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Zwischen Backsteinen liegen in einer Wand Dokumente aus nationalsozialistischer Zeit. Bild: dpa

Ungewöhnlicher Fund in Hagen : Flut legt Unterlagen der Nazi-Zeit frei

  • -Aktualisiert am

Alte Briefe, Schlagringe, Gasmasken und ein Hitler-Porträt: Bei den Aufräumarbeiten ist ein Hausbesitzer auf ein Versteck mit Nazi-Unterlagen gestoßen. Vermutlich haben ihre Eigentümer sie im April 1945 eilig entsorgt.

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          Die Juliflut hat fast 190 Personen das Leben gekostet und Sachschäden in Milliardenhöhe verursacht. Tausende Menschen in den besonders betroffenen Gebieten in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen haben mit ihrem Hausstand so gut wie alle Erinnerungsstücke verloren. Mancherorts aber hat das Hochwasser auch längst Vergessenes an die Oberfläche gebracht.

          Reiner Burger
          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          In Hagen stieß ein Hausbesitzer hinter einer aufgerissenen Leichtbauwand auf einen Ziegelstein-Schacht mit weitgehend unversehrten alten Briefen, Dokumenten, Schlagringen, Gasmasken und einem Hitler-Porträt. Es handelt sich um Material einer örtlichen Dienststelle der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV). Der gemeinsam von Mitarbeitern des Hagener Stadtarchivs und Archäologen des Landschaftsverbands Westfalen Lippe in rund einem Dutzend großer Kunststoffkisten gesicherte Fund wird derzeit noch gesichtet.

          NSV-Mitglieder hatten die Unterlagen in den rund 30 Zentimeter breiten Hohlraum geworfen, als im April 1945 amerikanische Truppen in Hagen einmarschierten. „Das muss sehr hektisch geschehen sein“, sagt Archivleiter Ralf Blank der F.A.Z. „Solche eiligen Entsorgungsaktionen kennt man aus zahllosen Tagebuchaktionen, tatsächlich aber einmal einen solchen Fund sichern zu können, allein das ist schon eine sehr spannende Sache.“

          In dem nach der Flut entdeckten Versteck befanden sich auch Gasmasken für Frauen, Männer und Kinder aus der nationalsozialistischen Zeit.
          In dem nach der Flut entdeckten Versteck befanden sich auch Gasmasken für Frauen, Männer und Kinder aus der nationalsozialistischen Zeit. : Bild: dpa

          Blank hält den Fund nicht nur stadtgeschichtlich für interessant, er hofft, dass die Gegenstände und Unterlagen Historikern bei der Erforschung der Arbeitsweise und der Verstrickung der NSV und ihrer Mitglieder in das NS-Unrechtsregime dient. Die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt, über die bisher wenig publiziert wurde, war eine Parteiorganisation der NSDAP. Als im Zuge der „Gleichschaltung“ 1933 auch die Arbeiterwohlfahrt zerschlagen, ihre Mitarbeiter verfolgt und ihr Vermögen beschlagnahmt wurde, trat die NSV als Staatsorganisation neben die verbliebenen Wohlfahrtsorganisationen. Die NSV bekam damit zwar nicht das Wohlfahrts-Monopol, spielte aber doch eine immer bedeutendere Rolle im „Dritten Reich“. Zahlreiche Kommunen übertrugen Aufgaben der Jugendhilfe auf die nationalsozialistische Organisation.

          Die NSV betrieb eigene Kindergärten und mehrere Hilfswerke und organisierte von 1940 an die sogenannte Kinderlandverschickung. Zu all diesen Aspekten fänden sich im Hagener Fund Belege, sagt Blank. „Wir hoffen, beispielsweise auch auf Akten zur Verteilung sogenannter Judenmöbel zu stoßen.“ Denn die NSV profitierte von der systematischen Ausraubung jüdischer Bürger. Eine erst vor kurzem erschienene Studie belegt, dass der damalige Rechtsdezernent von Frankfurt das Vermögen jüdischer Stiftungen unter anderem auch der NSV zuschanzte.

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