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Harzer Roller : Gérard Depardieu wirbt für deutschen Käse

Gérard Depardieu stellt sein Sauermilchkäse-Rezept vor Bild: obs

Gérard Depardieu, der preisgekrönte, weltberühmte Schauspieler, der viel beachtete Gastronom und Winzer hat eine neue Aufgabe übernommen. Er ist nun „Botschafter für den deutschen Sauermilchkäse“, im Volksmund besser bekannt als „Harzer Roller“.

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          Als Gérard Depardieu um die Ecke biegt, mit seinem gedrungenen Körper, der klobigen Nase und einem champagnerfarbenen Wollschal um die Schultern, der von Ferne auch ein Handtuch sein könnte, und wirkt wie ein in die Jahre gekommener Boxer, der er in seiner Jugend ja wirklich einmal war, da wird einem schlagartig die Bedeutung dieses Ausdrucks klar, der im Zusammenhang mit Schauspielern wie ihm so gerne gebraucht wird: Er erfüllt mit seiner Präsenz den Raum.

          Katharina Wagner
          Wirtschaftskorrespondentin für Russland und die GUS mit Sitz in Moskau.

          Bevor er kam, war der Raum bloß ein um Coolness bemühtes, seelenloses Restaurant in der Hamburger Speicherstadt, wo Buddha-Figuren zwischen Glasvitrinen und metallenen Weinregalen stehen und einen trotz der hohen Decken und Fenster ein bedrückendes Gefühl der Enge überkommt. Als er da ist, kümmert das Alles nicht mehr. Der Ort hat jetzt ein Zentrum, das im Stakkato des Blitzlichts erstrahlt, und das die Nervosität der Wartenden auf einen Schlag in konzentrierte Aufmerksamkeit verwandelt.

          Er kommt direkt aus der Küche

          Er kommt nicht durch den Haupteingang, wie es die Veranstalter vorgesehen hatten. Es gibt auch kein Spalier aus Mitarbeitern, keinen roten Teppich, keine Limousine vor der Tür. Depardieu kommt direkt aus der Küche. Sie wird im Laufe des Abends sein Zufluchtsort sein, wenn ihm hin und wieder Alles zu bunt wird, wenn seine Laune sich wegen der permanenten Rufe der Fotografen: „Gérard, look here please; Gérard, take the cheese, please“ spürbar verschlechtert. Dann steht er eine Weile bei den Köchen, und weil es auch bei ihnen sehr eng ist, müssen sie ihre Töpfe und Pfannen hektisch um ihn und seinen kolossalen Bauch herummanövrieren, während er sich mit der einen Hand irgendetwas in den Mund schaufelt, mit der anderen telefoniert. Wenn er wieder herauskommt, und sich mit einem Taschentuch erst den Mund und dann die schwitzende Stirn abwischt, ist die Laune meistens besser.

          Depardieu ist an diesem Abend aus einem skurrilen Anlass nach Hamburg gekommen. Der preisgekrönte, weltberühmte Schauspieler, der viel beachtete Gastronom und Winzer hat eine neue Aufgabe übernommen. Er ist nun „Botschafter für den deutschen Sauermilchkäse“, im Volksmund besser bekannt als „Harzer Roller“ oder, auf Hessisch, als „Handkäs“. Depardieu empfindet das Alles keineswegs als skurril. Gut gelaunt lässt er sich neben dem Geschäftsführer der sächsischen Käsefirma aufs Sofa fallen, verschränkt die Hände vor seinem prallen Bauch, streckt die Füße, die in auffallend uneleganten Slippern stecken, von sich, und spricht über die europäischen Länder und ihre Käsekultur: Dass Deutschland sich nicht zu verstecken brauche, weil es doch anständige Käse hervorbringe, viel bessere jedenfalls als Holland, und dass er den Harzer Käse ganz prima fände, weil man ihn wunderbar kombinieren könne, mit Salat, mit Honig, mit Gemüse, das sei ein tolles Produkt, und fast will man ihm glauben, dass er von ganzem Herzen überzeugt ist von diesem Käse, den man bisher ja vor allem mit einem etwas eigenwilligen Geruch verbunden hatte. Aber während man sich gerade fragt, wieso jemand, der als Gourmet gilt und aus dem Käseparadies Frankreich kommt, sich für Harzer Roller begeistert, macht Depardieu gerade wieder ein Späßchen über das neue Verpackungsdesign, so dass man sich ebenso gut vorstellen könnte, dass er sich ganz einfach einen riesigen Spaß erlaubt mit diesen Leuten, die während seiner Auflistung der Rezeptvorschläge an seinen Lippen hängen.

          Das ist doch keine Werbung!

          Werbung sei das jedenfalls nicht, was er da mache, behauptet Depardieu. Und um Geld gehe es ihm sowieso nicht, die Firma, die zur Müller-Gruppe gehört, habe kaum etwas gezahlt. Er wird nicht im Fernsehen oder auf Plakaten für den Käse werben - nur diesem Auftritt in Hamburg hat er zugestimmt. Dafür ist er sich aber für nichts zu schade, er riecht am Käse, steckt ihn sich in den Mund, zieht eine Schürze an, mahlt mit einer überdimensionalen Pfeffermühle auf einen von ihm kreierten Salat aus geröstetem Brot, Speck und Harzer Roller.

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