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Hadsch in der Corona-Krise : Pilgern auf Abstand

Wo sich sonst die Menschen dicht gedrängt um die Kaaba schieben, schreiten dieses Jahr Pilger mit Mund-Nasen-Schutz in gebührendem Sicherheitsabstand daher. Bild: dpa

Jeder Muslim soll einmal im Leben nach Mekka – normalerweise pilgern jedes Jahr etwa zweieinhalb Millionen Menschen in die heilige Stadt. Dieses Jahr ist das nicht so leicht.

          2 Min.

          Für gewöhnlich ist es das Management der Menschenmassen, das den saudischen Behörden Kopfzerbrechen bereitet, wenn Muslime aus aller Welt zur jährlichen Pilgerfahrt (Hadsch) die heiligen Stätten des Islams im Königreich besuchen. Etwa zweieinhalb Millionen Pilger sind es in normalen Zeiten, jeder Dritte reist aus dem Ausland an. In diesem Jahr, dem Jahr der Corona-Pandemie, ist nur ein Bruchteil davon zugelassen – in unterschiedlichen Berichten ist von 1000 bis 10.000 Gläubigen die Rede, die sich auf die fünftägige Pilgerfahrt begeben. Und sie alle mussten sich zuvor schon in Saudi-Arabien aufgehalten haben. So sind 70 Prozent der diesjährigen Pilger Arbeitsmigranten aus 160 Ländern, die übrigen 30 Prozent sind saudische Staatsbürger.

          Christoph Ehrhardt

          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Die Bilder der Pilgerfahrt in diesem Jahr könnten daher ungewöhnlicher kaum sein. Wo sich sonst die Menschen dicht gedrängt um die Kaaba schieben, schreiten dieses Jahr Pilger mit Mund-Nasen-Schutz in gebührendem Sicherheitsabstand entlang gezogener Linien um das kubische, in schwarzes Tuch gehüllte Heiligtum. Die Straßen zu den heiligen Stätten in Mekka sind wie die Pilgerunterkünfte menschenleer.

          Die Behörden des Königreichs, das hart von der Pandemie getroffen wurde, haben eine Vielzahl von Maßnahmen getroffen, um die Pilgerfahrt, spiritueller Höhepunkt im Leben vieler Muslime, nicht zu einem Gesundheitsrisiko werden zu lassen. Der Hadsch gehört zu den fünf Säulen des Islams, jeder Muslim, der es sich leisten kann und gesundheitlich in der Lage ist, muss ihn einmal in seinem Leben antreten. Wer zu den wenigen gehört, denen es in diesem Jahr erlaubt ist, musste vor Antritt eine Woche in Quarantäne und einen PCR-Test machen, um eine akute Infektion mit dem Coronavirus auszuschließen. Außerdem muss er sich während der Pilgerfahrt immer wieder die Körpertemperatur messen lassen und sich nach Abschluss abermals für eine Woche in Quarantäne begeben.

          Auch der Aufenthalt an den heiligen Stätten ist streng reglementiert. Das weiße Pilgergewand ist sterilisiert, die Kiesel für die rituelle Steinigung des Teufels sind es ebenso. Jeder Pilger bekommt die Steine in einem eigenen Beutel ausgehändigt. Das Wasser aus dem berühmten Zamzam-Brunnen der großen Moschee ist vorab in Flaschen abgefüllt worden. Die Pilger dürfen die Kaaba im Hof der Moschee in diesem Jahr zwar umrunden, nicht aber berühren. Nach Angaben der Behörden sind 3500 Arbeiter damit befasst, die große Moschee zu reinigen, 54000 Liter eines umweltverträglichen Desinfektionsmittels seien bereitgestellt worden.

          Wie schwer für viele die Tatsache wiegt, nicht dabei sein zu können, zeigen Meldungen wie diese: Ein Sprecher der Sicherheitsbehörden teilte am Mittwoch mit, es seien 224 Personen festgenommen worden, die versucht hätten, die heiligen Stätten ohne Genehmigung zu betreten.

          Für Saudi-Arabien, dessen König den Titel „Hüter der Heiligen Stätten“ trägt, ist die Ausrichtung der Pilgerfahrt nicht nur eine Sache religiösen Prestiges, sondern auch eine wichtige Einnahmequelle. Sie bringt Jahr für Jahr mehrere Milliarden Euro ein. Für den erst 1932 gegründeten saudischen Staat ist ein Hadsch wie dieser eine drastische Ausnahme. Doch ist es in der Geschichte öfters vorgekommen, dass die Pilgerfahrt wegen bewaffneter Raubzüge oder Seuchen abgesagt werden musste. So verbreitete im 19. Jahrhundert die Cholera Angst und Schrecken.

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