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Ein berühmter Mann : Warum Harvey Weinstein in Hollywood geschützt wurde

Aus dem Umfeld des Produzenten seien Medien außerdem Gerüchte über Frauen zugespielt worden, die Weinstein fürchtete. Als das Model Ambra Battilana Gutierrez Weinstein 2015 anzeigte, fielen die Klatschblätter über sie her: Sie habe ihn nach den Belästigungsvorwürfen noch um eine Filmrolle gebeten, nur einen Tag nach dem vermeintlichen Übergriff eine Show von ihm besucht, vor ihm schon andere Männer der Belästigung bezichtigt.

Gutierrez’ Fall ist auch deshalb besonders, weil sie Weinstein, nachdem er sie begrapscht hatte, mit einem versteckten Aufnahmegerät traf. Auf dem so entstandenen Mitschnitt ist zu hören, wie er sie auffordert, in sein Zimmer zu kommen. Sie solle etwas trinken, während er dusche. Sie trinke nicht, entgegnete Gutierrez und: „Kann ich nicht an der Bar bleiben?“ „Nein, du musst jetzt reinkommen.“ „Ich fühle mich unwohl. Wieso haben Sie gestern meine Brüste angefasst?“ „Ich bin das gewöhnt“, entgegnet Weinstein. Zuvor hatte er gesagt: „Ich bin ein berühmter Mann.“

Die Tonbandaufnahme war vor zwei Jahren Teil polizeilicher Ermittlungen gegen Weinstein. Zur Anklage kam es nicht. New Yorks Staatsanwalt Cyrus Vance geriet deshalb jetzt unter Druck. Vance beschuldigte seinerseits die New Yorker Polizei, nicht ausreichend Beweismittel für eine Anklage geliefert zu haben. Ob es jetzt abermals zu Ermittlungen und diesmal auch zu einer Anklage kommen könnte, ist ungewiss.

Der Fall erfreut die amerikanische Rechte

Der Vergleich mit einem Audiomitschnitt vom amerikanischen Präsidenten, in dem es ebenfalls um ungewollte Berührungen und Berühmtheit geht, drängt sich auf. Doch Harvey Weinstein ist ein großzügiger Spender für die Demokraten und eine Figur des liberalen Hollywoods. Das wiederum freut die amerikanische Rechte. Es hatte bisweilen so ausgesehen, als sei sexuelle Belästigung vor allem dort ein Problem. Zuletzt hatten der Gründer von Fox News, Roger Ailes, und einer seiner Moderatoren, Bill O’Reilly, wegen Vorwürfen sexueller Belästigung ihre Stellen verloren. In Hollywood distanzieren sich jetzt viele wortreich von Weinstein, am Samstag will die Oscar-Akademie in einer Dringlichkeitssitzung über seinen möglichen Ausschluss beraten.

Dass Harvey Weinstein kein Einzelfall ist, zeigte sich im Zuge der Enthüllungen: Schauspieler Ben Affleck erklärte auf Twitter, er sei „traurig und wütend“ über Weinsteins Verhalten. Rose McGowan attackierte ihn daraufhin: Sie selbst habe Affleck vor Jahren von Weinsteins Übergriffen erzählt. Andere Twitter-Nutzer konfrontierten Affleck damit, dass er im Jahr 2003 der Schauspielerin Hilarie Burton bei laufender Kamera an die Brust gefasst haben soll. Affleck entschuldigte sich daraufhin für sein damaliges Verhalten. Auf seinem Twitter-Profil steht dieser Beitrag nun direkt über seiner Distanzierung von Weinstein. Für viele ein gutes Beispiel für die Scheinheiligkeit in Hollywood.

Afflecks Bruder Casey wiederum sah sich im vergangenen Jahr mit mehreren Vorwürfen der sexuellen Belästigung konfrontiert – und gewann dennoch den Oscar als bester Schauspieler. Und Ronan Farrow, dessen Geschichte schließlich im „New Yorker“ erschien, ist ein Sohn von Woody Allen. Allen, Liebling des linksliberalen Hollywood, verließ seine Frau Mia Farrow für deren Adoptivtochter Soon-Yi. Die gemeinsame Adoptivtochter Dylan Farrow hat Allen wiederholt öffentlich Missbrauch vorgeworfen.

Eine linksliberale politische Einstellung und selbst Frauenförderung sagen offenkundig nichts darüber aus, wie jemand Frauen behandelt. Das zeigt sich nicht zuletzt auch an Harvey Weinstein selbst. Er hat ein Stipendium für Nachwuchs-Regisseurinnen ins Leben gerufen und einen Dokumentarfilm („The Hunting Ground“) über sexuelle Übergriffe produziert. Der amerikanischen Film- und Medienbranche stehen wohl noch einige Debatten bevor.

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