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Japan : Geisterschiffe mit Toten an Bord treiben an Küste

Eines jener Holzboote ist in Wajima an Land gezogen worden. Bild: Reuters

Vor Japans Küste treiben seit Wochen immer wieder Boote. Rund ein Dutzend wurden bislang an Land gebracht. Auf jedem machten die Behörden grausige Funde. Was hat es damit auf sich?

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          Die Szene könnte aus einem japanischen Gruselfilm stammen: Fischer entdecken ein dunkles Holzboot ohne Lebenszeichen an Bord, das rund 100 Kilometer vor der japanischen Küste treibt. Als es vergangene Woche in einen Hafen geschleppt wird, findet man an Bord sieben Leichen. Und es ist nicht das erste Boot dieser Art. Rund ein Dutzend solcher Funde sind in den vergangenen zwei Monaten vor Japans Küste gemacht worden, wie der japanische Sender NHK berichtet.

          Maria Wiesner
          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Insgesamt 25 Tote habe man auf den Schiffen gefunden. Das bestätigten Polizei und Küstenwache laut NHK. Gegenüber CNN machte die Küstenwache nähere Angaben zum Zustand der Leichen: Sie seien im Fortgeschrittenen Stadium verwest, „teilweise bereits skelettiert“. Zwei der Leichen seien ohne Köpfe gefunden worden. Ein anderes Boot habe hingegen sechs Schädel an Bord gehabt. Woher die Boote kamen und woran die Menschen gestorben sind, wird noch ermittelt. Die Hinweise verdichten sich jedoch, dass die Schiffe aus Nordkorea stammen.

          Koreanische Schriftzeichen und eine zerrissene Flagge

          Ein Indiz auf die Herkunft fanden die Ermittler an einem der Boote, das am 20. November vor der Westküste Japans aufgegriffen wurde. Daran befanden sich Schriftzeichen in Hangul, dem koreanischen Alphabet. Wie die Küstenwache mitteilte, sollen sie für „Koreanische Volksarmee“ stehen. Zudem ist auf einem der Boote der Stofffetzen in Blau, Rot und Weiß gefunden worden. Es könnte sich um einen Teil der nordkoreanischen Nationalflagge handeln.

          Yoshihiko Yamada, ein Meeresexperte aus Tokio, bestätigte gegenüber NHK, dass die Boote jenen glichen, die von nordkoreanischen Überläufern genutzt würden. Er erklärte zudem, warum sie regelmäßig abtreiben: „Sie sind aus Holz und alt und schwerfällig. Sie sind nicht besonders schnell und ihre Maschinen sind nicht stark genug, um das Schiff gegen die Meeresströmungen voranzutreiben.“

          Das bedeutet auch, dass die Toten nicht zwangsläufig Flüchtlinge sein müssen. Es könnte sich auch um einfache Fischer handeln, die vom Kurs abgetrieben wurden. Dies zu klären, liegt derzeit in den Händen der japanischen Ermittler.

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