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Waffenschauen in Amerika : Eine Pistole für die Handtasche

  • -Aktualisiert am

Waffenkauf auf einer Waffenmesse: Pistolen gehen hier schnell über die Theke. Bild: AFP

Sechzehnjährige bekommen zum Geburtstag Schnellfeuerwaffen, Frauen kaufen sich pinke Elektroschocker. Und wer neuer Präsident werden soll, ist auch schon entschieden. Zu Besuch bei einer Waffenmesse in Kalifornien.

          6 Min.

          Am Eingang grüßt die National Rifle Association (NRA). John und Bob, seit Jahren Anhänger der amerikanischen Waffenlobby, haben ihren signalroten Klapptisch schon am Morgen vor dem Messegelände in Victorville aufgebaut, um unter den Besuchern der Waffenschau neue Mitglieder zu werben. Poster mit dem Logo der Waffenlobby, einem Adler mit gekreuzten Gewehren in den Fängen, versprechen künftigen „NRA members“ für den Jahresbeitrag von 25 Dollar eine Unfallversicherung bei Verlust von Körperteilen – und das Privileg, die Waffenlobby in ihrem Kampf für den zweiten Zusatzartikel der amerikanischen Verfassung zu unterstützen.

          „Der Zusatzartikel garantiert dem Volk, Waffen besitzen und tragen zu dürfen“, klärt John die Besucher auf. „Wenn Hillary Clinton Präsidentin wird, lässt sie bestimmt nichts unversucht, dieses Recht zu beschneiden.“

          Mit einer roten Zielscheibe auf der Hand als Eintrittskarte geht es in die erste Halle. Viele der Besucher, die an diesem Sonntag zu den San Bernardino Fairgrounds in die kalifornische Wüste gekommen sind, scheinen sich mit Gewehren, Handfeuerwaffen und Munition eindecken zu wollen, bevor es zu spät ist. Veteranen in Tarnanzügen, Motorradfahrer in Lederkluft und Eltern mit Kinderwagen schieben sich bei fast 30 Grad von Stand zu Stand.

          Jedes Jahr fast 5000 Waffenmessen

          Gun Shows gehören in den Vereinigten Staaten seit 30 Jahren zur Tradition. Damals hob das Gesetz zum Schutz der Waffenbesitzer das Verbot auf, Pistolen und Gewehre nur in den Geschäften lizenzierter Händler verkaufen zu dürfen. Inzwischen hat sich in Amerika ein blühender Handel entwickelt. Wie die Bundesbehörde für Alkohol, Tabak, Schusswaffen und Sprengstoff schätzt, finden zwischen New York und Los Angeles jedes Jahr fast 5000 Waffenmessen statt. Auch in Victorville bieten die Händler an diesem Wochenende alles an, was das Herz von Schützen höherschlagen lässt: Hartschalenboxen mit Patronen, Zielfernrohre, Pistolen, Revolver, Jagdflinten und halbautomatische Selbstladegewehre wie das Modell AR-15.

          Dass das Geschäft mit Waffen in den Vereinigten Staaten besonders gut läuft, sobald Politiker schärfere Regeln verlangen, ist spätestens seit Präsident Barack Obama bekannt. Als sein republikanischer Vorgänger George W. Bush noch im Weißen Haus wohnte, prüfte die amerikanische Bundespolizei (FBI) im Jahr 2008 etwa 13 Millionen Anträge potentieller Waffenkäufer. Während der zweiten Amtszeit des Demokraten Obama, der immer wieder schärfere Kontrollen und eine Lizenzpflicht für alle Waffenhändler forderte, gingen im Jahr 2015 mehr als 23 Millionen Anträge für eine Feuerwaffen-Erlaubnis bei der Bundespolizei ein.

          Betsy, die an ihrem Stand in Victorville waffeninspirierte Aufkleber und Babystrampler anbietet, warnt vor Alleingängen des scheidenden Präsidenten. „Der Kongress ist zwar in republikanischer Hand. Aber wer weiß, wie die Abgeordneten entscheiden, wenn sie erst mal anfangen zu diskutieren“, gibt die Mittsechzigerin aus dem benachbarten Ort Barstow zu bedenken. Den Versuch, die Kollektion bunter Bodysuits für Neugeborene mit Slogans wie „I Support Moms with Guns“ und „Sun’s Out, Guns Out“ zu fotografieren, verhindert sie freundlich bestimmt: „Honey, das darfst du hier nicht. Wegen der Privatsphäre.“

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