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Prinz Charles : Das Herz eines Königs

Ein Leben im Konjunktiv: Der Prince of Wales im November 2014 beim Staatsbesuch in Mexiko Bild: AFP

Die Briten blicken mit frischer Neugier auf ihren ewigen Thronfolger Charles, denn eine Biographie und ein Theaterstück haben ihn wieder in den Blickpunkt gerückt. Jetzt fragt man sich: Hätte der oft verspottete Charles gar das Zeug zum Staatsmann?

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          Seit mehr als einem Jahr ist Prinz Charles im Rentenalter, und niemand weiß, wann, ja ob er jemals König der Briten wird. Seine Mutter, Elisabeth II., steht zwar vor ihrem 89. Geburtstag und wird, so Gott will, im kommenden September den Thronrekord ihrer Urahnin Victoria einstellen. Aber sie erfreut sich, soweit bekannt, immer noch bester Gesundheit. Bald wird sie mit ihrem Mann Philip eine Reise nach Deutschland antreten. An eine Abdankung glaubt fast niemand, und manch ein Spötter erinnert daran, dass Elisabeths Mutter, „Queen Mum“, 101 Jahre alt geworden ist.

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Vor diesem Hintergrund kann man sich auch wundern, dass die Briten seit einigen Monaten verstärkt über einen möglichen Wechsel im Buckingham Palace debattieren. Plötzlich wird Charles unter die Lupe genommen. Im November druckte der „Guardian“ einen langen, aufsehenerregenden Bericht über die Veränderungen, die der Monarchie unter Elisabeths ältestem Sohn bevorstehen könnten. Charles sei entschlossen, auch auf dem Thron zu Fragen Stellung zu nehmen, die ihn umtreiben, war zu lesen. König Charles ist sogar im Westend angekommen, wo sich die Schauspielhäuser der Hauptstadt aneinanderreihen. Seit zehn Monaten strömen die Londoner ins Almeida-Theater, um „Charles III.“ zu sehen, ein Zukunftsdrama in Shakespeare-Format. Auch dort wird ihnen ein Held präsentiert, der das unparteiische Erbe seiner Mutter hinter sich gelassen hat.

          Als sei die Zeit über Nacht reif geworden, beginnen die Briten in ihrem lange ungeliebten, oft verspotteten Kronprinzen eine politische Figur zu entdecken, welche die Monarchie und womöglich sogar das Land verändern könnte. Insofern wählte die amerikanisch-britische Journalistin Catherine Mayer den perfekten Augenblick, um die erste Biographie des nunmehr reifen Charles vorzulegen; die letzte ernstzunehmende Biographie liegt lange zwei Jahrzehnte zurück.

          Prinz Charles ist schon sehr lange ein guter Bekannter

          Seit Tagen schon erregt ihr (in der „Times“ vorabgedrucktes) Buch Aufmerksamkeit – und den Ärger des Hofstaates. Nicht dass „The Heart of a King“ (Das Herz eines Königs) Neuigkeiten, gar peinliche Enthüllungen bereithielte. Charles müsste sich, im Gegenteil, eher freuen, denn das Buch nähert sich ihm wohlgesinnt, würdigt seine Wohltätigkeit und den unermüdlichen Dienst am Volk. Selbst wo Mayer den Prinzen in seinen (überwiegend bekannten) Absonderlichkeiten porträtiert, tut sie dies mit Sympathie. Was die Aufpasser bei Hofe nervös zu machen scheint, ist etwas anderes: die allgemeine Unruhe, das Gerede über die Auswirkungen eines möglichen Thronwechsels, das die Biographie noch zu schüren scheint. Zum Schlüsselsatz ist eine Befürchtung geworden, die Mayer der Queen in den Mund legt: Ob die Briten wohl bereit seien für den „Schock des Neuen“?

          Darüber kann man eigentlich, jedenfalls mit etwas Abstand vom paranoiden Hofstaat, nur lachen: Charles und – Schock? Charles und – neu? Noch nie hatten die Briten mehr Zeit, sich auf einen kommenden König einzustellen. Der dienstälteste Kronprinz in der Geschichte ist schon sehr lange ein guter Bekannter. Daran ändert auch Mayers Recherche nichts, die das bestehende Bild nur um ein paar Striche erweitert und sich (neben seinem Liebesleben, seinem karitativen Wirken, seinem Führungsstil und seiner Charakterentwicklung) vor allem den Überzeugungsmenschen vorknöpft.

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