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Herzblatt-Geschichten : Historisches mit Hasselhoff

Wer findet David Hasselhoff am besten? Richtig, Hasselhoff selbst. Das kriegt unter anderem seine Frau zu spüren. Bild: dpa

Die Aufregung um die geheimen Geburtspläne von Herzogin Meghan ist riesig. Jack White fürchtet derweil um seinen Titel als „ältester lebender später Promi-Papa der Welt“ – und David Hasselhoff will deutsche Geschichte aufarbeiten.

          Dem beliebten journalistischen Spiel, Menschen zum Gewinner oder Verlierer der Woche zu küren, frönen wir an dieser Stelle nicht. Wenn wir es ausnahmsweise einmal täten, würde der Gewinner Dirk Galuba und der Verlierer Jack White heißen. Für Galuba, 78, der in der Seifenoper „Sturm der Liebe“ einen Hoteldirektor und „Womanizer“ (Bunte) spielt, spricht die Tatsache, dass er jetzt noch einmal geheiratet hat, und zwar die 38 Jahre junge Italienerin Enrica. Der Musikproduzent White wiederum, ebenfalls 78, war vor wenigen Wochen Vater eines Sohns geworden und hatte sich stolz den „ältesten lebenden späten Promi-Papa der Welt“ genannt. Was aber sagt nun Enrica über ihren frischgebackenen Gatten Dirk? „Ein Kind von ihm? Ja, warum nicht!“ Bei Jack White dürfte nun das große Zittern begonnen haben: Wird Dirk Galuba ihn schon bald seinen Titel entrissen haben? Und wird White dessen Sturm der Liebe dann noch etwas entgegensetzen können?

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wir selbst finden ja, dass man dem Alter keine so große Bedeutung beimessen sollte, und interessanterweise sind wir da von Jahr zu Jahr überzeugter. Die Herzblätter sehen das ganz anders, hier wird kein Name gedruckt, ohne direkt dahinter in Klammern das Alter der Person zu nennen. So ist es auch auf den Seiten, mit denen Das goldene Blatt in eigener Sache die Gala der Goldenen Kamera feiert, die von der Funke-Mediengruppe verliehen wird. Ausgerechnet bei der eigenen Verlegerin Julia Becker jedoch, die auf einem Foto neben Kai Pflaume (51) posiert, fehlt diese Angabe. Ein solcher Lapsus passiert den Funke-Blättern nicht zum ersten Mal, weshalb wir hier noch einmal Beistand leisten möchten: Eure Chefin wurde 1972 geboren und dürfte damit 46 Jahre alt sein. Merkt Euch das doch endlich!

          Geschichtsnachhilfe von Hasselhoff

          Schauspieler Christian Kohlund zeigt sich bei diesem Thema im Neuen Blatt ganz gelassen. „Ich kann nichts dafür, dass ich älter werde, aber ich will ich selbst und authentisch bleiben. Ich will niemandem etwas vorspielen.“ Hoffen wir, dass er nach dieser für seine Zunft heiklen Aussage trotzdem noch Rollenangebote bekommt.

          Keinerlei Sorgen, mal nicht mehr gefragt zu sein, muss sich Modedesigner Guido Maria Kretschmer machen, Meister der Corporate Identity und gerngesehener Gast in den bunten Blättern. Auf seinen Kakao wartet er in einer Hotellobby, wie Gala festhält, „im Schneidersitz“. Merken Sie die raffinierte Selbstreferentialität?

          Die Klatschblätter dieser Welt wollen wissen, wo und wie Meghan Markle demnächst ihr Kind bekommt – und das obwohl sie abgetaucht zu sein scheint.

          Ähnlich begabt in Sachen Eigen-PR ist David Hasselhoff, der Gala wissen lässt, warum er Deutschland so liebt: wegen der „wenigen Touristen“. Das ist ja mal ein schönes Kompliment. Von den Bewohnern dieses Landes hingegen scheint er weniger zu halten, denn „wie es damals im Osten war“, so Hasselhoff, „viele wissen das hier in Deutschland gar nicht mehr. Auch über den Zweiten Weltkrieg weiß kaum jemand was.“ Um den Deutschen historisch auf die Sprünge zu helfen, veröffentlicht Hasselhoff nun das Hörbuch „Up Against The Wall“ und zwar „am Tag der Wiedervereinigung“. Im Netz haben wir eine Inhaltsangabe gefunden: Im Herbst 1989 kommt Hasselhoff für ein Konzert nach Berlin, wird dort mit einem CIA-Agenten verwechselt, der ihm täuschend ähnlich sieht, und muss die Stadt vor einem Stasi-General retten, der sie mit einer Atombombe auslöschen will, sollte die Mauer fallen. Und man muss sagen: Hasselhoff hat recht mit seinem Urteil über die Geschichtskenntnisse der Deutschen, denn all diese Ereignisse hatten wir lang schon vergessen.

          Mit seiner historischen Bedeutung konfrontiert Hasselhoff auch seine Gattin Hayley Roberts gerne, und zwar mit Hilfe der Sprachassistentin von Amazon: „,Alexa, wer ist David Hasselhoff?‘ Das frage ich jeden Tag. ,David Hasselhoff ist ein Superstar!‘, lautet die Antwort. Meine Frau ist total genervt, wenn ich das mache. Dann frage ich: ,Alexa, wer ist Hayley Roberts?‘ Antwort: ,Keine Ahnung.‘ Haha!“ Nicht auszuschließen, dass Hasselhoff, wenn er so weitermacht, bald eine andere Frage stellen muss: „Alexa, hast du meine Frau gesehen? Ich hab’ sie jetzt schon tagelang nicht gesehen.“

          Eigenmarke Guido: Der Designer weiß, wie man sich im wahrsten Sinne des Wortes in Szene setzt.

          Nicht viel zu sehen bekommen dürfte die Weltöffentlichkeit auch vom neuen royalen Baby, dessen bald erwartete Ankunft die Blätter mit zahlreichen die Leserschaft irreführenden Schlagzeilen vorwegnehmen (zum Beispiel Bunte: „Meghan & Harry – Dramatische Stunden vor der Geburt“). Auch In berichtet, dass Meghan den Medienrummel vermeiden möchte: „Deswegen hat sie sich ein Krankenhaus in der Nähe vom Frogmore Cottage ausgesucht, in dem das Kind aufwachsen wird.“ Nichts gegen Diskretion, aber ist es nicht etwas übertrieben, das Kind aus Schutz vor den Paparazzi in einem Krankenhaus aufwachsen zu lassen?

          Andere Blätter wollen von einer Hausgeburt wissen. Die Spekulationen sind so oder so wieder die reinste Freude. Echo der Frau etwa schreibt, es sei „aus Palastkreisen“ durchgesickert, „die royalen Eltern hätten bereits jetzt Sänger Elton John (72) als Klavierlehrer engagiert“. Ganz gewiss, doch damit nicht genug: Gerhard Richter wird dem Kleinen Kunstunterricht geben, das Laufen bringt Usain Bolt ihm bei. Abraten würden wir Meghan und Harry indes davon, David Hasselhoff als Geschichtslehrer zu verpflichten.

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