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Hansi Hinterseer : Der Herrgott der kleinen Dinge

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Da schau her: Der fesche Hansi über seinen Fans Bild: dpa

Homestorys lehnt er ab, in die Talkshows will er nicht. Aber wenn Schlagersänger Hansi Hinterseer seine treuen Fans zum Wandern am Hahnenkamm in Kitzbühel ruft, kommen Tausende - auch von weither.

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          Die Gondeln der Hahnenkammbahn fahren an diesem Donnerstag nur halb so schnell wie an anderen Tagen. Die Leute, sagt die Polizei, sollen mehr Zeit zum Einsteigen haben als sonst, wenn in Kitzbühel Kraft, Schönheit und Jugend triumphieren. Die Leute, das sind heute vor allem die Fans des Kitzbüheler Sängers Hans Hinterseer, der dem volkstümlichen Schlager zugerechnet wird. Helene Fischer gehört in diese Sparte, Andy Borg oder Stefan Mross, alle drei Musiker, die Hinterseer gut leiden kann.

          Timo Frasch

          Politischer Korrespondent in München.

          Zum neunten Mal hat er auf einen der beiden Kitzbüheler Hausberge zur Wanderung eingeladen. In der Vorankündigung dazu heißt es, der „sportliche Naturbursche“ werde seine Fans „im Wortsinne“ bewegen. Das stimmt. Jedenfalls sind sie von weither gekommen, um mit ihm, wie Hinterseer wirklichkeitsnah sagt, „a bissl spazieren zu gehen“: aus Dänemark, wo Hinterseer in diesem Jahr den ersten Platz der Albumcharts eroberte, aus den Niederlanden, viele auch aus dem Osten Deutschlands, wo diese Art musikalischer Datsche – „von traditionellen Tiroler Melodien über feurige Latino- bis hin zu Country-Klängen“ – besonders beliebt ist. Alles in allem, so frohlockt der Kitzbüheler Tourismusverband, füllt Hinterseer in seiner Woche – zwei Open-Air-Konzerte folgen auf die Wanderung – um die 40 000 Betten. Für die Kitzbühler ist es die einträglichste Zeit im Sommer, manche sagen sogar, sie würde nur noch getoppt, wenn im Januar die Prominenten zuschauen, wie sich die Abfahrtsläufer die Streif hinunterstürzen.

          Rebellisch und aufsässig

          Eine der Gondeln trägt den Namen von Hans Hinterseer. Jedem, der einmal einen Skiweltcup in Kitzbühel gewonnen hat, wird diese Ehre zuteil. Ja, für alle, die nicht wissen sollten, wer Hans – genannt „Hansi“ – Hinterseer ist, und schon gar nicht, wer er früher einmal war, was für die 9000 Fans am Berg ein Ding der Unmöglichkeit ist: Hinterseer, Sohn eines Slalomolympiasiegers, ist früher, in den siebziger Jahren, selbst Weltcuprennen gefahren. Damals galt er als rebellisch und aufsässig. Vor allem aber war er in den technischen Disziplinen so gut, dass es zum Gewinn des Riesenslalomgesamtweltcups reichte und dass sich später, als er zum Ende seiner Karriere in die Profiskitour nach Amerika gewechselt war, Farrah Fawcett von ihm das Skifahren beibringen ließ.

          I mog di: Sechs Herzen für Hansi

          Das Wetter gegen neun Uhr morgens ist weit entfernt von dem, was die Fans das „Hansi-Wetter“ nennen. Es ist trüb und regnerisch. Kurz steht in Frage, ob es überhaupt zu verantworten sei, die Leute auf den Berg zu lassen, auf dem man laut Hinterseer „dem Herrgott“ besonders nahe ist. Später, als sich der Schlagersänger auf einem Holzfloß, das entfernt an einen Erntedankaltar erinnert, über einen See rudern lässt, damit alle, die da stehen und staunen, einen Blick auf ihn erhaschen können, wird er über das Wetter so ungefähr sagen: „Leitl, seids froh, dass die Sonne an bissl aus de Wolkn schaut. Denkts an Pakistan. Sammer froh, dass es bei uns anders is und beschwer mer uns ned, wann ned immer die Sonne scheint.“ Hinterseer sieht dabei aus, als habe er selbst nie mit Regen zu tun. Dafür kann er nichts. Das wird der Herrgott so gemacht haben. Auf Fragen, was er noch wolle im Leben, ob er glücklich sei, pflegt Hinterseer zu sagen: „Ich fühle mich sehr wohl in meiner Welt. Natürlich habe ich auch meine kleinen Wehwehchen. Aber das Radl dreht sich dennoch weiter.“

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