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Herzblatt-Geschichten : Geht jetzt mal alle kalt duschen

Sängerin Miley Cyrus hat ihren Schweinen nichts angetan – auch wenn es sich in der „Frau im Spiegel“ zunächst so liest. (Archivbild) Bild: Reuters

Dieter Bohlen will mal wieder in Deutschland auftreten. Guido Maria Kretschmer will von Berlin nach Hamburg umziehen, lässt seine toten Haustiere aber da. Und Miley Cyrus hat zwar zwei Schweine, trägt ihre Mäuse-Ohren aber selbst. Die Herzblatt-Geschichten.

          Wir verraten das nur ungern, aber ganz selten betrachten wir all die Klatschhefte durchaus mit Respekt – nämlich wegen ihrer entschlossenen sprachlichen Altbackenheit. Das Neue Blatt beispielsweise meldet: „Immer mehr Spaßmobile unterwegs – Wer darf auf dem Gehweg fahren?“ Wir haben uns sofort gefragt, was das Heft mit „Spaßmobilen“ meint – die berüchtigten Bier-Bikes? Die Porsches, mit denen beseelte Freiheitsfreunde unterwegs sind? Das Fliwatüüt? Tatsächlich gemeint aber sind die elektrischen Tretroller, die zumeist als E-Roller oder, gänzlich unschön, als E-Scooter bezeichnet werden. „Spaßmobil“ klingt da viel possierlicher, wäre dufte, wenn sich das durchsetzte. „Nehmen wir nachher die U-Bahn oder das Spaßmobil?“ – „Die 20 besten Spaßmobile – getestet von Spaßmobil Bild“.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Honett finden wir auch, wie Das Goldene Blatt seine Leserschaft vor Anglizismen bewahrt – und Jörg Pilawa als „Quizmeister“ vorstellt. In letzter Konsequenz – wer weiß schon, wie viele Leser den neumodischen Begriff Quiz kennen – hätte es freilich „Fragespielmeister“ heißen müssen.

          Guido Maria Kretschmer, der beliebte Mode-Entwerfer, zieht mit seinem Mann von Berlin nach Hamburg um und teilt Gala mit: „Frank füllt gerade an allen möglichen Stellen in unserem Garten je zwei Löffel Erde ab, dort, wo wir über die Jahre unsere verstorbenen Hunde und Katzen begraben haben. Zuerst wollten wir sie ausgraben und mitnehmen. Aber das geht nicht.“ Irgendwie beruhigend, in der Haut der Umzugshelfer hätten wir sonst nicht stecken mögen: „Was ist denn das hier?“ – „Das ist unsere Katze. Ist 2013 gestorben.“

          „Mit Schirm, Charme und Melone“

          Warum er demnächst wieder auf Tournee geht, erklärt Dieter Bohlen, bekannt geworden durch seine Gruppe Modernes Gerede, der Frau im Spiegel: „Meine 1,2 Millionen Instagram-Follower haben mich immer wieder gefragt, warum ich überall auf der Welt singe, in Moskau, Riga und so weiter, aber nicht in Deutschland.“ Wir wissen schon, warum wir nicht auf Instagram sind, immer wieder von 1,2 Millionen Menschen die gleiche Frage gestellt zu bekommen, stellen wir uns echt nervtötend vor. Erstaunlich übrigens, wie Bohlen „überall auf der Welt“ definiert. Dabei können wir uns gut vorstellen, dass er nicht nur in Moskau und Riga aufgetreten ist, sondern auch in Tallinn, Minsk und Wladiwostok. „Tja, dann hab ich irgendwann gesagt, ich mache für euch ein Konzert in Berlin“, hat Bohlen seinen Verfolgern schließlich geantwortet. Gesucht wird nun eine Konzerthalle, in die 1,2 Millionen Leute passen.

          Bald ist er wieder auf der Bühne zu sehen: Dieter Bohlen hat eine Reihe von Konzerten angekündigt.

          Ziemlich viele Anhänger hatte auch Diana Rigg, Filmstern aus „Mit Schirm, Charme und Melone“. Echo der Frau zitiert aus einem Gespräch Riggs mit dem Guardian: „Ich behielt alle ungeöffneten Fanbriefe im Kofferraum meines Autos, da ich nicht wusste, wie ich reagieren sollte. Und ich dachte, es wäre unhöflich, sie wegzuwerfen.“ Vor dem Schicksal, irgendwann Auto Nummer zwei, drei und vier kaufen zu müssen, bewahrte Rigg ihre Mutter: Diese antwortete dann „auf die wirklich unpassenden Briefe beispielsweise mit: ,Geh kalt duschen.‘“ Könnte das, fragen wir uns, eine Lösung auch für Facebook oder Twitter sein, wo sich gerade junge Frauen immer wieder fiesen Belästigungen ausgesetzt sehen – eine Armee von resoluten Müttern, die all die Rotzlümmel unter die Dusche schicken?

          Guido Maria Kretschmer, der beliebte Mode-Entwerfer, zieht mit seinem Mann von Berlin nach Hamburg um.

          Im Internet ist ja mitunter auch ein Shitstorm, Pardon, ein Notdurftunwetter nicht vermeidbar. Gut, dass sich der junge Schauspieler Marvin Linke nur im betulichen Druckmedium Bunte äußert, und zwar auf die Frage: „Welches Gefühl verbinden Sie mit dem Wort Baum?“ Linke antwortet komplett anders als die üblichen Baum-Umarmer, nämlich so: „Ich mag keine Bäume. Die sind so riesig und erschreckend stark. Wenn ich an Bäume oder Wälder denke, muss ich automatisch an Gruselfilme denken.“ Noch kühner wäre hierzulande wohl nur das Bekenntnis, Bienen zu hassen. Nachts unter der Bettdecke liest Linke dann vermutlich Peter-Wohlleben-Bücher. Hoffen wir, dass er wenigstens nicht irgendwann die Bewegung „Fridays against Forests“ ins Leben ruft und sich für die Abholzung der Regenwälder einsetzt.

          „Babys sehen doch alle gleich aus am Anfang.“

          An einen furchterregenden Eingriff in die Natur dachten wir zunächst, als wir in der Frau im Spiegel über Miley Cyrus lasen: „Bei ihrem Besuch im Disneyland nahm die stolze Besitzerin von sieben Hunden, drei Katzen, vier Pferden und zwei Schweinen mit Mäuse-Ohren auf dem Kopf an einer Teestunde mit Minnie Mouse & Co. teil.“ Was mag das wieder für ein entsetzliches Experiment sein: Schweine mit Mäuse-Ohren auf dem Kopf? Es fiel uns ein Stein vom Herzen, als wir auf dem Foto sahen, dass die Mäuse-Ohren Miley Cyrus selber trug.

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          Mit Freude zur Kenntnis genommen haben wir auch, dass Jack White, 78, seine ausgesprochen späte Vaterschaft zum Umdenken bewogen hat. Beim Spazierengehen, offenbart er gegenüber Bunte, schiebe er jetzt „auch mal den Kinderwagen. Das wär früher für mich undenkbar gewesen.“ Komplett konditioniert scheint White aber noch nicht zu sein, gibt er doch auf die Bunte-Frage, wem der kleine Max nun ähnlich sehe, die eher spröde Antwort: „Babys sehen doch alle gleich aus am Anfang.“ Da würden wir Whites Frau empfehlen, den Gatten zumindest anfangs noch nicht allein zum Spielplatz zu schicken: Am Ende kommt er mit dem falschen Kind nach Hause.

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