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Heidi Klum : Deine Welt ist der Ausverkauf

Heidi mit ihrem Ratgeber Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Das Topmodel hat einen Ratgeber herausgebracht und erklärt, wie der American dream auch bei Deutschen funktioniert. Man muß nur dran glauben - und kassieren. Hat sich das Model am Ende doch verrechnet?

          4 Min.

          "Sie ist ein Model, und sie sieht gut aus" - es war 1978, als die deutsche Band Kraftwerk von der Frau ohne Namen sang, die kühl und unnahbar war. In den emotionslos vorgetragenen Liedzeilen klang die ganze Monotonie und Kälte des Geschäfts mit der Schönheit durch. Keiner konnte ahnen, wie schlimm es mal wirklich kommt.

          Anke Schipp

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Heidi Klum war damals fünf Jahre alt. Mit Vater, Mutter und Bruder lebte sie in Bergisch Gladbach, trug einen kurzen Fransenpony, später Dauerwellen, denn Mami war Friseuse. Und Mami konnte leckere Sauerkrautsuppe kochen mit je anderthalb Pfund Schweine- und Rindfleisch, Pilzen und einer Flasche Ketchup. Heidi war der Star in der örtlichen Bauchtanzgruppe. Die Eltern brachten ihr bei, optimistisch und selbstbewußt zu sein. Deshalb überstand sie auch die Teenagerzeit mit Akneproblemen und bösen Klassenkameraden, die Heidi "Pizzagesicht" nannten. 1992 machte sie Abitur.

          "Wie mache ich eine Million in zehn Tagen?“

          Nur wenige Jahre später änderten sich die Schauplätze: Jetzt saß Heidi in einem New Yorker Fernsehstudio bei David Letterman. Oder plauderte in Washington mit Bill Clinton. Oder räkelte sich im Sand von Mustique mit halbgeöffnetem Mund, als äße sie eine Blaubeere (keine Kirsche, denn das, sagt Heidi, wirkt unerotisch). Oder hörte sich Sätze über ihre neue Heimat sagen wie: "Hier in New York sind Leute aus der ganzen Welt, und deswegen ist es auch gerade so interessant."

          Heidi mit ihrem Ratgeber Bilderstrecke

          Eine Karriere, die viele Fragen aufwirft. Zum Beispiel die, was das für eine Familie sein muß, in der man am liebsten Sauerkrautsuppe ißt. Aber die entscheidende ist: Wie hat Heidi es nur geschafft, vom hübschen, aber eher durchschnittlichen Teenager aus der Provinz zum Weltstar zu werden? Antworten dazu liefert ihr gerade in Amerika erschienenes Buch "Heidi Klum's Body of Knowledge - 8 Rules of Model Behavior" (die deutsche Ausgabe kommt im Frühjahr heraus). Eine Mischung aus Autobiographie und Ratgeber nach dem Schnittmuster "Wie mache ich eine Million in zehn Tagen?" Wer 16 Jahre alt ist und von einer Karriere auf dem Laufsteg träumt, kann bei der Lektüre einiges lernen. Wer älter ist, auch: nämlich darüber, wie ein Mensch sich selbst zur Marke aufbaut und in einer Art Endlosschleife vermarktet.

          Sie wollte ein Superstar werden

          Denn Heidi Klum ist nicht das Mädchen, das mit ganz viel Glück wie zufällig auf den Laufsteg stolperte. Zwar begann ihre Karriere tatsächlich planlos (eine Freundin überredete sie, an einem Modelwettbewerb von RTL teilzunehmen, den sie gewann), aber dann biß sich Heidi an dem Gedanken fest, ein Superstar werden zu wollen.
          Die erste Regel in ihrem Buch lautet deshalb: "Du mußt es wollen, Baby." Die kluge Heidi erkannte schnell, daß es noch andere hübsche, wenn nicht gar hübschere Mädchen gibt. Aber die verfügen nicht über eine eiserne Disziplin.

          Heidi zieht nach New York. Dort geht sie mehrmals täglich auf Castings, fragt ihre Kolleginnen aus, wie das Business funktioniert, trainiert das "Mona-Lisa-Lächeln" (geschlossener Mund, aber an den Seiten leicht nach oben hochgezogen), putzt Klinken, macht Sport. Schließlich klappt es. Als sie auf den Titel von "Sports Illustrated" kommt, einem überwiegend von Männern gelesenen Katalog mit Bademode, hat sie es fast geschafft und der Australierin Elle MacPherson den Titel "The Body" abgeluchst. Talkmaster und Moderedakteure werden auf sie aufmerksam.

          Erfolgreiche Menschen spielen eine Rolle

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