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Paltrow gewinnt Prozess : „Ich wünsche Ihnen alles Gute“

  • -Aktualisiert am

Schauspielerin Gwyneth Paltrow spricht mit dem Kläger, Terry Sanderson (links), als sie den Gerichtssaal nach der Verlesung des Urteils verlässt. Bild: AP

Die Schauspielerin siegt in einem Schadenersatz-Prozess um einen Skiunfall. Das Gericht gab dem Kläger die Schuld an dem Vorfall. Dieser muss nun symbolisch einen US-Dollar als Entschädigung zahlen.

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          Wenn jemand einen hollywoodreifen Abgang beherrscht, dann Gwyneth Paltrow. Wenige Minuten nach der Entscheidung der Geschworenen zu ihren Gunsten erhob sich die Oscar-Preisträgerin, schritt erhobenen Hauptes zum Ausgang des Gerichtssaals und beugte sich en passant über ihren Prozessgegner Terry Sanderson. „Ich wünsche Ihnen alles Gute“, flüsterte Paltrow ihm ins Ohr. Sanderson revanchierte sich mit einem überraschten „Danke, Liebes“.

          Nach zwei Prozesswochen hatte die Jury der Schauspielerin am Donnerstag einen symbolischen Dollar sowie Anwalts- und Gerichtskosten zugesprochen. Nicht sie habe Sanderson vor sieben Jahren beim Skilaufen in Park City im Bundesstaat Utah auf der Piste zu Fall gebracht. Vielmehr sahen es die Geschworenen als erwiesen an, dass der 76 Jahre alte frühere Augenarzt die Schauspielerin damals auf Skiern zu Boden stieß. „Ich hatte das Gefühl, meine Integrität infrage zu stellen, wenn ich die falschen Vorwürfe stehen gelassen hätte“, teilte Paltrow nach der Entscheidung mit.

          Kläger hatte zunächst 3,1 Millionen Dollar gefordert

          Dass die 50-Jährige sich nicht wegen des von Sanderson geforderten Schadenersatzes in das Gerichtsgebäude von Park City bemühte, lag auf der Hand. Der Vorsitzende Richter Kent Holmberg hatte die von dem Kläger geforderte Summe von 3,1 Millionen Dollar schon vor den Eröffnungsplädoyers auf etwa 300.000 Dollar gekürzt – für Paltrow als Schauspielerin, Produzentin und Gründerin des Lifestyle-Blogs Goop mit einem geschätzten Vermögen von rund 200 Millionen Dollar eher zu vernachlässigen.

          Hollywood-Star Gwyneth Paltrow hat in einem Prozess um einen Skiunfall einen Sieg errungen.
          Hollywood-Star Gwyneth Paltrow hat in einem Prozess um einen Skiunfall einen Sieg errungen. : Bild: dpa

          Auch ihren Ruf musste sie nicht weiter pflegen. Als Tochter der Schauspielerin Blythe Danner („Der große Santini“) und des verstorbenen Produzenten Bruce Paltrow („Traumpaare“) sowie als Patenkind von Steven Spielberg gehört sie von Geburt an zu Hollywoods Adel. Nach Jahren als Unternehmerin, die bei Goop mit Produkten wie Vaginaleiern, Kerzen mit Intimduft und einem Kochbuch mit Rezepten zu Entenschinken für verkaufsfördernde, wohldosierte Empörung sorgt, schien es wieder Zeit für ein bisschen Rampenlicht.

          Während Paltrows Anwalt Stephen Owens in den vergangenen zwei Wochen medizinische Gutachter in den Zeugenstand bat, die Sandersons angeblich bei dem Skiunfall erlittenen Rippenbrüche und Hirnverletzungen sezierten, setzte sie sich in Szene. Der fast 5500 Dollar teure, olivgrüne Filzmantel von Row, dem Modelabel der Schauspielzwillinge Mary-Kate und Ashley Olsen, Stiefel der Marke Celine, eine champagnerfarbene Strickjacke von G. Label by Goop, Paltrows Blog und das schwarze Ensemble aus dem Hause Prada wurden in den sozialen Medien fast mehr diskutiert als die Aussage der Schauspielerin („Shakespeare in Love“) am vierten Prozesstag.

          Paltrow hatte im Zeugenstand beschrieben, wie Sanderson mit seinen Skiern von hinten zwischen ihre Beine glitt und sie einen sexuellen Übergriff befürchtete. Dass sie ihn damals nach dem gemeinsamen Sturz beschimpfte, habe sie später bereut. Nach dem Mittagessen mit ihren Kindern Apple, damals elf Jahre alt, und Moses, damals neun Jahre alt, sowie ihrem Lebensgefährten Brad Falchuk und dessen zwei Kindern entschloss sie sich nach dem Unfall, vorerst nicht auf die Piste in Deer Valley zurückzukehren und sich stattdessen massieren zu lassen.

          „Wir haben einen halben Tag Skilaufen verloren“, ließ Paltrow Sandersons Anwältin Kristin VanOrman auf die Frage wissen, was sie am Tag des Unfalls, dem 26. Februar 2016, verloren habe. Die Verrisse ließen nicht lange auf sich warten. „Gedanken und Gebete für Gwyneth Paltrow“, spotteten Dutzende in sozialen Medien und mokierten sich über die Abgehobenheit der Schauspielerin.

          Der pensionierte Optiker Terry Sanderson beim Urteil in seinem Prozess wegen seines Skiunfalls mit Filmstar Gwyneth Paltrow im Jahr 2016.
          Der pensionierte Optiker Terry Sanderson beim Urteil in seinem Prozess wegen seines Skiunfalls mit Filmstar Gwyneth Paltrow im Jahr 2016. : Bild: dpa

          Auch Sanderson, von seinen Anwälten als Opfer eines rücksichtslosen Hollywoodstars präsentiert, gab im Gerichtssaal nicht immer eine gute Figur ab. Nach den Aussagen seiner Töchter, die bei dem 76-Jährigen durch den Skiunfall eine Veränderung seiner Persönlichkeit beobachtet hatten, ließ er wissen, an Lebensfreude in Form von Weinproben eingebüßt zu haben.

          Dass Paltrows Anwälte den früheren Augenarzt kurz vor den Schlussplädoyers am Donnerstag mit Fotos konfrontierten, die ihn in den Jahren nach dem Sturz auf der Piste in Deer Valley bei einem Kamelritt in Marokko, einer Wanderung am Machu Picchu in Peru und beim Zumbatanzen zeigten, dürfte einige der acht Geschworenen dazu gebracht haben, Sandersons Opferrolle zu hinterfragen. Die Entscheidung gegen ihn und für Paltrow traf die Jury nur zweieinhalb Stunden, nachdem sie sich in das Beratungszimmer zurückgezogen hatte.   

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