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Fund aus dem Nemisee bei Rom : Hitlers Truppen sollen antike Schiffe Caligulas zerstört haben

Das Geheimnis des Lago di Nemi konnte erst ein weiteres halbes Jahrtausend später durch einen anderen autokratischen, ja größenwahnsinnigen Herrscher Roms gelüftet werden. Der faschistische Diktator Benito Mussolini, immer auf der Suche nach antiken Großtaten, an die er anknüpfen konnte, ließ von 1927 an den Nemisee ablaufen. Dazu musste ein mehr als anderthalb Kilometer langer unterirdischer Kanal, den die Bewohner der Stadt Ariccia schon in vorrömischer Zeit zur Bewässerung ihrer Felder durch die westliche Kraterwand geschlagen hatten, der aber im Mittelalter verfallen und zusammengestürzt war, wieder geöffnet werden.

1932 war das Wasser abgeflossen. Und tatsächlich fanden sich im Schlick die gut erhaltenen Reste zweier stattlicher Holzschiffe, die Caligula hatte bauen lassen. Das größere der beiden, 73 Meter lang und 24 Meter breit, dürfte einen Diana-Tempel beherbergt haben. Das zweite Schiff, mit den Maßen 71 auf 20 Meter, nutzte Caligula wohl als schwimmenden Palast. Weit konnte er sich bei seinen Vergnügungsfahrten freilich nicht rudern lassen: Der Durchmesser des fast kreisrunden Nemisees beträgt kaum einen Kilometer. Vermutlich wurden die Schiffe kurz nach der Ermordung Caligulas versenkt, beim „Bildersturm“ zur Auslöschung der Spuren von dessen Gewaltherrschaft.

Nur vier Jahre später brannte das Museum ab

Zur Rekonstruktion und Unterbringung der Schiffe ließ Mussolini am Ufer des Sees gleich ein passendes Museum mit zwei Hangars errichten. Die Einweihung „Museo delle Navi Romane“, im April 1940 im Beisein des Duce, war ein großes Ereignis. Doch schon vier Jahre später, in der Nacht auf den 1. Juni 1944, wurden Caligulas Schiffe beim Brand des Museums vollständig zerstört. Bisher war sich die Geschichtsschreibung uneins, ob das Museum beim amerikanischen Bombardement einer Stellung der Wehrmacht getroffen wurde oder ob die deutschen Truppen den Brand vorsätzlich gelegt haben.

Diese Zweifel sind nach Ansicht von Bürgermeister Bertucci und seinem Gemeinderat nun ausgeräumt. Für den Brand seien eindeutig die Truppen Hitlers verantwortlich gewesen, sagte Bertucci nach einer Gemeinderatssitzung am Freitag. Soldaten der schweren Flakabteilung 163 hätten das Gebäude vor ihrem Rückzug vor den anrückenden Alliierten vom 2. Juni angezündet. „Wir haben Berichte, umfangreiche Dokumente und Zeugnisse gefunden“, versicherte Betrucci: „Die Nazis vertrieben alle Bewohner und den Museumsverwalter. Sie beschlossen, diese Schätze in Brand zu setzen. Es gibt keinen Zweifel.“

Die Gemeinde Nemi, so der Bürgermeister, fordere nun von der Bundesrepublik Deutschland Wiedergutmachung „für die irreparablen moralischen und materiellen Schäden, die die Gemeinschaft von Nemi erlitten hat“. Und zwar „als sichtbares Zeichen des europäischen Geistes“. Der Bürgermeister hat sich in der Sache an die Kanzlei des aus Deutschland stammenden Anwalts Joachim Lau in Florenz gewandt, der in der Vergangenheit Entschädigungsforderungen von Nachfahren italienischer Opfer von SS-Massakern geltend gemacht hat. „Nemi fordert Schadenersatz von Merkel“, lauteten am Wochenende die Schlagzeilen in italienischen Medien.

Im Museum von Nemi stehen, neben allerlei Exponaten, die bei dem Feuer von 1944 nicht zerstört wurden, zwei Modelle von Caligulas Schiffen im Maßstab von eins zu fünf. In den Hangars wäre Platz für Nachbauten der beiden Schiffe in Originalgröße, die man im 3D-Druckverfahren herstellen könnte. Mit den Entschädigungen aus Deutschland, so heißt es in Nemi, könnten diese finanziert werden.

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