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Hier findet Johannes Kahrs klare Ansagen: Auf Kaninchen- und Geflügelschaus. Bild: Twitter/kahrs

Johannes Kahrs im Interview : „Kaninchen helfen immer“

Nach dem Landesparteitag der Hamburger SPD ging es noch schnell auf eine Kaninchenschau: Im Interview spricht der Bundestagsabgeordnete Johannes Kahrs über Riesenrammler, Termine im Wahlkampf und Twitter.

          3 Min.

          Herr Kahrs, war viel los bei Ihnen am Wochenende?

          Sebastian Eder

          Redakteur im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Ja, ich hatte zum Beispiel Landesparteitag.

          Und sonst?

          Danach war ich noch bei der Rammlerschau.

          Auf Twitter haben Sie ein Foto davon veröffentlicht und dazu geschrieben: „Einer meiner Lieblingstermine. Die große Rammlerschau. Ich liebe die Deutschen Riesen. 7,6 kg. Traumschön.“ Was gefällt Ihnen an den Tieren so?

          Erstens mag ich die Menschen, die auf solchen Schauen sind. Dort sind viele Sozialdemokraten und Leute, die Kleingärten haben. Mit denen komme ich gut klar. Und ich schätze die Tiere.

          Wussten Sie, dass Riesenrammler auch beißen können? Tragende Häsinnen zum Beispiel sind vermehrt aggressiv – und das Tier auf Ihrem Arm sieht durchaus tragend aus.

          Nein, das war sehr lieb.

          Die meisten Journalisten sind froh, wenn sie nicht mehr zu Kaninchenschauen gehen müssen, sondern über wichtigere Themen wie den Kampf um den SPD-Parteivorsitz berichten dürfen. Können Sie das verstehen?

          Ich liebe solche Termine. Es gibt Menschen, die sammeln Pferde oder Gemälde. Das sind Sachen, die auch Sozialdemokraten schätzen. Gerade war ich auf einer Geflügelschau. Ich finde das großartig, die Menschen dort machen immer klare Ansagen.

          Nachdem kürzlich zwei Bundestagsabgeordnete im Plenarsaal umgekippt sind, wurde viel über die Überlastung von Politikern gesprochen. Bei Ihnen war am Wochenende so viel los – wieso nehmen Sie dann noch solche Termine wahr?

          Ich mache mir meine Termine selbst. Und wenn mal ein Termin ausfallen sollte – die Rammlerschau ganz bestimmt nicht.

          Am Montagmorgen haben Sie getwittert: „interview dlf, danach live welt tv, jetzt in der s1 gen fitness first, etwas turnen. bürgergespräch in rothenburgsort. besichtigung des alten ortsamt & bahnübergang kaltenhöfer str. in bad schwartau mit kollegin bettina hagedorn. besichtigung der marienkirche & theater in lübeck.“ Da wird einem vom Lesen ja schon schwindelig.

          Aber ich mache das alles freiwillig. Bei Mary Poppins heißt es: „In everything that has to be done, is an element of fun“. Wenn es Spaß macht, ist es keine Arbeit.

          Die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer hat den Wunsch der künftigen SPD-Spitze nach Neuverhandlungen des Koalitionsvertrags mit den Worten zurückgewiesen: „Wir sind keine Therapieeinrichtung für die jeweiligen Koalitionsregierungsparteien“. Könnten Kaninchen als Therapietiere bei Ihren linken Parteifreunden helfen?

          Kaninchen helfen immer allen. Aber ich habe bisher eher die CDU als Chaospartei in dieser Koalition wahrgenommen. Wenn die SPD jetzt eine Mitgliederbefragung macht, finde ich das völlig in Ordnung. Diese Gemengelage bei der CDU um AKK, Spahn und Merz unterhält uns schon lange. Da können wir auch mal ganz basisdemokratisch unsere Vorsitzenden wählen.

          Auf der Website der Kaninchenhilfe Deutschland heißt es, dass die Tiere nicht gern allein sind: „Ein Partnertier bedeutet Motivation, gemeinsam macht alles einfach mehr Spaß.“ Ist das im SPD-Vorstand auch so?

          Wenn man gut miteinander harmoniert, kann man Probleme zusammen sicher besser lösen als alleine. Ich bin ja ein großer Fan der Truppe Scholz und Geywitz, die haben hervorragend harmoniert. Die anderen werden wir jetzt wählen, weil sie gewonnen habe. Dann müssen sie zeigen, wie gut sie harmonieren.

          Die SPD rückt nach links. Haben Sie da als Sprecher des konservativen Flügels der SPD mehr Zeit für Rammlerschauen oder weniger, weil sie dagegen halten müssen?

          Ich bin ein sehr pragmatischer Politiker in einer linken Volkspartei und habe in meiner Partei schon alles erlebt, deswegen bin ich da ganz entspannt. Ich schaue immer, dass wir verlässliche Sachpolitik für die Menschen machen. Ich will in meinem Wahlkreis direkt wiedergewählt werden.

          Und dafür muss man einen solchen Wirbel veranstalten?

          Ich mache das seit 21 Jahren. Es macht mir Spaß. Wenn man ein guter Politiker ist, muss man mindestens die Hälfte seiner Zeit mit Wahlkampf verbringen, mit den Leuten reden. Dabei lerne ich sehr viele Sachen, die man in der Berliner Blase nicht mitbekommt. Man braucht diese Erdung. Gerade mache ich einen Hausbesuch bei einem Fischhändler, der hat mir sehr klare Ansagen gemacht. Und der Heringssalat schmeckt köstlich.

          Von Twitter haben sich manche Politiker zurückgezogen, weil ihnen der Hass zu viel wurde. Sie grüßen Ihre Follower morgens immer noch oft mit einem fröhlichen „Moin“.

          Wenn Sie an Wahlkampfständen, Fabriktoren oder in Vereinen mit den Menschen reden, ist das auch nicht anders. Da sind auch ein paar Stinkstiefel dabei, da hat auch mal jemand schlechte Laune. Aber das sind alles Wähler, ich bin Dienstleister, da muss man mit umgehen können.

          Geben Sie lieber Interviews über die neuen Parteivorsitzenden oder über Rammlerschauen?

          In meinem Wahlkreis bin ich gerne bei Rammlerschauen und rede darüber. Als Bundespolitiker rede ich gerne auch über meine Parteivorsitzenden.

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