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Färöer Inseln ohne Touristen : „Es dürfen ruhig weniger Besucher kommen“

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Mitten im Nordatlantik: Die Färöer-Inseln liegen etwa auf halber Strecke zwischen Schottland und Island. Bild: Getty

Ein Wochenende lang werden die Färöer Inseln für Touristen geschlossen. Tourismusdirektorin Guðrið Højgaard spricht über ungewöhnliche Maßnahmen und ihren Platz auf einer Liste von Personen, die 2019 die Welt bewegen werden.

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          Frau Højgaard, als sie kürzlich ankündigten, die Färöer Inseln ein Wochenende lang für Touristen zu schließen, sorgte das für viel Furore. Was war da los?

          Nun, ganz so ist es ja nicht. Der Flugverkehr wird aufrecht erhalten, allein schon der medizinischen Versorgung wegen. Aber wir schließen die wichtigsten Sehenswürdigkeiten, um Menschen den Anreiz zu nehmen, die Inseln zu besuchen.

          Müsste Ihnen nicht daran gelegen sein, dass mehr Besucher kommen?

          Als wir 2013 anfingen, vermehrt Werbung für die Färöer Inseln zu machen, fragten wir 5000 Touristen, wie sie unser Archipel beschreiben würden. Interessanterweise fingen die Worte fast alle mit „un-“ an: unbekannt, unbeschwert, unberührt. Das ist einerseits sehr rühmlich, aber viele Färinger sind auch besorgt, dass der Tourismus überhandnimmt. Vom 26. bis zum 28. April werden wir deshalb die wichtigsten Sehenswürdigkeiten sperren, um Reparaturen durchzuführen. Wir haben aber 100 Touristen eingeladen, sich daran zu beteiligen.

          Was steht denn auf dem Plan?

          Es geht in erster Linie darum, feste Wanderwege in abgelegenen Gebieten anzulegen und Aussichtspunkte zu errichten, die zur Erhaltung von Natur- und Vogelschutzgebieten beitragen. Außerdem fehlen Wegschilder. Jeder der Helfer bekommt Kost und Logis von uns gestellt. Anfangs war ich skeptisch, ob sich überhaupt genügend Bewerber finden würden, doch nach zwei Tagen hatten wir schon 3500 Zuschriften.

          „Wir positionieren uns als neues Juwel des Nordens“, sagt Guðrið Højgaard.

          Das dürfte Sie kaum überraschen, schließlich Sie in den vergangenen Jahren schon häufiger mit kuriosen Aktionen für Aufsehen gesorgt.

          Bevor wir für uns werben können, müssen wir erst mal auf uns aufmerksam machen. Die Färöer-Inseln liegen auf halber Strecke zwischen Schottland und Island, mitten im Nordatlantik. Auf manchen Weltkarten sind wir nicht mal eingezeichnet. 2016 haben wir deshalb Kameras auf Schafe geschnallt und „Sheep View“ gestartet, als Anspielung auf „Google Street View“. Ein Jahr darauf haben wir „Faroe Islands Translate“ ins Leben gerufen, weil Google keine Übersetzung in die Färöische Sprache anbot. In nur zwei Monaten hat mehr als ein Drittel der Bevölkerung mitgemacht, wir haben 1,3 Millionen Wörter übersetzt.

          War das der Grund, weshalb das Magazin „Politico“ sie jüngst in die Liste jener Personen aufnahm, die 2019 die Welt bewegen werden?

          Das hat mich selbst auch überrascht. Der Tourismus auf den Färöer-Inseln ist noch am Anfang. Aber wie in großen Teilen der nordischen Länder liegt in ihm die Zukunft für ein Leben in Wohlstand. Seit ich 2012 angetreten bin, hat sich die Zahl der Touristen hier fast verdoppelt. Unser Ziel ist es, bis 2020 mit dem Tourismus einen Umsatz von einer Milliarde Kronen zu erzielen. Wir brauchen die Besucher, weil sonst das Leben hier zum Erliegen kommt. Vor ein paar Jahren gab es sogar einen Ratgeber mit dem Titel „Exit Faroe Islands“. Ich habe ja selbst 20 Jahre im Ausland gelebt, bevor ich zurückkam, weil mein Vater schwer krank wurde. Und ich hatte nicht vor, zu bleiben.

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