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Herzblatt-Geschichten : Meckerköppe, bitte melden!

Wie Helene Fischer es wohl findet, dass sie nach monatelangem Schweigen über die gesellschaftspolitische Lage in Deutschland endlich redet – und die Klatschblätter trotzdem nur mit ihrem Hollandauftritt titeln? Bild: dpa

Jan Josef Liefers möchte gerne einmal sein Leben eintauschen, Helene Fischer sorgt für unerwarteten Jubel und Veronica Ferres liefert „MILF“-Steilvorlagen für alle Klatschblätter: Die Herzblatt-Geschichten der Woche.

          Das wäre dann ja wirklich eine irre schnelle Reaktion gewesen, wenn das Echo der Frau mit seiner Schlagzeile „Helene Fischer – Die Jubel-Nachricht des Jahres!“ die öffentlichen Statements gemeint hätte, die die Sängerin gerade gegen Fremdenfeindlichkeit abgegeben hat. Tatsächlich bezieht sich die Zeile auf die Nichtnachricht, dass Fischer demnächst in Holland auftritt. So oder so dürfte bei vielen Menschen gerade das Weltbild kippen, wo neben Fischer noch weitere Schlagersänger wie Stefanie Hertel und der Ballermann–Star Mickie Krause sich als engagierte Staatsbürger erweisen; wenn jetzt noch Andreas Gabalier und Heino gegen Rechts aufstehen, dürfte die Volksmusikbranche endgültig vertrauenswürdiger sein als Institutionen wie, zum Beispiel, der Verfassungsschutz. Vielleicht sollte man es mal mit Stefanie Hertel als Heimatministerin versuchen; der aktuelle Amtsinhaber dürfte sich dafür gern einmal am Ballermann austoben.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Auf die Idee des Tausches hat uns Jan Josef Liefers gebracht, der mit Gala übers Leid an seinen Landsleuten gesprochen hat. „Mich nervt der Hang, sich ständig mit anderen vergleichen zu müssen. Und der Hang zum Klagen – als stünde uns ständig das Wasser bis Oberkante Unterlippe“, klagt Liefers und erklärt: „Mir ist bewusst, dass ich ein privilegiertes Leben führe, und ich will hier auch gar nicht klugscheißen. Ich würde gern mal mit so einem ewig unzufriedenen Meckerkopp einen Monat lang mein Leben tauschen. Dann wüsste der, dass mir keine gebratenen Tauben in den Mund fliegen und endlos Ruhm und Geld.“ Das wäre aber auch wirklich keine schöne Vorstellung, wenn einem endlos Geld in den Mund flöge, autsch!

          Getrennte Vermögen im Hause Ferres-Maschmeyer

          Liefers’ Vorschlag finden wir trotzdem reizvoll und möchten daher alle Meckerköppe da draußen aufrufen, sich bei ihm zu melden: Wer möchte einen Monat lang Jan Josef Liefers’ Leben leben? Anna Loos, dessen Ehefrau, freut sich bestimmt auch schon drauf. „Tatort“-Zuschauer dürften freilich irritiert sein, wenn in Münster neben dem Kommissar Thiel plötzlich noch ein zweiter Meckerkopp auftauchte. Umgekehrt müsste natürlich Liefers einen Monat lang das Dasein des Meckerkopps übernehmen: schon morgens am Büdchen Kurze kippen, anschließend Falschparker aufschreiben und abends bis spät in die Nacht hinein im Internet herumstänkern.

          Ganz gern mal tauschen möchte manch einer sicher auch mit Veronica Ferres: schön, erfolgreich, glücklich liiert – und megareich, wie Gala behauptet. Zu seiner Coverstory „Unsere MEGA-Reichen“ jedenfalls zeigt das Blatt ganz groß die Ferres nebst Ehemann Carsten Maschmeyer. Für die Schauspielerin Anlass, über ihre Social-Media-Kanäle klarzustellen: „ICH gehöre nicht zu dieser Gruppe. Sondern mein Mann. Unsere Vermögen sind strikt getrennt. Mit Ehevertrag.“ Da die Gala-Reporterin ihr am Telefon versprochen habe, dass sie in dem Stück nicht auftauchen werde, wirft sie dem Heft nun „Wort- und Vertrauensbruch“ vor. Leider ohne zu merken, dass sie dem Boulevard Steilvorlagen für die nächsten Schlagzeilen liefert, etwa für „Veronica Ferres und ihr Mann – strikte Trennung!“ oder „Arme Veronica Ferres! Sie ist gar nicht MEGA-reich“.

          Wer an dem Abend im Hause Ferres-Maschmeyer wohl die Rechnung übernommen hat? Die Schauspielerin Veronica Ferres erklärt zumindest, dass eine strikte Trennung der Finanzen in der Haushaltskasse herrscht.

          Manche Schlagzeilen freilich formuliert sie höchstpersönlich. „Ich fühle mich rundum geliebt und das macht mich happy und sexy“, sagt sie der Bild-Zeitung. „Ich bin 53 und, wie meine Kinder sagen, die perfekte MILF.“ Das englische Akronym wird von Bild aufgeschlüsselt als „Mom I’d like to F...“ und übersetzt als „Mutter, die ich gerne f... würde“. Dass zwei der drei Kinder, die sich angeblich so äußern, gar nicht Ferres’ leibliche sind, sondern die beiden erwachsenen Söhne Carsten Maschmeyers, macht die Sache nur noch irritierender. Da sollte wohl eines der Kinder schleunigst sagen: Mom, I’d like you to shut up.

          Die Pilgerreise durch Sterne-Hotels

          Selbiges gilt für Birgit Schrowange, die in Bunte ihr Zehnjähriges als Werbegesicht von Adler feiert und über ihren Sohn sagt: „Laurin ist total uneitel und zieht mit seinen 17 Jahren tatsächlich das an, was ich ihm rauslege.“ Da hoffen wir wirklich sehr für Laurin, dass von seinen Klassenkameraden keiner die Bunte liest. Und dass es sich bei den Klamotten, die Mama ihm morgens rauslegt, wenigstens um keine von Adler handelt.

          Weniger verfänglich scheint die Aussage über seine Frau, mit der Echo der Frau den Schauspieler Pierce Brosnan zitiert: „Sie hat diese Stärke, ohne die ich nicht leben könnte. Wenn Kelly mich ansieht, werde ich schwach.“ Da ist es wirklich gut, dass sie so stark ist, wenn er ständig schwach wird.

          Ob gläubig oder nicht: Mit Modedesigner Harald Glööckler wollen die Engel so oder so in Scharen reden.

          Dass der Designer Harald Glööckler Gott nicht nur gesehen, sondern sogar gemalt hat, haben wir vor Wochenfrist berichtet. Im Neuen Blatt breitet er nun weitere übersinnliche Erfahrungen aus: „In seinem märchenhaften Garten spricht der Künstler mit über 200 Engeln: ,Wenn ich sie rufe, sind die sofort alle da. Dann sehe ich sie auch.‘“ Wie aber führt man eine einigermaßen stringente Unterhaltung mit gleich 200 Engeln? Reden die nicht alle durcheinander, oder redet immer nur er, und die Engel hören zu? „Auch eine Pilgerreise nach Lourdes will der Designer machen“, lesen wir weiter, und Glööckler sagt: „Aber seien Sie sich sicher: Ich werde nicht auf Knien rutschen, sondern so bequem wie möglich reisen und in einem guten Hotel logieren.“ Wenn er diese Pilgerreise bewältigt hat, wird er als Nächstes dann vielleicht über den Jakobsweg fliegen.

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