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Herzblatt-Geschichten : Einmal Schmusen mit Mike Tyson

Ein Mann mit einem Traum: Andre Rieu Bild: EPA

Wann wird der Geiger Andre Rieu endlich zum Mond geschickt? Und kann eine Frau in den Wechseljahren den stärksten Boxer umhauen? Das erfahren Sie in den Herzblatt-Geschichten.

          3 Min.

          Wir sind ja immer dankbar für gutgemeinte Ratschläge, sogar wenn sie aus den Herzblättern stammen. In diesem Fall ist es „Das goldene Blatt“, das uns mitteilt: „Barbara Schöneberger (45) hütet zu Hause ihre eigenen Hühner. ,Die legen Eier und sind glücklich. Das kann ich jedem nur empfehlen‘, verriet die Moderatorin stolz.“ Wir wären der Empfehlung gern gefolgt, schließlich wären auch wir sehr gern glücklich, doch leider will uns das mit dem Eierlegen einfach nicht gelingen.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Von höherem Wert für uns war da schon die „Neue Welt“-Titelstory „Angela Merkel – Jetzt krempelt sie ihr Leben um“. Was damit gemeint ist? „Sie scheint jetzt mehr auf sich zu achten, vermeidet langes Stehen. Selbst bei Staatsempfängen bleibt die Kanzlerin sitzen, wenn die Bundeswehr-Kapelle die Nationalhymne spielt.“ Davon haben wir, wenn wir ehrlich sind, schon immer geträumt: Unser gesamtes Leben umkrempeln zu können, indem wir einfach sitzen bleiben.

          Sollte Merkels wiederholtes Sitzenbleiben medizinische Gründe haben, dann wären es gewiss andere als solche, von denen wir dank „In“ erfahren: Wer häufig nichts zu tun habe, entwickle ein Syndrom des ,Ausgelangweilt-Seins“ und erkranke womöglich an der „Trend-Krankheit Bore-Out“. Trend-Krankheit, das klingt natürlich ausgesprochen hip und cool. Wer hingegen an altbackenen Beschwerden leidet wie Bindehautentzündung oder Fußpilz, der muss sich nun gleich doppelt gestraft fühlen.

          Mike Tyson, das Schmusebärchen

          Auch nicht schön: die Menopause, über die RTL-Moderatorin Katja Burkard nun ein Buch geschrieben hat. „Ich war so dünnhäutig und impulsiv, hatte manchmal das Bedürfnis, um mich zu schlagen“, erzählt sie der „Bild“-Zeitung. „Mike Tyson war ein Schmusebärchen gegen mich.“ Verifizierbar ist diese Behauptung nicht, da Burkard nie mit Tyson in den Ring gestiegen ist; obwohl sie während ihrer Wechseljahre mitunter drei Packungen Chips am Abend futterte, hat sie nie dessen Gewichtsklasse erreicht.

          Schlagkräftig dank Menopause: Katja Burkard

          Immerhin habe die Menopause ihr zu einer neuen Ehrlichkeit verholfen, auch in ihrer Ehe: „Mein Mann geht jeden Samstag auf den Markt und bringt mir Rosen mit“, berichtet Burkard „Gala“. „Seit Jahren denke ich: ,Rosen sind echt nicht meins.‘ Ich hasse es, sie anzuschneiden und mich dabei an den Dornen zu stechen. Jetzt ist es raus.“ Und obwohl sie dem Gatten dies nicht auf die Mike-Tyson-Art mitteilte, war es für ihn „verletzend, denn er brachte sie mir mit, weil er damit sagen wollte, dass er mich liebt“. Weshalb ihr Mann ihr nun doch wieder Rosen kaufen darf: „Ja, jetzt wo ich weiß, warum er sie wählt, freue ich mich darüber.“ Bestimmt kann sie die Stiche jetzt auch ganz anders genießen als vorher.

          Während sich Burkard ganz offen dazu bekennt, ab und an Botox zu nehmen, kommt dies für Victoria Beckham nicht in Frage. „Bunte“ zitiert sie mit den Worten: „Das sieht doch albern aus, wenn man sein Gesicht nicht mehr bewegen kann.“ Was wiederum ganz lustig ist, weil Beckham grundsätzlich nie lächelt und ihr Gesicht ohnehin kaum je bewegt; da würde ein bisschen Botox gar nicht auffallen.

          Ans Verlieren gewöhnt

          Botox nicht gänzlich abgeneigt scheint wiederum Sylvester Stallone, der freilich auch nicht viel zu lachen hat, jedenfalls nicht daheim bei seiner Frau und den drei Kindern: „Ich habe niemals recht. Wenn ich ein Möbelstück auswähle, ist es immer das falsche“, hat er laut „Bild“ gesagt. „Die gute Nachricht ist: Ich habe mich über die Jahre ans Verlieren gewöhnt.“ Womit dann auch klar wäre, woher er die Inspiration für seinen so tapfer scheiternden Boxer Rocky nahm.

          Als Gewinner fühlen darf sich hingegen der frischgebackene Ehemann von Ulla Kock am Brink, die in „Bunte“ von ihm schwärmt: „Ich finde Peter sehr gut aussehend. Ich liebe alles an ihm, sogar, dass er oft Krümel am Mund hat.“ Auf den Hochzeitsfotos, wir haben ganz genau hingeschaut, ist leider kein einziger zu sehen.

          Krümel am Mund freilich sind gewiss nicht die einzige Garantie für eine gelungene Beziehung. „Wie lautet Ihr Ehe-Rezept?“, möchte „Das goldene Blatt“ vom Geiger Andre Rieu, der jetzt siebzig wird, wissen, und der Jubilar antwortet: „Liebe, Vertrauen, Respekt und Humor.“ Da mag „Das neue Blatt“ nicht nachstehen und erkundigt sich bei Rieu: „Was ist Ihr Rezept für eine glückliche Ehe?“ Diesmal lautet seine Antwort: „Liebe. Respekt. Humor.“ Und was ist mit dem Vertrauen? Das wäre echt ärgerlich, wenn jetzt reihenweise die Ehen von „Das neue Blatt“-Lesern in die Brüche gingen, weil Andre Rieu ihnen ein unvollständiges Rezept geliefert hat.

          Eine gewisse Kontinuität wenigstens liefern die Rieu-Interviews bei einem anderen Themenkomplex. „Das neue Blatt“: „Welche Träume haben Sie sich noch nicht erfüllt?“ – Rieu: „Ich würde gerne einmal auf dem Mond spielen!“ – „Das goldene Blatt“: „Und welche Träume wollen Sie sich noch erfüllen?“ – Rieu: „Es wäre toll, einmal auf dem Mond zu spielen.“ – “Frau im Spiegel“: „Welchen unerfüllten Wunsch möchten Sie sich am liebsten erfüllen?“ – Rieu: „Ich würde wahnsinnig gern einmal auf dem Mond spielen.“

          Gut, wenn ihm das Ganze derart wichtig ist, dann wird ihm die Reise hoffentlich noch jemand ermöglichen. Und obwohl wir seine Musik nicht übermäßig schätzen, hätten wir keinerlei Einwände: Da das Vakuum des Weltalls keine Schallwellen überträgt, wäre von dem Konzert schließlich kein einziger Ton zu hören.

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