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Höchster Berg Afrikas : Führt bald eine Seilbahn zum Kilimandscharo?

Als der deutsche Missionar Ludwig Krapf, der 1846 gemeinsam mit Johannes Rebmann den Gipfel zum ersten Mal erspähte, von der Eiskappe berichtete, hielten ihn die Experten der Londoner Geographischen Gesellschaft allerdings für verrückt. „Ich glaube eher an die Exzentrizitäten eines Reisenden als an solche der Natur“, lästerte der Geograph William Desborough Cooley. Ewiges Eis auf Äquatorhöhe konnte es nach der Meinung der Gelehrten nicht geben.

Ewiges Eis auf Höhe des Äquators

Einige Jahre später wusste man mehr. Dass es sich beim Kilimandscharo tatsächlich um einen „Schneeberg, der den Äquator verhöhnt“ handelte, konnte 1889 Erstbesteiger Hans Meyer aus Thüringen glaubhaft ausrufen. Als das heutige Tansania noch deutsche Kolonie war, stand er mit seinem österreichischen Begleiter Ludwig Purtscheller auf dem Gipfel. In seinen Erinnerungen schreibt der Geograph aus einer angesehenen Verlegerfamilie („Meyers Konversations-Lexikon“), wie die zwei „auf dem verwitterten Lavagipfel mit dreimaligem, von Herrn Purtscheller kräftig sekundiertem ,Hurra‘ eine kleine, im Rucksack mitgetragene deutsche Fahne“ hissten und „diese bisher unbekannte, namenlose Spitze des Kibo, den höchsten Punkt afrikanischer und deutscher Erde“ zur „Kaiser-Wilhelm-Spitze“ tauften.

Mehr als 100 Jahre später, im Oktober 2002, schreckte Lonnie Thompson von der Ohio-State-Universität die Welt mit der in der Zeitschrift „Science“ aufgestellten Behauptung auf, im Jahr 2015, spätestens aber 2020, sei der Kilimandscharo eisfrei. Die Einheimischen waren nicht begeistert. Sie bezweifeln nicht, dass die Gletscher in den vergangenen 100 Jahren kleiner geworden sind. Seit 2006 allerdings stapft regelmäßig der tansanische Ökologe Imani Kikoti vom Kilimandscharo-National-Park durch Schnee und Eis und liest Daten der Messstationen ab. „Die Gletscher sind weit davon entfernt zu verschwinden“, sagt er. Die erfreuliche Entwicklung könnte damit zusammenhängen, dass seit einigen Jahren am Kilimandscharo konsequenter als andernorts wiederaufgeforstet wird und deshalb auch die Niederschlagsmenge steigt. Schon mit anekdotischer Evidenz lässt sich Thompsons kühne These widerlegen: Ein Blick hinauf genügt.

Für den Seilbahnbau wählten die tansanischen Minister und ausländischen Investoren eine der schönsten Gegenden des Kilimandscharos: die Machame-Route. 1861 schwärmte der Hannoversche Baron Karl Klaus von der Decken über den Blick, den er vom Dorf Machame aus auf das Massiv hatte: „Prächtig leuchtete die glänzende Kappe seines stolzen Hauptes, bei Sonnenuntergang mit zartem, rosigen Licht übergossen.“ Damals war das Reisen noch beschwerlich und ein Besuch des Kilimandscharos noch exklusiv. Bald könnte er ein Ziel für den Massentourismus sein.

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