https://www.faz.net/-gum-9d7zv

Herzblatt-Geschichten : Der große Moment einer Explosion

Meghan Markle: Ob sie hier ihre Schwangerschaft gekonnt versteckt? Bild: AP

Hilfreiche Sextipps vom Experten, einem Pfarrer, untrügliche Anzeichen einer Schwangerschaft von Meghan Markle, und eine kranke Steffi Graf, die eigentlich nur 50 wird. Viel Spaß mit unseren Herzblatt-Geschichten.

          3 Min.

          Das hat uns gerade noch gefehlt: „6 Sex-Tipps von TV-Pfarrer Fliege“ kündigt die Bild-Zeitung auf ihrer Titelseite an. Was mag als Nächstes kommen? Die 6 Top-Gebete, empfohlen von Dieter Bohlen? 6 Finanz-Tipps von Boris Becker? 6 Ratschläge von Redakteuren der Bild-Zeitung, wie Sie garantiert in den Himmel kommen?

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Fliege jedenfalls scheint seit neuestem nicht nur Sex-Experte zu sein, sondern auch Fachmann für Elektronik: „Unser Körper ist unsere Antenne zum Leben und will immer“, weiß der 71-Jährige und fordert: „Die Augen auf, wenn wir uns berühren an Leib und Seele, denn geschlossene Augen dienen oft nur fremden Fantasien.“ Und während wir noch überlegen, wessen Fantasien es dient, wenn unsere Augen geschlossen sind, folgt der abschließende Rat: „Jetzt ist viel Zeit, ineinander zu bleiben, ohne auf den großen Moment einer Explosion zu schielen.“ Wir fassen zusammen: die Augen stets offen halten, aber nicht schielen. All jenen aber, die sich darauf einlassen, sich von Fliege ganz persönlich an Leib und Seele berühren zu lassen, möchten wir empfehlen, währenddessen auf jeden Fall die Ohren zu schließen.

          Ob Jürgen Fliege auch auf seine Präsenz auf der Bild-Titelseite angestoßen hat?

          Schwangerschaftsdetektive

          Einer, dessen Antenne oft auf Empfang war, ist Roberto Blanco, der jetzt aber dem Neuen Blatt sagt: „Heute bin ich nur noch einer Frau treu. Meiner Ehefrau.“ Das klingt, als ob er früher vielen Frauen gleichzeitig treu gewesen wäre, und da würde uns ja doch interessieren, wie er das gemacht hat.

          Etwas kompliziert klingt auch, wie es die Neue Frau herleitet, dass Herzogin Meghan ein Kind bekomme. Das „verräterische Anzeichen“ nämlich ist, dass Meghans Scheitel „plötzlich deutlich lichter als früher“ sei. Doch warum lässt Meghans Frisurproblem auf eine Schwangerschaft schließen? „Die Erklärung: Wenn junge Frauen die Pille absetzen, sinkt der Östrogenspiegel in ihrem Körper. Die Folge: Die Haarqualität wird schlechter. Kommt es dann zur ersehnten Schwangerschaft, müssten sich die Symptome eigentlich bessern.“ Moment mal, dann wäre sie demnach gar nicht schwanger? „Manchmal aber auch nicht. Dann nämlich, wenn die Schwangere unter Eisenmangel leidet. Ist das der Fall, beginnen die Haare noch dünner zu werden und auszufallen.“ Gute Güte, wie verwirrend. Am Ende leidet Meghan also nur unter Eisenmangel, aber machen Sie daraus mal eine Schlagzeile.

          Bald 50: Steffi Graf ist sich hoffentlich – wie alle anderen Menschen um die 50 – der Gefahren bewusst, die auf sie warten.

          Das hier klingt schon dramatischer: „Krebs-Fluch! Große Sorgen um Steffi Graf“, titelt Freizeitrevue. Gottlob ist auch diesmal die Geschichte dahinter komplett luftleer: Steffi Graf wird bald fünfzig, und „ab diesem Alter erhöht sich das Risiko einer Krebserkrankung“. Wie übrigens auch das Risiko für Bluthochdruck, Übergewicht und, was war noch mal das Dritte? Ach ja, immer mehr Dinge zu vergessen. Wir wissen, wovon wir reden.

