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Ägypten : Hausboote im Nil werden entfernt

Ende des Idylls: Eines der Hausboote vor der Kulisse von Kairo lassen die Behörden abschleppen. Bild: AFP

Die Hausboote gehörten zu Kairo wie der Verkehr und der Nil – nun möchte die Regierung das Gelände aber wirtschaftlich nutzen. Nicht nur für die Bewohner selbst ist das ein Drama.

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          Irgendwann hatte man sich so an ihren Anblick gewöhnt, dass man sie gar nicht mehr bemerkte. Dann wieder fielen sie einem unvermittelt ins Auge, wenn man die Brücke von der Nil-Insel Zamalek zum westlichen Ufer überquerte: die zweistöckigen Hausboote, die sich dort aufreihten. Manche strahlten in alter Eleganz oder neuen Farben, andere waren vor allem re­novierungsbedürftig. Alle aber verströmten ein nostalgisches Flair, das zu Kairo gehörte wie der lärmende Verkehr und der langsam strömende Nil.

          Abriss­bescheide für 32 Hausboote

          Christian Meier
          Politischer Korrespondent für den Nahen Osten und Nordostafrika.

          Nun aber hat die letzte Stunde der „awwamat“ geschlagen. Denn die ägyp­tische Regierung hat für Nostalgie wenig üb­rig, außer sie bringt Geld ein.

          Mitte Juni erhielten die Bewohner der 32 Hausboote Mitteilungen über horrende Strafzahlungen und kurzfristige Abriss­bescheide. Seit einem Jahr hatten die Be­hörden sich geweigert, die Lizenzen für die am Ufer angetauten Boote zu erneuern. Der Grund: Die Regierung möchte das Nilufer „aufwerten“. Am gegenüber­liegenden Ufer sind schon seit einiger Zeit Bauarbeiten im Gang. Und kürzlich ­wur­den Enteignungen angekündigt, um Platz für Cafés und Restaurants am Ufer sowie auf Vergnügungsbooten zu schaffen. Von solchen Entwicklungen profitieren häufig Unternehmen, die dem Militär gehören.

          Der Leiter der „Zentralverwaltung zum Schutz des Nils im Großraum Kairo“, Ay­man Nour, sagte im Fernsehen, das Nilufer solle „wieder ein zivilisiertes Antlitz“ er­halten. Die Bewohner der Haus­boote wurden vor die Wahl gestellt, ent­weder auch ihre Boote in kommerzielle Stätten umzuwandeln oder zu weichen. Sie versuchten, ihre Vertreibung gerichtlich zu verhindern, und richteten sogar einen Appell an Präsident Abd al-Fattah al-Sisi. Dennoch wurden bis Mitte der Woche etwa die Hälfte der 32 Boote von den Behörden entfernt. Die restlichen Boote sollen in der nächsten Woche weggebracht werden.

          Nicht nur für die Bewohner selbst ist das ein Drama. Die Hausboote nehmen auch einen Platz in der Kulturgeschichte Kairos ein. Einst sollen es 300 gewesen sein, nachdem es Ende des 19. Jahrhunderts immer beliebter wurde, auf dem Nil zu le­ben. Sie waren Thema von Filmen, so­gar ein Roman von Nobelpreisträger Nagib Mahfuz spielt auf einem, „Geplauder auf dem Nil“.

          Der berühmte Schriftsteller ­lebte einst selbst in einem „awwama“. Später sank ihre Zahl, und sie wurden auf das Ufer des Stadtteils Kitkat beschränkt. Dennoch sagte die 87 Jahre alte Kairoerin Ikhlas Helmi, die seit Jahrzehnten am Nil lebt, der unabhängigen Nachrichten-Seite Mada Masr vergangenes Jahr: „Es gibt nichts Besseres, als auf einem Hausboot zu leben.“ Wo sie künftig wohnen wird, ist un­gewiss.

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