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Grubenchefin Claudia Haney : Die Bergmännin

  • -Aktualisiert am

Mag 500 Meter Erde über sich: Claudia Haney Bild: Rainer Wohlfahrt

Nach einem Praktikum stand für Claudia Haney fest: Ihr künftiger Arbeitsplatz soll unter Tage sein. Heute leitet sie als erste Frau in Deutschland einen Grubenbetrieb - ein rascher Aufstieg.

          4 Min.

          Claudia Haney liebte schon immer alles, was aus der Erde kommt. Im Alter von elf Jahren sammelte sie am Wegesrand bunte Steine: „Wenn etwas schön gefunkelt hat, landete es sofort zu Hause. Mein Elsterauge war damals sehr aktiv.“ Die Faszination für Gestein und Geröll sollte ihren Berufsweg prägen. Rund zwei Jahrzehnte später leitet Claudia Haney als erste und einzige Frau in Deutschland einen Grubenbetrieb. Seit 2010 trägt die Dreiunddreißigjährige im Kali- und Salzbergwerk Neuhof-Ellers des Unternehmens K+S die alleinige Verantwortung für 300 Mitarbeiter.

          Ihr Hobby, das Sammeln und Archivieren von Steinen, wurde ihr immer mehr zur Wissenschaft. Haney, die in Jena aufwuchs, machte ihr Interesse zum beruflichen Lebensinhalt. An der Technischen Universität Bergakademie Freiberg studierte sie Geotechnik und Bergbau. Unter Tage wollte sie damals gar nicht unbedingt arbeiten: Hauptsächlich beschäftigte sie sich mit Fels- und Tunnelbau.

          Frauen im Bergbau?

          Das änderte sich schlagartig mit einem Praktikum unter Tage. Sechs Wochen absolvierte sie Schichten in der Deutschen Steinkohle, eine prägende Erfahrung. Sie trotzte der staubigen Luft und entdeckte die schönen Seiten. Als Bergfrau fuhr sie „zu Fuß“ in die Steinkohle: Auf dem Förderband und der warmen Kohle liegend, erreichte man den Arbeitsplatz. Sie war begeistert. Es waren die härtesten Schichten ihres Lebens: „Wenn man einmal Hunderte Meter Hochspannungskabel auf Haken gehoben hat, dann weiß man, was man getan hat.“

          Aber für Claudia Haney steht fest: Ihr künftiger Arbeitsplatz soll unter Tage sein. Frauen im Bergbau? Und überhaupt: Bergbau? Was hat Deutschland denn noch für Rohstoffe? Und ist das nicht ein gefährlicher Job? Ihre Eltern teilten die Zweifel nicht, zum Glück. „Besonders bei dieser Arbeit muss man sich wirklich wohl fühlen“, sagt sie. „Für mich war das von Anfang an ein Arbeitsplatz wie jeder andere auch.“ Natürlich sei sie sich bewusst, dass man mehr als 500 Meter unter der Erde agiere. Aber wenn man Vertrauen in die Arbeit der Kollegen habe, rücke die Bedrohung in den Hintergrund.

          Nicht mehr das Stiefkind der Industrie

          Tatsächlich war es Frauen wegen der Räumlichkeiten und der harten Arbeit unter Tage lange verboten, in einem Bergwerk zu arbeiten. Sie sollten nicht - wie zu den Zeiten der Industrialisierung - in den Minen ausgebeutet werden. Nur in Führungspositionen oder in einer Ausbildung durften Frauen in einem Schacht beschäftigt sein. Erst 2008 wurde das Gesetz vom Europäischen Parlament gekippt, um die Chancengleichheit zwischen Männern und Frauen zu garantieren. Auch herrschte lange der Aberglaube: „Frauen im Bergbau bringen Unglück.“ Claudia Haney kann mit diesem Mythos nicht viel anfangen: „Ich verstehe das gar nicht. Denn die heilige Barbara, also eine Frau, ist die Schutzpatronin der Bergleute. Ihre Anwesenheit ist ausdrücklich erwünscht.“

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