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Meghan und Harry : Rassismus und Eifersucht hinter Palastmauern

Prinz Harry und Herzogin Meghan im Interview mit Oprah Winfrey Bild: AP

Meghan und Harry berichten erstmals über ihr gemeinsames Leben bei Hofe. Im Interview mit Oprah Winfrey geht es um ihre Kritik am System – und um die Suizidgedanken der Herzogin.

          7 Min.

          Es gab ihn, den Moment, an dem sich für Meghan vieles, vielleicht alles änderte. Und er hatte mit ihrer Schwägerin zu tun, auch wenn sie der Frau des künftigen Thronfolgers, der Herzogin von Cambridge, keine Vorwürfe macht. Denn diese habe sich entschuldigt, ihr sogar Blumen geschenkt. Als die Episode Schlagzeilen machte, war die Hochzeit von Meghan und Harry schon ein halbes Jahr her. Im November 2018 wurde behauptet, Meghan habe Kate vor der Trauung zum Weinen gebracht. Bei dem Streit sei es um die Kleider der Blumenmädchen gegangen – unter anderen Kates Tochter Prinzessin Charlotte streute Blumen bei der Hochzeit.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Im Interview mit Oprah Winfrey am Sonntagabend aber stellt Meghan klar: Es war genau umgekehrt! Kate brachte sie zum Weinen. Und sie, Meghan, habe ihr das verziehen. Was sie aber erschütterte: Obwohl alle das Gegenteil glaubten, wurde die Geschichte nicht von Kate, ihrem Mann Prinz William, der königlichen Familie, der „Institution“, wie Meghan immer wieder sagt, richtiggestellt.

          Und es wurde nur schlimmer. Fortan ging es zunehmend um die vermeintliche Rivalität von Kate und Meghan, in die auch die beiden Ehemänner, die Brüder William und Harry, hineingezogen wurden. Die Attacken in der Boulevardpresse gegen Meghan, die angeblich einen Keil in die Familien trieb, wurden so heftig, dass sie nachts nicht mehr schlafen konnte. Die Kommentare waren oft sexistisch und rassistisch – ihre Mutter ist Schwarze. Meghan hatte sogar Suizidgedanken, als sie schon im fünften Monat mit Sohn Archie schwanger war. Sie bat um Hilfe, die sie aber nicht von der „Institution“ bekam.

          Kates Tochter Prinzessin Charlotte streute Blumen bei der Hochzeit von Meghan und Harry.
          Kates Tochter Prinzessin Charlotte streute Blumen bei der Hochzeit von Meghan und Harry. : Bild: Reuters

          Im Januar 2019 sprach sie erstmals mit ihrem Mann darüber und ging danach mit ihm zu einer Premiere in die Royal Albert Hall, weil sie lieber nicht allein bleiben wollte. Meghan und Harry litten schrecklich an dem Abend im Theater. Sie hätten sich so fest an den Händen gehalten, dass ihre Knöchel weiß wurden, erzählt Meghan, und sie habe im Dunkeln während der Vorstellung geweint.

          In dem lang erwarteten CBS-Interview mit Talkshow-Legende Oprah Winfrey, die schon Gast bei der Hochzeit von Harry und Meghan im Mai 2018 war und nun fast ihre Nachbarin in Los Angeles ist, ging es vor allem um eines: „ihre Geschichte“. Der Herzog und die Herzogin von Sussex sollten erzählen, wie sie die vergangenen drei Jahre erlebt haben, was sie bewog, das Königshaus zu verlassen. Eine Stunde lang sprach Oprah Winfrey, unterbrochen von langen Werbepausen, nur mit Meghan, danach kam Harry für eine weitere Stunde dazu. Er gibt sich zurückhaltender als seine Frau, nachdenklicher. Vor allem Meghan wird in Szene gesetzt und spricht. Mehrmals greift sie nach dem Arm ihres Manns und fällt ihm ins Wort.

          Gleich am Anfang stellt die Talkmasterin klar: Es habe keine Absprachen vor dem Interview gegeben, etwa die Fragen betreffend; alles, wirklich alles, könne auf den Tisch kommen; und das Herzogspaar sei natürlich für den Auftritt nicht bezahlt worden. Zwischendurch werden einige Bilder vom Grundstück der beiden bei Los Angeles gezeigt, die einen Tag nach dem Mitte Februar geführten Interview aufgezeichnet wurden. Zu sehen ist ein Stück vom Garten. Harry und Meghan zeigen ihre Tiere, Hunde und auch einige Hühner, die Meghan von einer Farm „gerettet“ hat und nun in einem Stall mit Namen „Archie’s Chick Inn“ bei den Sussexes leben.

          Der Anfang war wie ein Märchen

          Der Anfang im Königshaus war für Meghan wie ein Märchen. Sie fühlte sich willkommen in der Familie. Für Harry und das Familienunternehmen Mountbatten-Windsor gab sie dafür auch gerne ihren Beruf und ihre Heimat auf – am Ende aber auch fast noch ihren Namen und ihre Identität, wie sie erzählt. „Man gibt alles ab: Pass, Führerschein, Schlüssel.“ Sie sei vielleicht etwas naiv an die Sache herangegangen, was wisse eine Amerikanerin schon über das britische Königshaus. Das klingt etwas dick aufgetragen, gerade wenn man einen Mann heiraten will, der durch das Leiden seiner Mutter im und am Königshaus geprägt und durch ihren vorzeitigen Tod bis heute traumatisiert zu sein scheint. Die Nationalhymne jedenfalls musste sich Meghan ergoogeln, wie sie erzählt. Eine Anleitung, wie man sich in königlichen Kreisen zu bewegen hat, habe sie nicht bekommen.

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