https://www.faz.net/-gum-91ng1

Blau auf weiß : Was Martin Schulz’ Handschrift über ihn verrät

Die Unterschrift gleicht dem Text: „Martin Schulz bauscht sich nicht auf.“ Bild: FAZ.NET

Martin Schulz hat sich mit einem handgeschriebenen Brief an die Wähler gewandt. Dabei verraten die Zeilen nicht nur Inhalte, sondern auch etwas über die Persönlichkeit des Kanzlerkandidaten.

          Martin Schulz setzt zum Ende des Wahlkampfs aufs Persönliche. Mit einem handgeschriebenen Brief wendet er sich blau auf weiß an die Wähler. Der SPD-Kanzlerkandidat verbreitet vier Thesen – und lässt tief blicken. Denn natürlich verrät das Schriftbild noch viel mehr, als das, was in den oder zwischen den Zeilen steht.

          Julia Anton

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET

          „Die Schrift von Herrn Schulz zeigt Routine und Erfahrung, sie ist konventionell, bieder und sachlich“, sagt Helmut Ploog, Vorsitzender des Berufsverbandes deutscher Graphologen und bis vor einigen Jahren Lehrbeauftragter für Schriftpsychologie an der Universität München. Sein spontanes Urteil: „Er wäre ein belastbarer Kanzler, solide und berechenbar.“

          Die gleichmäßige Größe der Buchstaben und Zeilenabstände deute auf Verlässlichkeit und einen soliden Charakter hin. Aber auch sein Kampfgeist spiegele sich in der Schrift wieder: „Die langen Anstriche der Buchstaben zeigen, dass Schulz sich einsetzt – und er will, dass man das sieht.“ Den Optimismus scheint der Kanzlerkandidat im eher schleppend laufenden Wahlkampf also nicht eingebüßt zu haben.

          Schulz scheint seine Schrift zu gefallen

          Der Aufbau des Textes deute auf ein anschauliches Denken hin. „Wir haben es hier nicht mit einem Professor aus dem Elfenbeinturm zu tun.“ Ploog lobt das klare und gut lesbare Schriftbild. „Das zeigt, wie rücksichtsvoll jemand ist. Schulz will verstanden werden und ist gut angepasst.“ Dass die Schrift etwas teigig wirke, liege an der Wahl des Stifts, eines Füllers mit breiter Feder. Dadurch verschmierten beispielsweise das A und das R. Für solche Texte sei es aber üblich, einen Stift zu verwenden, den der Schreiber häufig benutzt. Der sei eingeschrieben, das wirke natürlicher. „Schulz scheint seine Schrift zu gefallen, er genießt gern. Er hat auch eine weiche Seite und kann lässig sein.“

          Überraschend sei vor allem die Länge des Textes. Handgeschriebene Stücke von Politikern seien für gewöhnlich kürzer als eine ganze DIN-A4-Seite. Für den Graphologen sieht es so aus, als ob Schulz den Text in einem Durchlauf aufgeschrieben hätte. „Er arbeitet konzentriert.“ Darüber hinaus gebe es kaum Ausrutscher oder Laschheiten zu erkennen. Nur den Anstrich des „M“ von „Männer“ im zweiten Absatz hat die SPD-Hoffnung ein zweites Mal nachgefahren.

          Anders als beispielsweise bei dem ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber seien die Buchstaben aber nicht unbedingt originell verbunden. „Stoiber hatte Wind in den Segeln. Schulz’ Schrift ist eher die eines Beamten.“ Und im Gegensatz zu der Schrift des französischen Präsidenten Emmanuel Macron wirke die von Schulz eher brav statt forsch. Für Ploog passt das zum eher unspektakulären TV-Duell in der vergangenen Woche: „Er vermeidet härtere Auseinandersetzungen und lässt sich von einem stärkeren Partner irritieren.“ Zu guter Letzt kann der Graphologe Schlüsse aus der Unterschrift ziehen. „Sie weicht nicht von der Schrift im Text ab. Schulz ist ehrlich und bauscht sich nicht auf.“

          Weitere Themen

          Taylor Swift und ihr Master-Plan

          Streit um Rechte : Taylor Swift und ihr Master-Plan

          Taylor Swift kämpft zurzeit mit dem Musikmanager Scooter Braun – denn er hat die Rechte an ihren ersten sechs Alben. Nun überlegt die Sängerin, die Lieder einfach nochmal einzuspielen.

          Topmeldungen

          Es ist das erste Mal, dass Emmanuel Macron einen G-7-Gipfel ausrichtet.

          G-7-Gipfel : Wer reden will, soll ruhig reden

          In Biarritz inszeniert Emmanuel Macron einen G-7-Gipfel voller Überraschungen. Er überrumpelt Trump und lässt den iranischen Außenminister einfliegen. Ganz offensichtlich hat der französische Präsident aus seinem Anfängerfehler gelernt.
          Der Faktor Wohnen wird von den meisten Menschen in der Klimadebatte übersehen. Dabei produzieren vor allem Warmwasser und Heizungen große Kohlendioxid-Emissionen.

          Wohnen und Heizen : Das ist Deutschlands Klimakiller Nr. 1

          Kaum jemand will wahrhaben, dass wir mit unseren Wohnungen dem Klima mehr schaden als mit Steaks und Flugreisen. Einige Länder reagieren darauf – während sich die Politik in Deutschland nicht einigen kann.
          Gemeinsame Geste: Mattarella und Steinmeier in Fivizzano

          Deutsche Kriegsverbrechen : Verantwortung ohne Schlussstrich

          In Fivizzano haben Nationalsozialisten im Jahr 1944 Massaker an der Bevölkerung verübt. Bundespräsident Steinmeier redet über frühere Greuel – und heutige Gefahren.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.