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Hausfrauen : Toll, dass du zu Hause bist

Das bisschen Haushalt …Sie kennen das ja. Bild: Fotex/Camerique

Es gibt sie noch, die Hausfrau – auch wenn Politik, Wirtschaft und die „working moms“ sie mehr und mehr belächeln. Zu Unrecht!

          6 Min.

          Manchmal stellt sich Julia Altmann* schon die Frage: Wer bin ich eigentlich? Letztens zum Beispiel, als sich bei einem Elternabend im Kindergarten alle Mütter in der Runde als working mums vorstellten, Mütter also, die arbeiten. Julia Altmann arbeitet auch: Sie kauft ein, sie kocht, sie putzt, sie repariert die Spüle, sie organisiert das Sommerfest in der Schule, sie mistet den Keller aus. Aber es ist eine Arbeit, für die sie nicht bezahlt wird. Deshalb kann sie sich nicht working mom nennen, sondern sagt auf Nachfrage: „Ich bin Hausfrau.“ Regelmäßig schaut sie dann in ungläubige Gesichter. Hausfrau? Im Jahr 2015? Schreibt sie ihre Korrespondenz vielleicht auch noch auf der Schreibmaschine?

          Anke Schipp

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Hausfrau, das gilt als ein Modell aus dem vorigen Jahrhundert. Natürlich gibt es sie noch, aber die Entwicklung zeigt: nicht mehr lange. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts waren im Jahr 2012 in Deutschland 71,5 Prozent aller Frauen im Alter von 20 bis 64 Jahren erwerbstätig, 2002 lag die Quote noch bei 61,8 Prozent.

          Die Personalabteilungen deutscher Unternehmen dürften sich angesichts dieser Zahlen ebenso freuen wie das Familienministerium, denn sie klingen nach Gleichberechtigung. Seit die Krippenplätze ausgebaut werden und man sogar über die 24-Stunden-Betreuung von Kindern nachdenkt, steht den vielen gut ausgebildeten Frauen in Deutschland nichts mehr im Weg. Es gibt keinen Grund mehr, nicht zu arbeiten, nicht beruflich durchzustarten und mit wehenden Fahnen die Vorstandsetagen zu erobern.

          Oder doch?

          Der Tag von Katharina Vogt* beginnt um 6 Uhr morgens. Sie zieht sich an, geht in die Küche, stellt das Müsli auf den Tisch, schmiert Brote für die Brotboxen. Dann macht sie gemeinsam mit ihrem Mann die vier Kinder zwischen drei und neun Jahren fertig. Um 7.30 Uhr verlassen die beiden Schulkinder gemeinsam mit ihrem Mann das Haus, Vogt bringt die beiden Kleinen in den Kindergarten. Dann betreut sie entweder das Elterncafé im Kindergarten, hilft in der Schulbücherei aus oder macht den Haushalt: Spülmaschine einräumen, Betten machen, Wohnzimmer saugen oder den riesigen Berg Wäsche abarbeiten. Noch schnell drei E-Mails für den Förderverein des Kindergartens, schon stehen die beiden Großen vor der Tür - kochen, essen, Hausaufgaben.

          Nachmittags pendelt Vogt zwischen ihrem Zuhause, dem Fußballplatz, Turnhalle und dem Reiterhof und springt schon mal ein, wenn eine berufstätige Mutter einen Engpass hat und nicht weiß, wohin mit ihren Kindern. Nebenbei muss sie vieles im Blick haben, was noch zu erledigen ist: das Geschenk für den Kindergeburtstag besorgen, Kinderarzttermin ausmachen, Winterkleidung aussortieren, Sandalen für alle vier Kinder kaufen.

          Auf die Frage von anderen Müttern „Und wann fängst du wieder an zu arbeiten?“ rechtfertigte sich Katharina Vogt früher oft mit dem Argument, dass ihr Mann eine 60-Stunden-Woche habe, dass sie das auch hätte, wenn sie in ihren Beruf als Controllerin zurückkehren würde, was wiederum mit vier Kindern nicht realisierbar sei. Mittlerweile entgegnet sie nur noch: „Mach doch mal zwei Wochen Praktikum bei mir, und sag mir dann, wann genau ich arbeiten soll.“

          Hausfrauen sind heute Außenseiterinnen

          Früher galten berufstätige Mütter als Rabenmütter, weil sie sich angeblich nicht richtig um die Kinder kümmerten. Jetzt ist es umgekehrt: Hausfrauen sind die Außenseiterinnen, werden wahlweise als Latte-Macchiato-Mütter belächelt, die den ganzen Tag Kaffee trinken, oder als naive Schneewittchen, die den Feminismus verpennt haben und sich von einem Mann abhängig machen. Hinter ihrem Rücken wird getuschelt: „Was macht die eigentlich den ganzen Tag?“ Oder: „Die Arme, die muss ja frustriert sein!“

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