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Hilfsinitiative im Mittelmeer : Erstmal hinfahren, dann schauen wir weiter

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Ein Mann mit großen Ambitionen: Harald Höppner in seinem Kutter. Bild: dpa

Tatenlos zusehen wollte er nicht länger, deshalb hilft Harald Höppner jetzt selbst den Menschen im Mittelmeer. Von Mai an wird sein Kutter in Seenot geratenen Flüchtlingen helfen.

          Seit Sonntag ist die „Sea-Watch“ unterwegs ins Mittelmeer. Den fast 100 Jahre alten Kutter hat Harald Höppner Ende 2014 in Holland gekauft. Seither hat er ihn mit Helfern im Binnenhafen von Harburg auf Vordermann gebracht. Das Schiff ist ausgerüstet mit Rettungsinseln für insgesamt 500 Personen, mit Schwimmwesten und Trinkwasser – und einer Satellitenanlage. Höppners „Sea-Watch“ wird von Mai an drei Monate lang von Malta aus im Mittelmeer nach Flüchtlingen Ausschau halten.

          Seit er am Sonntag als Gast der ARD-Talkshow von Günter Jauch zu sehen war, klingelt bei den Höppners in ihrem brandenburgischen Dorf das Telefon noch häufiger – seine Frau und ein Freund und Geschäftspartner unterstützen das Projekt „Sea-Watch“. Höppner setzte in der Sendung gegen den verdutzten Moderator durch, dass sich im Studio alle für eine Schweigeminute erhoben. Damit rückte er die Schicksale der Menschen ins Zentrum, die eine gefährliche Reise übers Mittelmeer auf sich nehmen. Die Zuschauer dankten es ihm, wie viele zustimmende Kommentare im Internet zeigen.

          Die „Sea Watch“, Baujahr 1917, war ursprünglich als Fischkutter im Einsatz - und wurde im vergangenen Jahr von einer privaten Initiative umgebaut. Bilderstrecke

          Harald Höppner versichert, er wisse gut, dass das Mittelmeer ein gefährlicher Ort sein könne, er werde das Schiff schließlich nicht selbst fahren. Der Kahn sei überholt, die Arbeiten seien überprüft worden. Inzwischen habe sein Projekt genügend gut geschulte Freiwillige angezogen, die sich alle zwei Wochen in Malta ablösen sollen. „Wir haben genug Leute“, sagte Höppner am Montag vor der Abfahrt des Schiffs. „Wir fahren da jetzt erst einmal hin, und dann schauen wir weiter.“

          Seenotrettung live im Internet

          Alle Aktionen der „Sea-Watch“ sollen live mit einer Webcam übertragen werden, so dass Interessierte sich leicht und in Echtzeit im Internet informieren können. Ja, versichert Höppner, natürlich habe er mit erfahrenen Seenotrettern gesprochen. Kapitän Stefan Schmidt von der „Cap Anamur“, die seinerzeit vietnamesische Flüchtlinge, sogenannte Boatpeople, rettete, arbeite inzwischen bei dem Verein „Borderline Europe“, der wiederum sein Vorhaben im Mittelmeer unterstütze und Spenden für die „Sea-Watch“ verwalte.

          Anlässlich der Feiern zum 25. Jahrestag des Mauerfalls fiel dem Geschäftsmann Höppner auf, wie unterschiedlich über die Flüchtlinge damals und heute berichtet wird. Sein umgebauter Fischkutter ist daher nicht nur für die konkrete Hilfe gedacht. Höppners Ehrgeiz geht weit über einzelne Seenotfälle hinaus: Sein Projekt und das Engagement derer, die ihn materiell oder politisch unterstützen, soll die Politik ermutigen, sich der Sache endlich anzunehmen. Die Öffentlichkeit, die seine „Sea-Watch“ für die Dramen auf dem Mittelmeer herstellen wird, soll Politiker „zum Handeln zwingen“. Sobald sie handeln, sei sein Kutter nicht mehr gefragt, sagt Harald Höppner. Ihm wäre es sehr recht.

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