          Heino mit dem ganz besonderen Gürtel

          Iñaki Urdangarin, Schwiegersohn von Spaniens früherer Königin Sofia, ist auch schon fünfzig, hat aber noch ganz andere Probleme, denn er sitzt im Gefängnis – wo ihn Sofia laut Echo der Frau besuchen möchte, was aber Letizia, der Ehefrau des amtierenden Königs Felipe, angeblich nicht passt: „Zumal der Ehemann von Infantin Cristina (53) wegen moralisch verwerflicher Delikte wie Veruntreuung von Steuergeldern, Geldwäsche und Betrugs verurteilt wurde.“ Jetzt würde uns natürlich interessieren, welche Delikte das Echo der Frau als moralisch nicht verwerflich ansehen würde: Falschparken? Taschendiebstahl? Widerstand gegen die Staatsgewalt? Auf jeden Fall, vermuten wir, die Verbreitung von Lügengeschichten.

          Nicht gelogen ist zumindest die Meldung desselben Blattes, dass „Schlager-Legende Heino“ mit dem „Kampf-Kunst-Preis“ ausgezeichnet wird. Es handelt sich dabei tatsächlich um den Preis eines Kampfsportverbandes, da Heino den schwarzen Gürtel in Jiu-Jitsu trage. Dabei hatten wir zunächst gedacht, der Preis beziehe sich auf Heinos musikalisches Schaffen: All die Soldaten- und Marschlieder, die er über die Jahre so geschmettert hat, lassen sich schließlich trefflich unter „Kampf-Kunst“ subsumieren.

          „100 Karat“ am Krankenbett

          Etwas ziviler, wenngleich kaum erträglicher sind die Schunkelschlager der Amigos, die Bild gesagt haben sollen: „Wir wissen, dass unser Präsident ein Fan von uns ist.“ Das Neue informiert nun darüber, dass sich Frank-Walter Steinmeier einer Augenoperation unterzogen habe, und schreibt: „Erholen kann er sich nun mit der neuen CD ,100 Karat‘ von den Amigos! Bei seiner Lieblingsband muss er nicht schauen, sondern kann nur zuhören.“

          Frank-Walter Steinmeiers Lieblingsband? Die Amigos.

          Uns versetzen diese Sätze in Besorgnis, denn unserem Verständnis nach sollte ein Bundespräsident am liebsten Beethoven oder Bach oder wenigstens Grönemeyer hören. Walter Scheel mit dem gelben Wagen war schlimm genug, aber möchte man sich vorstellen, wie Steinmeier im Krankenbett die verkorksten Songzeilen aus „100 Karat“ mitsingt: „Wenn du mich zärtlich küsst, dann spüre ich das Leben, ich hab das so vermisst, mit dir kann ich’s erleben“? So was bringt die Autorität des höchsten Staatsamtes schwer ins Wanken. Aus diesem Grund ein dringender Rat an die Herren Farid Bang und Kollegah: Solltet ihr irgendwie spitzkriegen, dass Steinmeier womöglich auch eure Platten schätzt, dann haltet um Gottes Willen die Klappe.

          Weitere Themen

          Bruder von Honduras’ Präsident verurteilt

          Kokainschmuggel : Bruder von Honduras’ Präsident verurteilt

          Der Bruder des honduranischen Präsidenten ist in den Vereinigten Staaten wegen Kokainschmuggels schuldig gesprochen worden. Er soll Geschäfte mit dem ehemaligen mexikanischen Drogenboss „El Chapo“ gemacht haben – und seinem Bruder Geld für den Wahlkampf gesponsert haben.

          Topmeldungen

          Zukunft der Menschheit : Eine Batterie für alles!

          Mit einem Handy fing alles an, inzwischen geben Autohersteller jährlich dutzende Milliarden dafür aus: Lithium-Ionen-Akkus treiben heute zahllose Geräte an. Die größte Zeit der Batterien steht aber noch bevor.

          Brexit-Debatte im Unterhaus : Ein neuer Antrag sorgt für Unruhe

          Zu Beginn des „Super Saturday“ liefern sich Boris Johnson und Jeremy Corbyn einen Schlagabtausch im britischen Parlament. Dabei ist mittlerweile unklar, ob am Nachmittag überhaupt über den Brexit-Vertrag abgestimmt wird.

          Brexit-Liveblog : Abrissbirnen und der Bus des Premierministers

          Johnson will vom Letwin-Antrag nichts wissen +++ Hunderttausende zu Demonstrationen erwartet +++ „Super Samstag“ im britischen Unterhaus +++ Alle Infos zum Durchbruch bei den Brexit-Verhandlungen im Liveblog.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.