostafrikanischen Lands ist das ein Segen.

          Thilo Thielke

          Freier Berichterstatter für Afrika mit Sitz in Kapstadt.

          Allein im vergangenen Jahr stiegen die Tourismuseinnahmen an dem Berg um 7,13 Prozent. Fast 2,5 Milliarden Dollar ließen die Gäste aus aller Welt im Land. Rund 20.000 Bergführer und Träger leben von diesen Einnahmen. Den Kilimandscharo auf eigene Faust zu besteigen ist verboten. Ein Kletterer wird auf seiner Tour meist von drei Personen begleitet: einem Koch, einem Sherpa und einem Führer.

          Es gibt verschiedene Wege zum Gipfel; etwa eine Woche ist man unterwegs. Für die Qualen wird der Bergsteiger aber mit einem traumhaften Blick über die afrikanische Savanne belohnt. Allerdings sollte er in Form sein. Technisch ist der Berg keine große Herausforderung – die Höhe ist das Problem. Nicht wenigen geht irgendwann die Luft aus.

          Mit der Seilbahn auf den Kilimandscharo?

          Vielleicht ließe sich die Zahl der Touristen mit einer Seilbahn erhöhen. Das hat sich jüngst Hamisi Kigwangalla gedacht, Tansanias Tourismusminister. Er hat eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Angeblich sind zwei Unternehmen aus China und eine weitere Firma aus dem Westen am Werke. Es wäre nicht die erste Seilbahn auf der Welt, entgegnet Kigwangalla seinen Kritikern: „Es gibt auch Seilbahnen in Schweden, Italien und im Himalaja.“ Sein Stellvertreter Constantine Kanyasu schätzt, man könnte mit den Gondeln die Zahl der Besucher um 50 Prozent erhöhen.

          Dieses Foto vom Kilimandscharo machte Alexander Gerst aus dem All und postete es auf Twitter.

          Sorgen um die einzigartige Natur hingegen quälen Tansanias Umweltminister January Makamba. Ein Großteil des Kilimandscharo-Massivs, das aus den drei Vulkanen Kibo, Shira und Mawenzi besteht, befindet sich in einem staatlichen Nationalpark. Es ist eine einzigartige Landschaft mit vier verschiedenen Vegetationszonen. Während die Region bis zum Parkeingang auf rund 1800 Metern noch besiedelt und mit Bananen-, Tee- und Kaffeeplantagen bebaut ist, folgen weiter aufwärts auf wenigen Kilometern tropischer Bergregenwald, Moorland, Steinwüste und ewiges Eis. Makamba sagt, ob die Seilbahn umweltverträglich sei, werde er genau untersuchen. Er sagt aber auch: „Welchen Schaden soll schon eine Seilbahn anrichten. Jedes Jahr gehen in Tansania 380.000 Hektar Waldfläche verloren. Was ist wichtiger?“

          Rätsel um die weiße Bergspitze

          Ein Sehnsuchtsort ist der Kilimandscharo schon lange – auch ein Ort des Zwists. Am meisten wird seit jeher um den „Schnee auf dem Kilimandscharo“, so der Titel einer Kurzgeschichte von Ernest Hemingway, gestritten. Die Eingeborenen glaubten früher, dass es sich um Silber und Gold handele, das da oben schimmerte. Sie betrachteten den Berg zudem als eine Begegnungsstätte von Göttern und Geistern. Bis zur Küste, nach Mombasa, hatte sich die Kunde von diesem merkwürdigen Riesen irgendwann herumgesprochen. Kilima-Ndjaro, „Weißer Berg“, oder Kilimana Ngara, „Leuchtender Berg“, sollen die Einheimischen ihn genannt haben.

          Als der deutsche Missionar Ludwig Krapf, der 1846 gemeinsam mit Johannes Rebmann den Gipfel zum ersten Mal erspähte, von der Eiskappe berichtete, hielten ihn die Experten der Londoner Geographischen Gesellschaft allerdings für verrückt. „Ich glaube eher an die Exzentrizitäten eines Reisenden als an solche der Natur“, lästerte der Geograph William Desborough Cooley. Ewiges Eis auf Äquatorhöhe konnte es nach der Meinung der Gelehrten nicht geben.

          Ewiges Eis auf Höhe des Äquators

          Einige Jahre später wusste man mehr. Dass es sich beim Kilimandscharo tatsächlich um einen „Schneeberg, der den Äquator verhöhnt“ handelte, konnte 1889 Erstbesteiger Hans Meyer aus Thüringen glaubhaft ausrufen. Als das heutige Tansania noch deutsche Kolonie war, stand er mit seinem österreichischen Begleiter Ludwig Purtscheller auf dem Gipfel. In seinen Erinnerungen schreibt der Geograph aus einer angesehenen Verlegerfamilie („Meyers Konversations-Lexikon“), wie die zwei „auf dem verwitterten Lavagipfel mit dreimaligem, von Herrn Purtscheller kräftig sekundiertem ,Hurra‘ eine kleine, im Rucksack mitgetragene deutsche Fahne“ hissten und „diese bisher unbekannte, namenlose Spitze des Kibo, den höchsten Punkt afrikanischer und deutscher Erde“ zur „Kaiser-Wilhelm-Spitze“ tauften.

          Mehr als 100 Jahre später, im Oktober 2002, schreckte Lonnie Thompson von der Ohio-State-Universität die Welt mit der in der Zeitschrift „Science“ aufgestellten Behauptung auf, im Jahr 2015, spätestens aber 2020, sei der Kilimandscharo eisfrei. Die Einheimischen waren nicht begeistert. Sie bezweifeln nicht, dass die Gletscher in den vergangenen 100 Jahren kleiner geworden sind. Seit 2006 allerdings stapft regelmäßig der tansanische Ökologe Imani Kikoti vom Kilimandscharo-National-Park durch Schnee und Eis und liest Daten der Messstationen ab. „Die Gletscher sind weit davon entfernt zu verschwinden“, sagt er. Die erfreuliche Entwicklung könnte damit zusammenhängen, dass seit einigen Jahren am Kilimandscharo konsequenter als andernorts wiederaufgeforstet wird und deshalb auch die Niederschlagsmenge steigt. Schon mit anekdotischer Evidenz lässt sich Thompsons kühne These widerlegen: Ein Blick hinauf genügt.

          Für den Seilbahnbau wählten die tansanischen Minister und ausländischen Investoren eine der schönsten Gegenden des Kilimandscharos: die Machame-Route. 1861 schwärmte der Hannoversche Baron Karl Klaus von der Decken über den Blick, den er vom Dorf Machame aus auf das Massiv hatte: „Prächtig leuchtete die glänzende Kappe seines stolzen Hauptes, bei Sonnenuntergang mit zartem, rosigen Licht übergossen.“ Damals war das Reisen noch beschwerlich und ein Besuch des Kilimandscharos noch exklusiv. Bald könnte er ein Ziel für den Massentourismus sein.

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