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Puppenspiel in der DDR : Kasper, Seppel und die Stasi

Hans-Jochen Menzel bringt die Puppen zum Sprechen. In der DDR sprachen die manchmal aus, was sonst unausgesprochen blieb. Bild: Andreas Pein

Hans-Jochen Menzel war einer der wenigen freien Puppenspieler in der DDR. Er sollte in diesem Land kein Geld verdienen. Doch das kam anders – denn sein Puppentheater ging über Kasper, Seppel und das Krokodil hinaus.

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          Es war neun Uhr morgens. Da klingelte Hans-Jochen Menzel mit seiner damaligen Freundin bei der Intendantin des staatlichen Puppentheaters Neubrandenburg. „Wir kündigen“, sagten sie. Die Entscheidung war am Abend zuvor gefallen. Bei Gesprächen und Alkohol. Von da an waren sie frei – und doch nicht frei. Wenige Tage später gab es ein Treffen mit der Intendantin, der SED-Bezirksleitung, der Polizei und Leuten in Zivil. „Wir wussten gar nicht, wer diese Leute waren“, sagt Menzel. „Aber sie haben gedroht, dass wir unsere Wohnung zurückgeben müssen.“ An einen Satz erinnert er sich genau: „Wir werden dafür sorgen, dass sie in diesem Land kein Brot verdienen werden.“

          Spricht Menzel davon, wird seine Stimme lauter. Menzel ist 62, er trägt Jeans und ein dunkles Shirt. Wenn er die Stufen in der Schauspielschule Ernst Busch hochläuft, wo er heute arbeitet, federt jeder seiner Schritte. Damals, 1983, musste jeder Puppenspieler in der DDR mindestens drei Jahre an einem staatlichen Puppentheater spielen, bevor er frei sein Geld verdienen konnte. Menzel machte da nicht mit und hatte Glück. Ein ehemaliger Balletttänzer, der in der SED-Bezirksleitung von Neubrandenburg für Kultur in Schulen zuständig war, vermittelte ihm Schulen, in denen er als Puppenspieler mit dem Froschkönig auftreten konnte. Es habe eben auch im Apparat Leute gegeben, die Dinge anders gesehen hätten.

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