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Vater spricht über Krankheit : Hätte Daniel Küblböck geholfen werden müssen?

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Sänger und Schauspieler: Daniel Küblböck stand gerne auf der Bühne. Hier zu sehen bei der achten Staffel der RTL-Tanzshow „Let’s Dance“. Bild: dpa

Der Vater von Daniel Küblböck macht auf die schwierige Situation von Angehörigen psychisch Erkrankter aufmerksam und spricht von „staatlich unterlassener Hilfeleistung“. Es geht um ein moralisches Dilemma.

          Es war spät am Sonntagabend, als Günther Küblböck zum ersten Mal im Fernsehen über das Verschwinden seines Sohnes sprach – und gleichzeitig Vorwürfe gegen das Personal der „Aidaluna“ und die Behörden erhob. „Für mich ist das staatlich unterlassene Hilfeleistung“, sagte er im RTL-Jahresrückblick mit Günther Jauch. Sein Sohn, der im September wahrscheinlich vom Deck eines Kreuzfahrtschiffes sprang, sei psychisch krank gewesen, habe aber keine Hilfe bekommen.

          Sebastian Eder

          Redakteur im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          „Ich bin mir sicher, dass das in einer Psychose passiert ist und er nicht wusste, was er da tat. Er hat das nicht geplant“, sagte Küblböck. „Wenn jemand wirres Zeug redet, dann merkt man, dass etwas nicht stimmt.“ Man sei aber machtlos. „Ich habe mit allen Behörden geredet. Polizei, Ordnungsamt, Betreuungsgericht.“ Ärzte hätten sogar diagnostiziert, dass sein Sohn „wahrscheinlich an der akuten Episode einer schizophrenen Psychose“ litt. Die Klinik in Palma de Mallorca habe ihn aber gehen lassen. Als Günther Küblböck sich in Deutschland wegen eines Betreuungsantrages an das Amtsgericht gewandt habe, sei ihm gesagt worden, den könne er nur stellen, wenn sein Sohn sich im Land befinde.

          Im „Spiegel“ war bereits am Samstag ein Artikel über Daniel Kübelböck erschienen, in dem von dessen Problemen an der Schauspielschule in Berlin berichtet wurde. Kurz vor seinem Abschluss verpasste er demnach Proben, erschien alkoholisiert und zerstörte zwei Tage vor einer Premiere im Juli dieses Jahres technische Ausrüstung und Kostüme. Der ehemalige „Deutschland sucht den Superstar“-Teilnehmer sei auch in seiner Wohnung ausgerastet und habe Sachen zertrümmert. Von diesem Verhalten alarmiert, versuchte Günther Küblböck seinen Angaben zufolge zu verhindern, dass sein Sohn die Kreuzfahrt von Hamburg nach New York antrat. Er rief bei „Aida Cruises“ an, kontaktierte die Schiffsärztin und schickte ihr eine Sprachaufnahme, die Daniels Verfassung zeigen sollte. „Ich habe mit zwei Ärztinnen und dem Kapitän vorher telefoniert, alles geschildert. Sagte, sie sollen ihn im Auge behalten“, sagte der Vater bei Jauch. „Sie waren alle sehr betroffen. Aber sie haben nicht ein Mal nach ihm beim Boarding geschaut. Da bin ich fassungslos.“

          Dem Spiegel-Bericht zufolge hatte Daniel Küblböck in der Nacht vom 8. auf den 9. September auf dem Schiff noch um Hilfe gebeten, weil er sich seine Hand aufgeschnitten hatte, nachdem er in seiner Kabine eine Flasche zerschlagen hatte. An der Rezeption sei er mit der Begründung abgewiesen worden, das Hospital sei nachts geschlossen. Küblböck habe daraufhin dreimal Alarm ausgelöst und sei um fünf Uhr morgens von der Reling gesprungen. Aida Cruises teilte auf FAZ.NET-Anfrage am Montag nur mit, dass man „großes Verständnis für die tiefe Betroffenheit der Angehörigen“ habe. Man unternehme „zu jeder Zeit für die Sicherheit unserer Gäste alles rechtlich Mögliche“.

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