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Charlotte und Ludwig Piller : 80 Jahre verheiratet

Hochzeit kriegsbedingt: Zwölf Tage nach dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen heirateten Charlotte und Ludwig Piller am 12. September 1939 in Memmingen. Er war damals Soldat und flog als Kampfpilot Hunderte Einsätze. Sie blieb in Memmingen, wo sie heute noch leben. Bild: Jan Roeder

Charlotte und Ludwig Piller haben am 12. September 1939 geheiratet – zwölf Tage nach Kriegsbeginn. Der Zweite Weltkrieg stellte das noch junge Paar auf die Probe. Jetzt feiern sie Eichenhochzeit.

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          Das „tollste Ereignis“ bisher in diesem Jahr war die Geburt des ersten Urenkels. Ferdinand Ludwig kam am 3. März zur Welt – und wie es seit einigen Generationen im Hause Piller üblich ist, bekam der Erstgeborene auch den Namen Ludwig. Der älteste noch lebende Ludwig, der Uropa des Kleinen, gibt der Familie zusammen mit seiner Frau Charlotte noch einen weiteren guten Grund, in diesem Jahr groß zu feiern: Charlotte und Ludwig Piller begehen am Donnerstag ihren 80. Hochzeitstag. Das seltene Fest der Eichenhochzeit erreichen nur wenige Paare auf der Welt, in Deutschland dürfte es sogar einmalig sein.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Der Zweite Weltkrieg hatte gerade erst begonnen, als Ludwig Piller am 12. September 1939 die damals noch nicht volljährige Charlotte Auerbacher in Memmingen heiratete – kriegsbedingt, sozusagen: Zwölf Tage nach dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen hatte Charlottes Vater der Hochzeit endlich zugestimmt. Geworben hatte der damals 24 Jahre alte Soldat schon länger um die Hand der jungen Frau, die er im Sommer 1937 kennengelernt hatte.

          Ludwig Piller, Jahrgang 1914, stammt aus Vohburg an der Donau, wo gleich mehrere Piller Bürgermeister waren. Er hatte acht Geschwister, nur er, der Älteste, lebt heute noch. Dass er Pilot werden wollte, stand für ihn fest, seit er das erste Mal geflogen war. „Es war kurz nach dem Ersten Weltkrieg oder vielleicht auch etwas später, in den frühen zwanziger Jahren“, erzählt Ludwig Piller. Damals sei ein Gewitter aufgezogen, und er habe einen großen Schirm von der Wirtschaft seines Vaters in Sicherheit bringen sollen. „Der Wind war so stark, dass ich zehn Meter weit durch die Luft flog. Danach wollte ich unbedingt Pilot werden.“

          Zum ersten Mal richtig geflogen ist er 1935 in einer Focke-Wulf Fw 44 „Stieglitz“, nachdem Ernst Udet persönlich Pillers fliegerisches Talent erkannt hatte. Bis dahin hatte Piller im Fliegerhorst Lechfeld in Lagerlechfeld bei Augsburg nur Flugzeugmotoren repariert. Er wurde nach Braunschweig an die Fliegerschule, später nach Magdeburg und Hamburg versetzt. Im Norden aber habe es ihm nicht gefallen. „Ich hatte Sehnsucht nach Leberkäs und dunklem Bier.“ Darum ließ er sich am 3. Juni 1937 nach Memmingen versetzen, wo er der erste Pilot war, der auf dem neuen Fliegerhorst landete – mit einer Do 17 von Dornier und nur wenige Tage bevor er seine Charlotte zum ersten Mal traf.

          „Mit mir hat noch jede Dame tanzen können“

          Charlotte Auerbacher war damals 16 Jahre alt, ihr Vater Polizist. „Alle sechs Wochen bekam er sonntags einmal frei und ging mit uns spazieren“, erzählt sie. „Ich habe es gehasst.“ An jenem 18. Juli aber endete ihr Ausflug nicht nur in einer Gartenwirtschaft bei Tanz und Musik. Am Tisch der Familie saßen auch noch zwei Soldaten. Als der eine die Tochter zum Tanzen aufforderte, wies sie ihn ab. Sie sei zu jung und könne nicht tanzen. „Mit mir hat noch jede Dame tanzen können“, lautete seine Antwort. „So ging’s los“, sagt Charlotte Piller.

          1939: Zwölf Tage nach Kriegsbeginn wird Hochzeit gefeiert.

          Einfach war es nicht für die beiden. Sie hatte ihm zwar verraten, wo sie wohnte. Doch in der Kleinstadt Memmingen miteinander auszugehen war nahezu unmöglich. Die Lokale wie das „Klösterle“, in denen sich die Piloten gern mit ihren Mädchen trafen, wurden oft von der Polizei kontrolliert. „Mein Vater hätte es sofort erfahren.“ Ihnen blieb nur das Kino – letzte Reihe. Als Ludwig schließlich nach ein paar Monaten die Liebelei offiziell machen wollte, war ihr das gar nicht recht. Er ging trotzdem mit Blumen in der Hand zum Vater und warb um sie. „Die ist noch zu jung für Sie“, sagte der. Darauf Ludwig: „Die wird jeden Tag älter.“ Fortan durfte er wenigstens mit ihr ins Kino gehen. „Wenn der Film um 22 Uhr aus war, musste Ludwig mich um Viertel nach zehn zu Hause abliefern.“

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