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Meisterschaft im Hirschrufen : Ein langsam anschwellendes Röhren

Guter Ruf: Fabian Menzel imitiert den Hirsch am besten. Bild: dpa

In Dortmund wird Fabian Menzel zum Deutschen Meister im Hirschrufen gekürt. Nun kämpft er um den Europameistertitel. Hinter dem Wettbewerb steckt eine „jahrhundertealte Tradition“ – trotzdem erinnert an die Castingshow „The Voice“.

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          Anwesend ist der König des Waldes nicht. Doch in der Westfalenhalle in Dortmund rufen sie trotzdem nach ihm. Und das allein lässt die deutsche Meisterschaft im Hirschrufen schon als eher skurrilen Wettbewerb daherkommen. Immer wieder schallt ein imitiertes Röhren durch die Halle, das meist langsam anschwillt, sich zum Teil lange hinzieht und sich zwischendurch schon mal wie das Muhen einer Kuh anhören kann.

          David Lindenfeld
          Volontär.

          Hinter all dem stecken allerdings, wie Jäger und Veranstalter stets hervorheben, ein „anspruchsvolles jagdliches Handwerk“ und eine „jahrhundertelange Tradition“. Hirsche rufen – das sei eine Kunst, heißt es. Und der beste Künstler heißt in diesem Jahr abermals Fabian Menzel. „Natürlich ist es toll, aber es bedeutet mir jetzt auch nicht irre viel“, sagt der deutsche Meister, der aus Nüdlingen in Bayern kommt und schon im vergangenen Jahr triumphierte. Wichtig sei ihm das Zusammentreffen auf der Jagdmesse mit den anderen Rufern.

          Für viele im Publikum sei das zwar eine Gaudi-Veranstaltung. „Aber das ist nicht schlimm. Das dient auch dem Echo der Jagd. Je mehr die in die Öffentlichkeit kommt, desto besser.“ Von vielen in der Ge­sellschaft werde sie nämlich noch im­mer als Mordhobby angesehen – das sei die Jagd aber in keiner Weise, sagt Menzel.

          Jury wie bei „The Voice“

          Gerufen wird der Hirsch normalerweise während der Brunft, also in der Paarungszeit. Sie reicht von September bis Anfang Oktober. Der Jäger will dem Hirsch mit seiner Imitation einen Nebenbuhler vor­täuschen, um ihn aus der Deckung zu lo­cken. Im Anschluss kann er besser beurteilen, ob das Tier den Abschussrichtlinien entspricht.

          Bei der Meisterschaft, die im Rahmen der Messe „Jagd und Hund“ ausgetragen wird, geht es darum, verschiedene Situationen möglichst originalgetreu nachzu­ah­men. Weil sich zum Beispiel junge und äl­tere Hirsche voneinander deutlich unterscheiden, müssen unterschiedlich klingende Laute in drei Disziplinen intoniert werden: die Stimme eines jungen, suchenden Hirschs, die Stimme des Platzhirschs beim Kahlwildrudel und das Rufduell zweier gleich starker Hirsche auf dem Höhepunkt der Brunft stehen auf dem Programm.

          Der Wettbewerb erinnert an die Ge­sangs-Castingshow „The Voice“. Auch beim Hirschrufen sitzt die Jury so, dass sie nur die Stimme der Kandidaten hört. Be­wertet wurden die acht Teilnehmer in Dortmund von einem Revierjagdmeister und zwei Förstern, die Punkte vergaben. Dabei durften die sieben Männer und Hildegard Zervos, die als einzige Frau dabei war, verschiedene Hilfsmittel nutzen, um ihre Rufe möglichst lebensecht klingen zu lassen. Genutzt werden hierfür zum Beispiel Ochsenhörner, Tritonschnecken­ge­häuse, Glaszylinder oder verschiedene spezielle Instrumente.

          Beigebracht hat sich Menzel das Hirschrufen „durch das Zuhören“, wie er sagt: „Aber man braucht schon ein musikali­sches Gehör dafür. Entweder man kann es, oder man kann es nicht.“ Ersteres trifft vor allem auf diejenigen zu, die an diesem Samstag in Dortmund auftreten werden. Dann findet die Europameisterschaft statt, für die sich auch die ersten drei Deutschen am Freitag qualifiziert haben. Menzel hofft, die Vorrunde zu überstehen. Hirschrufer aus mehreren Ländern werden dabei nach Dortmund kommen, auch Rufer aus Osteuropa. Die seien traditionell am stärksten, weil sie über größere Popula­tionen verfügten und gefördert würden, sagt Menzel. Nur einer wird abermals nicht auftauchen – ganz egal, wie authentisch die Rufe klingen werden: der König des ­Waldes.

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