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Weltweite Klima-Proteste : Greta Thunberg bezeichnet Deutschland als „Klima-Schurken“

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Greta Thunberg in Berlin: „Ihr müsst wählen gehen, aber das ist nicht genug.“ Bild: Matthias Lüdecke

Die Gründerin von Fridays for Future spricht zu Tausenden Menschen vor dem Reichstagsgebäude in Berlin. Deutschland wirft sie vor, weltweit der viertgrößte CO2-Emittent zu sein.

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          Weltweit sind am Freitag wieder Tausende Jugendliche der Bewegung Fridays for Future auf die Straße gegangen, um für wirkungsvollen Klimaschutz zu demonstrieren. Bei dem auch in Deutschland ausgerufenen „globalen Klimastreik“ konzentrierten sich die Proteste zwei Tage vor der Bundestagswahl in Berlin. „Ihr müsst wählen gehen, aber das ist nicht genug“, rief die Gründerin der Bewegung, die Schwedin Greta Thunberg, Tausenden Menschen vor dem Reichstagsgebäude zu. „Wir wollen Änderung, wir fordern Änderung, wir sind Änderung." Thunberg warf Deutschland vor, weltweit der viertgrößte CO2-Emittent zu sein. „Mit 80 Millionen Menschen ist das schon eine Leistung“, sagte Thunberg und nannte Deutschland einen der größten „Klima-Schurken“.

          Insgesamt waren für Freitag rund um den Globus 1500 Veranstaltungen geplant, in Deutschland laut Veranstalter an mehr als 470 Orten. Allein in der Hauptstadt sprach die Polizei von einer Teilnehmerzahl im „mittleren fünfstelligen Bereich“. Thunberg betonte mit Blick auf die Coronavirus-Pandemie: „Die Klimakrise ist nicht vorbei.“ Die Pandemie habe gezeigt, dass das Klima nach wie vor nicht als Krise behandelt werde. Nach einem UN-Bericht vom August können die verheerendsten Folgen des Klimawandels mit einem sofortigen Handeln noch verhindert werden. Der nächste Weltklimagipfel der Vereinten Nationen ist in fünf Wochen in Glasgow geplant. Dann soll wieder Bilanz gezogen werden, inwieweit die Pariser Klimaziele eingehalten worden sind.

          „Die Zeit rennt“

          Regierungssprecher Steffen Seibert würdigte Fridays for Future insgesamt als „enorme Leistung der Bewusstmachung der jungen Generation“. Es sei bemerkenswert, weil eine weltweite Bewegung geschaffen worden sei, die Millionen Menschen erreicht habe, sagte Seibert und würdigte dabei auch Greta Thunberg, die mit ihrem Schulstreik die weltweite Bewegung ins Leben gerufen hat. Die deutsche Fridays-for-Future-Aktivistin Luisa Neubauer forderte am Reichstag die künftige Bundesregierung auf, den Klimaschutz zur absoluten Priorität zu machen. „Die Zeit rennt, sie ist unser größter Feind“, sagte Neubauer und gab die Parole aus: „Wir begreifen, dass das hier der Anfang einer Geschichte ist, einer Geschichte, die wir selbst schreiben."

          Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock erhofft sich von dem „Klimastreik“ Rückenwind für die Bundestagswahl am Sonntag. „Dies sind entscheidende Tage für den Klimaschutz“, sagte sie der Zeitung „Welt“. „Die Bürgerinnen und Bürger haben die Möglichkeit, die Klimapolitik endlich zu ändern: mit einem kraftvollen Klimastreik und vor allem bei der Bundestagswahl. Die nächste Regierung müsse eine „Klimaregierung“ werden. „Das geht nur mit starken Grünen."

          Der CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet versprach angesichts der Demonstrationen mehr Tempo beim Klimaschutz. In einer Botschaft auf Instagram sagte er am Freitag: „Für die CDU ist ganz klar, nicht erst seit heute: Deutschland muss beim Klimaschutz schneller und besser werden.“ Das Ziel sei, weltweit so schnell wie möglich Klimaneutralität zu erreichen. Dies sei eine Aufgabe, die nur global gelöst werden könne.

          SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz erklärte per Twitter: „Dass heute #Klimastreik ist, ist richtig. Klimapolitik gehört zu den wichtigen Themen, über die bei dieser Wahl entschieden wird!". Fridays for Future Germany erklärte dazu auf Twitter: „Wir wollen die gute Stimmung ja nicht zerstören – aber wir bestreiken heute DEINE Regierung, Olaf."

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