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Hilfsprojekt in Kenia : Alles Gute kommt von oben

  • -Aktualisiert am

Nicht mehr im Abseits: Kinder spielen Fußball am Waisenhaus Bild: Wolfgang Eilmes

Ein Fünkchen Zuversicht zum Überleben: Mit dem Projekt „Cargo Human Care“ helfen Lufthansa-Piloten und Ärzte aus Deutschland Aids-Waisen und Slum-Bewohnern in Nairobi.

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          „Wer kein Geld hat in Kenia, stirbt meist sehr früh“, sagt Sven Sievers. Der ehemalige Chefarzt der Frauenklinik in Neustadt fliegt seit seiner Pensionierung mehrmals im Jahr für ein paar Tage nach Nairobi. Dort hält er Sprechstunde in dem kleinen Aids-Waisenhaus dicht bei den Armenvierteln von Limuru am Nordrand der kenianischen Hauptstadt, drei oder vier Tage lang, stets vom frühen Morgen bis in den späten Nachmittag. Und Sievers ist nur einer von 30 Medizinern aus Deutschland, die diesen Job machen - aus freien Stücken, ohne Entgelt und in ihrer freien Zeit.

          Das „Mothers’ Mercy Home“ ist knapp eine Autostunde vom Zentrum Nairobis entfernt. Timothy R. Mbuthia, der Diözesanbischof der anglikanischen Kirche der Region Mount Kenia South, hat mit Hilfe der Frauen aus seiner Gemeinde das Waisenhaus unweit des Slumviertels Buru Buru im Weichbild der Stadt vor elf Jahren gegründet. Er wollte für die ärmsten der Armen, die in grob gezimmerten Holzhütten und Wellblechbaracken ohne elektrisches Licht und fließendes Wasser leben, „ein Zeichen der Hoffnung setzen“, ein Fünkchen Zuversicht zum Überleben. Denn mehr als 1,7 Millionen Kinder, deren Eltern der Aids-Epidemie zum Opfer gefallen sind, leben in Kenias Elendsvierteln buchstäblich von der Hand in den Mund. In „Mothers’ Mercy Home“ fanden damals 84 Kinder Unterkunft und regelmäßige Verpflegung.

          Nil bei Nacht, Mount Kenia im Morgengrauen

          Alles Gute kommt von oben. Das werden die Heimleiterin Paula N. Karanja und ihre Helferinnen gedacht haben, als aus heiterem Himmel der Flugkapitän Fokko Doyen vorsprach, der Chef der Frachterflotte von Lufthansa Cargo, und Hilfe anbot. Doyen hatte auf seinen Flügen von Frankfurt nach Johannesburg planmäßig oft genug in Nairobi zwischenlanden müssen. Die Stadt war ihm vertraut, und der Vater von drei Kindern, ein engagierter und umtriebiger Mann, hatte dort nicht nur das SOS-Kinderdorf besucht, sondern kannte längst auch das Waisenhaus an der vielbefahrenen Ausfallstraße in den Norden. Das soziale Elend in den Vorstädten Nairobis war ihm dabei nicht verborgen geblieben. Mit dem Arzt Sven Sievers und einer Reihe Piloten-Kollegen rief er darum 2004 die „Cargo Human Care“ ins Leben, eine wirkmächtige Initiative zur Unterstützung des Waisenhauses, des SOS-Kinderdorfs in Buru Buru und des SOS Medical Centre, das sich um die ambulante Behandlung der Menschen aus den Armenvierteln im Nordosten Nairobis kümmert.

          Nicht so luxuriös wie in der Business Class: Die Lufthansa willigte ein, auf den Kuriersitzen der Frachtflugzeuge Ärzte mitzunehmen Bilderstrecke

          Am ärgsten trifft es die Kinder, die nach dem Tod ihrer Eltern auf der Straße leben müssen oder bei Verwandten unterkommen, wo sie oft nur geduldet sind. Der 16 Jahre alte John zum Beispiel. Seine Eltern sind an Aids gestorben. Danach kroch er in der Hütte seiner Großmutter unter. Doch der Junge litt unter einem lebensbedrohlichen Herzfehler, der einen Krankenhausaufenthalt und eine kostspielige Operation notwendig machte.

          Durch eine glückliche Fügung fand John einen Platz im Waisenhaus von Limuru. Aber wie die Ärzte bezahlen, woher das Geld für die Operation nehmen? Den nachhaltigsten Akzent für Doyens Initiative setzte sein Arbeitgeber, die Lufthansa. Sie willigte ein, auf den beiden „jump seats“, den sogenannten Kuriersitzen der Frachtflugzeuge, die jeden Tag von Frankfurt nach Nairobi unterwegs sind, sonntagnachts Ärzte aus Frankfurt mitzunehmen und auf dem Rückflug drei oder vier Nächte später zurückzubringen - und dazu im Frachtraum noch medizinisches Gerät, sofern der Platz dafür ausreicht. Auf den Kuriersitzen ist es zwar nicht so luxuriös wie in der Business Class, man hat dafür aber im Cockpit einen unvergleichlichen Ausblick und sieht den Nil bei Nacht und den Mount Kenia im Morgengrauen - ein Abenteuer ist das allemal.

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