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Buschfeuer in Australien : „Wenn Sie fliehen können, müssen Sie fliehen“

Das 176 Meter lange Schiff „HMAS Choules“ von der Royal Australian Navy holte mehr als 900 Personen aus dem Ort Mallacoota im Osten des Bundesstaats an Bord. Die „MV Sycamore“ verließ den Ort mit weiteren 57 Personen. Das Fernsehen zeigte Bilder von Anwohnern und Touristen, die sichtlich von den Erlebnissen gezeichnet waren. Sie wurden mit Taschen bepackt von Soldaten auf Boote und Amphibienfahrzeuge und die Schiffe geleitet.

Manche trugen Kissen, Decken und sogar Haustiere mit sich. Einige von ihnen umarmten einander, bevor sie in die Boote stiegen. Sie haben etwas hinter sich, was einige Anwohner zuvor als „Hölle auf Erden“ beschrieben hatten. Der Himmel war in dem Ort Mallacoota am Neujahrstag komplett verdunkelt gewesen und hatte dann in einem tiefen Blutrot geleuchtet. Rund 4000 Menschen hatten sich am ersten Tag des Jahres vor den Flammen an den Strand gerettet. Nun lassen viele von ihnen Häuser, Autos und Wohnmobile zurück.

Premierminister gerät weiter unter Druck

Die Reise bis zum Western Port in Hastings, südlich von Melbourne, soll für sie mindestens 17 Stunden dauern. Von dort werden sie in verschiedene Evakuierungszentren gebracht. Nick Ritar, einer der Anwohner, sagte vor der Abfahrt, die rauchfreie Luft auf dem Meer habe sofort gut getan. Er habe in seinem Leben schon mehrere Buschfeuer erlebt. „Leider ist es etwas, an das wir uns gewöhnen müssen“, sagte er dem Fernsehsender ABC.

Bild: F.A.Z.

Die Behörden in New South Wales haben eine Zone entlang der Küste bis zur Grenze nach Victoria ausgerufen, in der die Menschen zur Flucht aufgefordert werden. Nicht alle sind dazu bereit. Aber der Notstand gibt den Behörden zusätzliche Befugnisse. Sie können Anwohner zur Evakuierung zwingen und Straßen komplett sperren. Auch am Freitag kam es auf den Straßen zu langen Staus mit Tausenden Autos, Wohnwagen und Lastwagen. Vor den Tankstellen und auch vor Supermärkten bildeten sich Schlangen.

Im Angesicht der Krise gerät der schon in die Kritik geratene Premierminister Scott Morrison weiter unter Druck. Viele Australier werfen ihm vor, dass die Regierung nicht genug für die Feuerwehrleute tue, die seit Wochen ihr Leben riskieren. Oft sind es Farmer, die freiwillig den Dienst bei der Feuerwehr übernehmen. Morrison wird außerdem für seine Haltung in Bezug auf den Klimawandel kritisiert.

Die Opposition regt sich

Einige Anwohner ließen ihrer Wut freien Lauf, als der Premierminister ihre Gemeinden besuchte, und verweigerten ihm den Handschlag. In dem Ort Cobargo war Morrison als „Idiot“ beschimpft worden. Morrison äußerte am Freitag Verständnis. Er nehme es „nicht persönlich“, dass die Menschen so reagierten.

Oppositionsführer Anthony Albanese, der sich angesichts des Infernos bislang auffällig zurückgehalten hatte, sprach vom Widerspruch in der Darstellung der Regierung. „Sie sagen, wir stehen nur für 1,3 Prozent der Emissionen auf der Welt, deswegen brauchen wir nichts zu tun, denn das mache keinen Unterschied. Die Wahrheit aber ist, das sich nichts ändert, wenn das jeder sagt.“

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