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Shitstorm für Besitzerin : Hamburger Café sperrt Kinder unter sechs Jahren aus

  • -Aktualisiert am

In ruhiger Umgebung eine Tasse Kaffee genießen. Diesen Wunsch möchte Café-Besitzerin Monika Ertl ihren Gästen erfüllen. Bild: Frank Röth

Ein Café in Hamburg befeuert eine nicht ganz neue Debatte: Darf man Kleinkinder als Störfaktor betrachten und sie aus Restaurants ausschließen? Ja, findet eine Hamburger Cafébesitzerin. Darf man nicht, sagen Hunderte Instagram-Nutzer.

          Öffnet man die Homepage des Hamburger Cafés „Moki‘s Goodies“ fällt der Satz, der zahlreiche Hamburger wütend macht, kaum auf. In kleinen Lettern macht Monika Ertl die Rahmenbedingungen ihres Cafés klar: Zahlung mit EC ist möglich, das W-Lan ist kostenlos, leider ist das Lokal nicht barrierefrei, Hunde sind nur auf der Terrasse gestattet und Kinder bis sechs Jahre gar nicht.

          Babys und Kleinkinder sind im „Moki’s Goodies“ schon seit einer Weile nicht erwünscht. Anfang der Woche machte es plötzlich auf Instagram die Runde. Mehrere Nutzerinnen wiesen kritisch auf das Baby-Verbot hin, darunter auch die Boutiquebesitzerin Nicole Hansen mit mehreren tausend Followern. Prompt gab es einen Aufschrei unter den Hamburger Eltern, die zahlreiche Kommentare auf dem Account des Café hinterließen. Besitzerin Ertl wehrte sich deshalb mit einer Stellungnahme, die sie ebenfalls auf Instagram verbreitete.

          Monika Ertl möchte schwarze Zahlen schreiben

          Unter dem neuen Hashtag „Schnullergate“ stellt Ertl ihre Sicht der Dinge klar und findet deutliche Worte für den Umgang mit ihrer Entscheidung. Von Mobbing ist die Rede, von unwahren Unterstellungen und von „sozialdemokratischem Geschwafel“. Letzteres sei laut Ertl nicht angebracht, schwarze Zahlen zu schreiben hingegen schon.

          Die öffentliche Resonanz nennt Ertl „verbale Aufrüstung und Feindseligkeit“. Auch ihre Stellungnahme sorgt für Aufsehen. Innerhalb eines Tages erhält die Cafébesitzerin 375 Kommentare, die zuweilen hart mit Ertl und ihrer „Unternehmenspolitik“ ins Gericht gehen.

          „Mein Geld lasse ich lieber woanders“

          „Euer Laden, eure Regeln. Ich sehe den „Mobbing-Aspekt“ aber auch eher bei euch. Ihr schließt halt einfach eine Personengruppe aus. Ihr pauschalisiert. Kinder=Laut. Das ist schlichtweg diskriminierend. Sehr schade. War immer gern bei euch“, schreibt eine enttäuschte Kundin. „Ach, diese Frau mit dem hübschen Babybauch im vorherigen Bild darf bald nicht mehr zum Frühstücken kommen ... es sei denn sie gibt den unerwünschten kleinen Mensch vorher ab. Wunderbares Cafe. Tolles Konzept“ und „Wow! Ich hatte wirklich vor bei euch zu frühstücken, aber als Mutter werde ich so eine Philosophie nicht unterstützen und mein Geld lasse ich lieber woanders“, lauten zwei andere kritische Kommentare.

          Für Ertl sei das aber kein Problem. Ihr Konzept beruhe nicht auf Kinderfreundlichkeit und sei „kein spendenfinanziertes demokratisches Mutter-Kind-Projekt“. Früher sah das anders aus, erklärt sich die Inhaberin, ebenfalls Mutter einer Tochter, weiter: „Ich möchte und muss mit meinem Job Geld verdienen. Und in den ersten Jahren als „Mutti-Café“ hat das schlicht und ergreifend nicht funktioniert. Und da hilft auch kein sozialromantisches Geschwafel. Am Ende geht es um Zahlen – und zwar schwarze.“

          Zuspruch für die Entscheidung der Inhaberin

          Für die harten Worte gibt es allerdings auch Zuspruch. „Ich find‘s vollkommen okay, gibt genügend andere nette Cafés und außerdem hat Mutti/Vatti dann auch mal einen Grund das Kind zu Hause beim Partner zu lassen und mal wieder in Ruhe mit Freundin oder Kumpel lecker frühstücken zu gehen“, merkt eine Instagram-Nutzerin an. Eine andere findet, dass es nur legitim sei, im eigenen Laden eigene Regeln aufzustellen. Und eine Dritte argumentiert sogar mit der eigenen kinderfreien Zeit: „Ich verstehe die Diskussion gar nicht. Ich bin auch Mutter und trotzdem möchte ich meine ‚Metime‘ nicht unter zig anderen Müttern verbringen (…). Und mal Hand aufs Herz liebe Mütter: Ist es für Euch wirklich entspannt, Eure Kinder mit ins Café oder Restaurant zu nehmen? Für mich nicht und ich finde es mehr als in Ordnung, dass es Läden gibt, die auch uns Müttern mal Entspannung und Ruhe vor den eigenen und anderen Kindern gönnen.“

          Auch Nicole Hansen, Ehefrau des „Revolverheld“-Gitarristen Niels Kristian Hansen, rudert in ihren Instagram-Stories ein wenig zurück und begründet ihre Kritik auf der von Monika Ertl definierten Altersspanne der nicht geduldeten Kinder. Die Lösung könnte eine gekennzeichnete „Adults Only“-Zone sein, so Hansen, die seit Oktober 2018 Mutter einer Tochter ist. Eine solche Regelung sei vertretbar, da „alle Kinder ausgeschlossen sind und nicht nur ein Teil von ihnen. Das ist nämlich der Punkt, der Anlass zur Kritik gibt – das ist das Diskriminierende an der Sache.“

          Eine „Adult Only“-Zone als Lösung? Rudolf Markl, Gastwirt auf Rügen, macht es vor.

          Mit einer „Adults Only“-Lösung stünde Monika Ertl im Café- und Restaurant-Bereich längst nicht allein da. Neu ist das Konzept „Kinderfrei“ nämlich nicht. Bereits 2010 richtete das Berliner „Café Niesen“ eine kinderfreie Zone innerhalb des Ladens ein; auf Rügen erklärt der Wirt des Restaurants „Omas Küche“ dieses ab 17 Uhr ebenfalls zum Erwachsenen-Areal. Ab dem Abend erlaubt Rudolf Markl nur noch Gäste ab 14 Jahren. Wie im Falle des Hamburger Cafés bekam auch er für sein Konzept sowohl harte Kritik zu spüren, als auch Lob ausgesprochen.

          Für das „Moki’s Goodies“ scheint die Diskussion erst einmal beendet, Monika Ertl schließt ihre Stellungnahme mit den Worten „Einatmen. Ausatmen. Runterkommen.“ Und genau das soll ihr Café auch den Gästen ermöglichen – eben ohne Kinderlärm.

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