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Ärger in Hannover : Klinik-Vize nach Behandlung von mutmaßlichem Clanmitglied entlassen

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Die MHH-Führung steht seither in der Kritik, weil sie den Privatzahler Igor K. ohne vorherige Rücksprache mit den Behörden aufgenommen hat. Bild: dpa

Die Behandlung eines Clan-Mitglieds in der Medizinischen Hochschule Hannover hat personelle Konsequenzen: Der Vizepräsident der Hochschulklinik wurde am Montag mit sofortiger Wirkung freigestellt. Er stand schon länger in der Kritik.

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          Nach der Behandlung eines mutmaßlichen Mafia-Mitglieds aus Montenegro hat das Land Niedersachsen den Ärztlichen Direktor und Vizepräsidenten der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), Andreas Tecklenburg, mit sofortiger Wirkung freigestellt. Das teilte der niedersächsische Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU) am Montag bei einer Sondersitzung im Landtag mit.

          Die MHH hatte den Patienten Igor K. aufgenommen, nachdem dieser in seiner Heimat bei einem Mordanschlag von sieben Schüssen getroffen worden war. Die Tat war vermutlich Teil einer Fehde zwischen zwei rivalisierenden Clans über Drogengeschäfte, in deren Verlauf bereits vierzig Morde geschehen sein sollen. Während der Behandlung von Igor K. wurde die MHH deshalb von starken Polizeikräften geschützt, bis dieser am Freitag nach einer Ausweisungsverfügung zur weiteren Behandlung in die Türkei ausreiste.

          Die MHH-Führung steht seither in der Kritik, weil sie den Privatzahler Igor K. ohne vorherige Rücksprache mit den Behörden aufgenommen hat. Über die Anwesenheit des Clan-Chefs in der Stadt wurde die Polizei von der Klinik erst kurz nach dessen Ankunft informiert, das Wissenschaftsministerium sogar noch später. Darüber zeigte sich Wissenschaftsminister Thümler ebenso wie andere Landespolitiker öffentlich verärgert.

          MHH-Vizepräsident Tecklenburg stand aber bereits zuvor in der Kritik, unter anderem wegen teuren Fehlplanung bei einem Laborgebäude. Dass der Fall Igor K. zum Anlass genommen wird, die hochdotierte Stelle neu zu besetzen, hatte sich bereits in der vergangenen Woche angedeutet. Angesichts des geplanten Komplett-Neubaus der MHH für mehr als eine Milliarde Euro gab es bei maßgeblichen Landespolitikern schon länger den Wunsch, dieses Projekt ohne Tecklenburg anzugehen, der seit 16 Jahren für die MHH gearbeitet hat. 

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