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Herzblatt-Geschichten : Das Gequatsche der anderen

Hat den Durchblick: Guido Maria Kretschmer präsentiert Anfang März seine neue Brillenkollektion in Hamburg. Bild: dpa

Ein Reporter spaziert durchs leergefegte Venedig, Guido Maria Kretschmer will sich besser mit seinen Hunden verstehen und Schauspieler Samuel Finzi sinniert über Treue. Die neuen Herzblatt-Geschichten.

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          Echt eine aparte Idee von der Bild-Zeitung, ihren Reporter Alexander von Schönburg ins unter Quarantäne stehende, menschenleere Venedig zu schicken und dort Tag für Tag aufschreiben zu lassen, was in einer unter Quarantäne stehenden, menschenleeren Stadt so passiert: nichts. Aus jeder neuen Bild-Ausgabe blickt uns ein ernster Schönburg entgegen, auf einem verwaisten Platz oder in einem verwaisten Hotel, und lauscht den Klängen Venedigs: „Man hört nur noch das Plätschern des Wassers“, stellt er fest. Ach was.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Und so plätschert sie dahin, die Berichterstattung des Grafen, der auf Thomas Manns Spuren wandelt, allerdings „in apokalyptischer Stimmung“, wie Bild behauptet. In gar nicht so apokalyptischer Stimmung freilich freut sich Schönburg über den Anblick von Markusplatz und Dogenpalast: „Alles für mich. Gibt es in Zeiten des Massentourismus einen größeren Luxus?“ Klingt beneidenswert, und vielleicht begründet Bild ja damit so etwas wie den Corona-Tourismus für Menschen auf der Suche nach dem besonderen Nervenkitzel. Ganz ungefährlich ist die Sache ja nicht, denn eigentlich herrscht in Venedig Ausgangssperre, weshalb der Reporter „tatsächlich viel Zeit in meinem Hotelzimmer“ verbringt. Doch alles Schöne hat einmal ein Ende, das Hotel wird dichtgemacht, und Schönburg macht sich auf, die Stadt zu verlassen: „Falls das überhaupt noch möglich ist.“ Mit Schwimmen müsste es eigentlich noch gehen.

          Goldfische sagen „Hi“

          Hierzulande, in unseren noch nicht komplett leergefegten Straßen, trifft man bisweilen Menschen, die ebenfalls eine Neigung zum Wasser zeigen. Schlagersänger Maximilian Arland jedenfalls antwortet auf die Bunte-Frage, wie sich sein Leben durch Corona verändert habe: „Ich habe in Berlin einen Mann mit Taucherbrille samt Schnorchel über die Straße gehen sehen. Da sieht man mal, wohin die Panik einen treibt.“ Sie leben ja noch nicht so lange in Berlin, lieber Maximilian Arland: Nicht notgedrungen muss es sich hierbei um Corona-Panik gehandelt haben. Vielleicht war es ja gerade die Zeit der Fashion Week, oder der Herr war auf dem Weg zu einer fröhlichen Fetisch-Party.

          Ebenfalls eine große Party ist laut Bunte die Kunstmesse Frieze in Los Angeles, bei der alle Stars „ganz nah“ seien: „Ist wie Angeln im Goldfischglas – irgendwann kommen sie alle vorbei und sagen ,Hi‘.“ Nun waren wir, Bunte, weder auf der Frieze, noch haben wir jemals in einem Goldfischglas geangelt – aber wir können es uns nur schwerlich vorstellen, dass die Fischlein da plötzlich „Hi“ sagen.

          Guido Maria Kretschmer hätte so viel Vorstellungskraft vermutlich schon. „Ich würde so gerne Russisch lernen“, teilt der Designer Gala mit, „unsere drei Barsoi-Hündinnen sind ja von der Rasse her die Hunde der russischen Zaren.“ Das mag ja sein, doch wir würden ehrlich gesagt nicht allzu große Hoffnungen darein setzen, dass Sie sich auf Russisch mit ihnen fließend verständigen könnten.

          Wo sich Videorekorder und Grammophon „Gute Nacht“ sagen 

          Ansonsten bietet Kretschmer den Lesern wieder guten Rat in allen Lebenslagen. Zum Beispiel beim Umgang mit Leuten, „die einfach langweiliges Zeug erzählen und dumm daherreden“, was Kretschmer gar nicht mag: „Mein Trick ist der, dass ich meist selbst anfange zu erzählen, so muss ich mir wenigstens das Gequatsche der anderen nicht anhören.“ Auch Gala erzählt Kretschmer konsequenterweise ziemlich viel: „Ich finde, alles und jeder kann hübsch aussehen, auch wenn es nicht immer 100 Prozent werden, das ist egal.“ Worte, die jedem Mut machen, jedenfalls allen, die wenigstens in die Nähe dieses Wertes kommen; wer nur zu 15 Prozent hübsch ist oder gar nur zu 3,8 Prozent, den muntert dies wahrscheinlich nicht so sehr auf.

          Von Kretschmer will Gala dann noch wissen, ob er, der Tausendsassa, denn auch irgendwelche Schwächen hat. Tatsächlich, so dessen Antwort, sei er „talentfrei in technischen Angelegenheiten. Den Videorekorder programmieren? Oh bitte, nein!“ Dies müsse immer sein Mann Frank erledigen. Bei Ihnen im Haus, Herr Kretschmer, steht noch ein Videorekorder? Lassen Sie uns raten: Den Fernschreiber, die Datasette und das Grammophon muss bestimmt auch immer Frank einschalten.

          Mag kein bewusstes Betrügen: Samuel Finzi

          Ein unterhaltsamer Dialog entspinnt sich derweil zwischen Schauspieler Samuel Finzi und Bunte, die von ihm wissen will: „Sind Sie auch treu?“ – „Sie meinen in sexueller Hinsicht?“ – „Genau!“ – „Ich bin ein treuer Mensch, auch wenn diese Form der Treue für mich die uninteressanteste ist.“ Das wäre nun natürlich spannend zu wissen, ob seine Partnerin dies genauso sieht. „Natürlich ist es schlimm, wenn man bewusst betrügt“, gibt Finzi dann aber zu, worauf von Bunte naturgemäß die Nachfrage kommt: „Wie betrügt man unbewusst?“ – „Damit meine ich einen One-Night-Stand. Wenn etwas passiert, weil man zu viel getrunken hat.“

          Wenn also unbewusstes Betrügen nicht ganz so schlimm ist wie bewusstes Betrügen, dann stellt sich eine Frage – nämlich wie schlimm es ist, sich ganz bewusst so zu betrinken, dass man den Partner anschließend unbewusst betrügen kann.

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