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Hitze in Deutschland : Erst 38, dann „nur noch“ 30 Grad

  • Aktualisiert am

Eine Luftaufnahme von einem Freibad in Sarstedt, Niedersachsen Bild: dpa

In Hamburg gießt die Polizei mit Wasserwerfern Blumen, Rinder kriegen Sonnenbrand und Waldbrände drohen: Der Sommer ist ungewöhnlich heiß – und bleibt es auch.

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          Diese Woche wird heißer und heißer – aber danach ist etwas Abkühlung in Sicht. „Bis Freitag werden Spitzenwerte bis 38 Grad erwartet“, sagte Meteorologe Adrian Leyser vom Deutschen Wetterdienstes (DWD) am Mittwoch. Am heißesten wird es wohl „irgendwo im Westen zwischen Kölner Bucht und Niederrhein“. Auch sonst liegen die Höchstwerte über 30 Grad. „Ein klein wenig angenehmer ist es im Süden Bayerns und bei auflandigem Wind an der See“, so der Meteorologe. Hitzegewitter mit Starkregen seien möglich, aber selten.

          Am Wochenende ändert sich die Wetterlage. Das Hoch über Nordeuropa wandert nach Russland ab und macht Platz für Ausläufer eines Tiefdruckkomplexes aus dem Norden. Für nächste Woche rechnet der Wetterdienst „nur noch“ mit Spitzenwerten um 30 Grad.

          In der Zwischenzeit bringen tropische Nächte manchen um den Schlaf. In Hamburg zeigte das Thermometer in der Nacht 23 Grad, im Saarland 22 Grad und in Berlin 20 Grad. Im Westen und in Ballungszentren kühlt es an den kommenden Tagen nie unter 20 Grad ab.

          Der Flughafen Hannover wurde mitten in der Urlaubszeit am Dienstagabend wegen Hitzeschäden auf der Start- und Landebahn gesperrt. Den Angaben eines Flughafensprechers zufolge waren 41 Abflüge und 44 Landungen betroffen. 200 Feldbetten wurden für die Gestrandeten aufgestellt. Am Mittwochmorgen um 6.31 Uhr war der Airport wieder startklar. „Das war ein großes Ärgernis, ganz großer Mist“, sagte Airport-Chef Raoul Hille.

          Wasserwerfer für Blumen im Einsatz

          An vielen Orten musste bereits die Feuerwehr ausrücken, um Bäume zu gießen. In Aachen zum Beispiel wässert die Freiwillige Feuerwehr Straßenbäume, um sie vor dem Absterben zu bewahren. In einem Hamburger Stadtpark goss die Polizei die Pflanzen mit zwei Wasserwerfern. Die beiden Fahrzeuge mit ihren jeweils 10.000 Liter großen Tanks wurden am Mittwoch eingesetzt. „Das Wasser in den Tanks muss regelmäßig ausgetauscht werden und das war jetzt wieder fällig. Das macht doch Sinn, das kostbare Trinkwasser sinnvoll und zugunsten der Umwelt einzusetzen“, sagte Polizeisprecherin Heike Uhde zu der Aktion. Am Mittag lagen die Temperaturen in Hamburg bei rund 33 Grad.

          Kinder eines Feriencamps lassen sich im Stadtpark von einem Wasserwerfer der Hamburger Polizei mit Wasser berieseln.

          Dem Bauernverband zufolge zeichnen sich schon jetzt in Teilen des Landes große Ernteausfälle ab, weil etwa Getreide und Gras nicht ausreichend wachsen. Auch Tierfutter droht knapp zu werden. Die eher ökologisch orientierte Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) fordert einen Agrargipfel mit der Ernährungsbranche, um höhere Preise für die Bauern zu vereinbaren. Vertreter von Bund und Ländern treffen sich am kommenden Dienstag, um über die Folgen der Hitze und Dürre in vielen Regionen für die deutschen Bauern zu beraten.

          Rinder leiden unter der Hitze vermutlich mehr als Menschen: „Sie haben eine Wohlfühltemperatur zwischen 0 und 10 Grad Celsius“, sagte der Rinderzüchter Jan Körte vom Unternehmen Rinderallianz in Woldegk (Mecklenburgische Seenplatte). Wenn Temperaturen von 30 Grad und mehr länger anhalten, gehe auch die Milchleistung zurück. Zudem können Rinder auch einen Sonnenbrand bekommen -– auf den weißen Flächen des Fells. „Man muss sie natürlich nicht eincremen“, sagte Körte. Die Tiere müssten aber die Möglichkeit haben, in den Schatten zu gehen.

          In 30 Jahren könnte das ein Durchschnittssommer sein

          Wegen der großen Trockenheit steigt auch die Gefahr von Waldbränden. Im Landkreis Karlsruhe, der am Mittwoch zu den heißesten Orten im Land gehörte, warnte die Feuerwehr. Schon ein kleiner Funke reiche, um ausgetrocknete Waldflächen oder Bäume in Brand zu setzen. Grillen, Lagerfeuer und Rauchen im Wald sollten daher vermieden werden. „Eine große Gefahr, die meist unterschätzt wird, geht vom Auto selbst aus“, sagt die Feuerwehr. Wenn der
          Katalysator heiß laufe, könne sich etwa Gras unter dem Fahrzeug entzünden. Die Empfehlung: besser nur auf Asphalt parken.

          Riesige Waldbrände wie derzeit in Griechenland und Schweden sind in Deutschland nach Einschätzung von Behörden und Feuerwehr sehr unwahrscheinlich. Es gebe viele Maßnahmen zum Schutz und zur Beobachtung der Wälder, sagten Hartmut Ziebs, Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes, und Astrid Uhlmann, Leiterin des Referats Wald und Holz bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung.

          Auch Besucher von Freiluftveranstaltungen sollten sich auf die Sommerhitze einstellen. „Wir bitten unsere Besucher, zum eigenen Schutz nicht nur ausreichend zu trinken, sondern auch Sonnenschutzcreme, Kopfbedeckungen und etwas zum Luftfächeln mitzubringen“, sagte etwa Falk Herzog, Geschäftsführer der Eutiner Festspiele. Das gelte besonders für Nachmittagsvorstellungen.

          Was aktuell noch als ungewöhnlich warmer Sommer gilt, könnte nach Einschätzung des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung in rund 30 Jahren ein ganz normaler Durchschnittssommer sein. „In Deutschland hat die Temperatur seit der industriellen Revolution im Durchschnitt schon 1,4 Grad zugenommen“, sagte Klimafolgenforscher Fred Hattermann. Es sei sinnvoll, in Städten mehr Bäume anzupflanzen, um für ausreichend Schatten zu sorgen.

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