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Studie untersucht Betroffenheit : Wie Jugendliche mit Falschnachrichten umgehen

81 Prozent der jungen Menschen sehen in Falschnachrichten eine Gefahr für die Demokratie in Deutschland. Bild: Picture-Alliance

Laut einer unter Jugendlichen durchgeführten Studie werden 76 Prozent der Befragten wöchentlich mit Falschnachrichten konfrontiert. Viele wünschen sich, dass das Thema zu einem verpflichtenden Bestandteil des Lehrplans an Schulen wird.

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          Durch Technologie und soziale Medien gelangen nicht nur Informationen, sondern auch Desinformationen schneller an Adressaten. Wie häufig Jugendliche mit Falschnachrichten in Berührung kommen, zeigt eine aktuelle Studie von Infratest Dimap: Demnach werden 76 Prozent der Befragten im Alter von 14 bis 24 Jahren mindestens einmal in der Woche mit Falschnachrichten konfrontiert. Im Vergleich zum Jahr 2018 bedeute dies einen Anstieg um 50 Prozent. Darüber hinaus gaben 21 Prozent in der von der Vodafone-Stiftung beauftragten Studie an, sogar mehrmals täglich auf Falschnachrichten zu stoßen. Im Jahr 2019 lag die Zahl noch bei zwölf Prozent. Aktuell beobachten zudem 73 Prozent der 2064 Befragten eine zunehmende Verbreitung von Falschnachrichten und Verschwörungsmythen.

          Nicht umsonst warnte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Februar davor, dass die Corona-Pandemie von einer „massiven Infodemie“ begleitet werde. Besonders bei Nachrichten rund um Covid-19 fällt es laut der Studie 64 Prozent der befragten Jugendlichen schwer, glaubwürdige von unglaubwürdigen Informationen zu unterscheiden. Verschwörungsmythen zur Pandemie hätten die meisten der Befragten schon wahrgenommen.

          Beschwerden ins Leere

          Immerhin 66 Prozent der Jugendlichen fühlen sich jedoch sicher darin, Unwahrheiten als solche zu erkennen. Das verbleibende Drittel traut sich allerdings nicht zu, die Glaubwürdigkeit von Nachrichten einschätzen zu können. Von diesem Teil der Befragten sind fast 40 Prozent bildungsbenachteiligte Jugendliche. 

          Etwa ein Drittel der Befragten gab zudem an, offensichtlich falsche Nachrichten in sozialen Medien über die Beschwerdefunktionen betreffender Plattformen gemeldet zu haben. Der Studie zufolge hätten die Meldungen der Jugendlichen allerdings keinen Effekt erzielen können. In nahezu der Hälfte der Fälle hätten die Betroffenen seitens der Plattformen keinerlei Rückmeldung auf ihre Beschwerden bekommen. 

          Lüge von Wahrheit unterscheiden lernen

          Die Verbreitung von Unwahrheiten im Netz wird von der überwiegenden Mehrheit als negativ betrachtet: 81 Prozent der befragten Jugendlichen sehen darin eine Gefahr für die Demokratie in Deutschland. Unterstützung bei dem Bemühen, Lüge von Wahrheit unterscheiden zu können, wünschen sich junge Menschen vor allem von Bildungseinrichtungen und Journalisten. Mit 85 Prozent stimmte die große Mehrheit dem Vorschlag zu, das Thema zu einem verpflichtenden Bestandteil des Lehrplans an Schulen zu machen. Laut der Studie erfüllen Bildungseinrichtungen dies bisher nur unzureichend: Falschnachrichten würden nur bei 30 Prozent der Befragten im Schulunterricht thematisiert. 

          Mit dem Begriff „Falschnachrichten“ oder auch „Fake News“ assoziieren drei Viertel der Befragten vor allem digitale Inhalte sowie betrügerische Absichten. Mehr als die Hälfte der Jugendlichen verbindet mit dem Terminus allerdings auch politische Akteure; 45 Prozent denken dabei ebenfalls an Zeitungen, Radio und Fernsehen. 

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