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Herzblatt-Geschichten : Was ist so schlimm an Magdeburg?

Die „super Lady“ sieht für ihren „sehr tiefen“ Absturz ziemlich glücklich aus. Bild: dpa

Heidi Klum ist tief abgerutscht, Herzogin Meghan trifft eine 17 Jahre alte Wahrsagerin, und für Mario Adorf beginnt eine Beziehung erst mit einem Seitensprung – die Herzblattgeschichten der Woche.

          Es war ein großer Moment im noch jungen Leben der Marokkanerin Samira, als sie kürzlich im Dorf Asni nicht nur Harry und Meghan traf, sondern der Herzogin ein Henna-Tattoo auf den Handrücken malen durfte, das ihr und ihrem ungeborenen Kind Glück bringen soll. Während des Rituals, sagte die Siebzehnjährige der Agentur AP, sei sie aufgeregt gewesen, doch ihre Eltern werde die Sache sehr stolz machen. Stolz sein können sie auch so schon auf Samira, die zu den Auserwählten eines Bildungsprogramms zählt, welches jungen Frauen den Besuch einer weiterführenden Schule ermöglicht. Warum wir all dies hier erzählen? Nun, weil „Freizeitwoche“ über Samira eine ganz andere Geschichte erzählt.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          „Herzogin Meghan – Was die Wahrsagerin ihr prophezeite“, überschreibt das Blatt den mit einem Foto von Samira, Harry und Meghan illustrierten Artikel über eine „mysteriöse Begegnung in Marokko“. Dabei habe „die geheimnisvolle Frau“ – gemeint ist Samira – Meghan „nicht nur ein langes Leben, sondern auch eine gute Ehe und reichen Kindersegen“ vorhergesagt. Ein Glück, darf man sagen, dass Samiras Eltern wohl nie die „Freizeitwoche“ zu Gesicht bekommen werden; sie wären sonst erstaunt über die Nachricht, dass ihre Tochter an ihrer Schule zur Wahrsagerin ausgebildet wurde.

          Ritual: Herzogin Meghans Henna-Tattoo, ein Mitbringsel aus Marokko.

          Beziehungsstart mit Seitensprung

          Nicht mit Neuem, sondern mit einer ganz ollen Kamelle macht „Frau aktuell“ auf, nämlich mit der Zeile „Rückzug – Angela Merkel – Sieg der Liebe!“. Wie schon etliche Blätter zuvor dreht das Heft Merkels teilweise schon vollzogenen Ämterverzicht ins Private, und da Merkel die Kanzlerschaft erst 2021 abgibt, fragt man sich: Soll das mit diesen Titelstorys ernsthaft noch anderthalb Jahre weitergehen?

          Bereits jetzt zurückgezogen lebt Brigitte Bardot, die „Bunte“ mit folgenden Worten zitiert: „Viele Männer haben mich verlassen. Ich konnte die Lücke immer durch ein neues Haustier schließen. Mich hat noch kein Tier verlassen.“ Mag sein, aber das könnte daran liegen, dass Bardots Tiere, anders als ihre Männer, an die Türklinke nicht rankamen oder sogar angeleint waren.

          Wurde oft befriedigt, aber selten beglückt: Mario Adorf

          Brigitte Bardots deutscher Kollege Mario Adorf hat einen Interviewband veröffentlicht, Auszüge kann man in „Bild“ lesen. „Ich habe mit vielen, vielleicht sogar mit sehr vielen Frauen geschlafen“, schreibt er. „Aber dass ich jedes Mal glücklich gewesen wäre, nein. Es war kein Glück, das war schön oder weniger schön, das war Befriedigung.“ Logisch, möchte man ergänzen, deswegen spricht man ja auch davon, seinen Partner zu befriedigen, nicht ihn zu beglücken. Und das, was mancher macht, wenn gerade kein Partner da ist, wird ja auch nicht „Selbstglück“ genannt.

          Adorf lässt uns außerdem wissen: „Viele junge Leute reichen nach dem ersten kleinen Seitensprung sofort die Scheidung ein, ohne sich zu fragen, ob sie selbst etwas falsch gemacht haben. Für mich fängt eine Beziehung dann überhaupt erst an.“ Diese Definition liefert größeren und kleineren Seitenspringern prima Argumente: „Schatz, ich habe eine schlechte und eine gute Nachricht für dich. Die schlechte: Ich hab dich betrogen. Die gute: Unsere Beziehung fängt jetzt erst richtig an.“

          Der peinliche Herr Kaulitz aus Magdeburg

          Ein intimes Interview geben Birgit Schrowange und ihr Partner Frank Spothelfer „Bunte“. „Sex ist wie Radfahren: Man verlernt es nicht“, sagt Schrowange. Genau, und es gibt noch viel mehr Analogien: Es kann dabei zu Stürzen kommen, im Regen macht es weniger Spaß, und manchmal hat man einen Platten und muss den Schlauch neu aufpumpen. Im Übrigen, so die Moderatorin, „kommt es in unserem Alter beim Sex vor allem auf Liebe, Vertrauen und Zärtlichkeit an. Man muss nicht mehr vom Schrank springen.“ Vom Schrank springen? Es gibt doch immer noch Spielarten der Liebe, die uns gänzlich unbekannt sind.

          Was Schrowange an Spothelfer schätzt? „Ich habe mir immer einen Mann gewünscht, der eine Mischung ist zwischen Cowboy und Marlboro-Man – und genau so ist Frank.“ Moment mal, der Marlboro-Man ist doch ebenfalls Cowboy! Vermutlich hat sich Frank dann eine Mischung aus Fernsehmoderatorin und Fernsehmoderatorin gewünscht und diese in Birgit gefunden. „Auch bei meiner Garderobe nahm ich inzwischen vieles von ihr an und weiß, wie man was zu tragen hat“, erzählt wiederum Spothelfer, und wir sind sicher, dass er in Schrowanges Abendkleid bezaubernd aussieht. Sie sagt dann noch über ihn: „Er hat einen erfolgreichen Job.“ Ist ja phantastisch, dass sein Job so erfolgreich ist! Hoffentlich ist er selbst es auch.

          Shades of Grey: Birgit Schrowange und Frank Spothelfer brauchen keine Sprünge vom Schrank , um sich zu lieben.

          „Was für ein Abstieg“ überschreibt hingegen „Aktuelle“-Leserin oder -Leser H.Höhne aus Bad Saarow seinen Brief über das Paar Klum und Kaulitz: „Heidi Klum, stehts (sic) bedacht auf große Aufmerksamkeit und eine super Lady, nun ist sie sehr tief abgerutscht mit einem Magdeburger mit wenig Bildung und peinlichen Kommentaren.“ Werte(r) H.Höhne: Was ist so schlimm an Magdeburg? Lebt Kaulitz nicht längst in Los Angeles? Und hätten Sie, der Sie anderen wenig Bildung und peinliche Kommentare vorwerfen, „stets“ nicht besser ohne h geschrieben?

          Freuen allerdings dürfen wir uns mit jenem „Bild“-Leser (86), der bei der Aktion „Bild“ zahlt alles“ gewonnen hat und sich, wie die Zeitung auf ihrer Titelseite schreibt, jetzt ein Auto kaufen möchte, weil er „schon so lange nicht gefahren“ ist. Und sollte er demnächst am Steuer den Prinz Philip machen, braucht er sich nicht zu sorgen: „Bild“ zahlt bestimmt auch die Unfallkosten.

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