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Andy Serkis im Gespräch : „Den Ehren-Oscar würde ich ablehnen“

Also, ich finde Caesar sehr attraktiv. Und King Kong war natürlich in seinem Film der leading man. Er kriegt das Mädchen!

Als Sie erstmals als Gollum am Set erschienen, mit ihrem, wie Sie es mal ausdrückten, Fetisch-Anzug und mit Markern im Gesicht, wusste kaum jemand so recht, was vor sich ging; selbst die Crew hat gekichert. Seitdem dürfte sich viel geändert haben.

Selbstverständlich. Es ist zum industriellen Standard beim Filmemachen geworden.

Ist auch der Anzug heute bequemer?

Ja, in Wirklichkeit sind die Anzüge sehr bequem, man spürt sie kaum. Sie sind auf eine Art wie eine zweite Haut.

Erste Kritiken zu „Planet der Affen: Survival“ sind in Amerika enthusiastisch ausgefallen, es wurde schon gefordert, Ihnen einen Ehren-Oscar zu verleihen. Doch wären Sie damit zufrieden – mit einem Ehren-Oscar?

Ich begreife nicht so recht, was das bedeuten soll. Ich sehe in dem, was ich tue, keinen Unterschied zur Schauspielerei. Eine eigene Kategorie dafür zu schaffen wäre eine Fehlinformation. Ich möchte, dass die Leute wirklich verstehen, was wir tun. Es ist nur eine Technologie, die dein Schauspiel auf eine andere Art filmt. Das Aussehen des Charakters wird hinterher als digitale Maske hinzugefügt. Im Grunde, denke ich, sollte es überhaupt keine Spezialkategorien geben. Entweder wirst du von einem Charakter bewegt und fühlst dich ihm nahe oder nicht.

Einen Ehren-Oscar würden Sie also ablehnen?

Ja, das würde ich.

Bemerken Sie eine Skepsis gegenüber der Performance Capture auch noch unter Ihren Kollegen?

Es wird weniger. Je mehr Schauspieler der A-Klasse sich daran beteiligen und je größer die Rollen werden, desto besser wird es. Schauspiel bleibt Schauspiel, und es wird hervorgebracht von den Schauspielern – und von niemandem sonst.

Wäre es für die endgültige Akzeptanz dieser Technik notwendig, dass, sagen wir, Leonardo DiCaprio oder Robert De Niro einen Bären spielten?

Vermutlich. Obwohl schon Christian Bale ein großer Star ist.

Und wenn DiCaprio oder DeNiro einen Oscar für ihre Bären-Performance bekämen – wären Sie froh darüber oder verärgert, dass nicht Sie selbst ausgezeichnet wurden?

Ich würde mich freuen, zu hundert Prozent. Aber letztlich sind Preise nur Preise, sie bedeuten mir nicht viel. Meine Belohnung ist es, diese phantastischen Rollen spielen zu können.

Sie selbst, der Sie so viele Tiere gespielt haben, sollen als Kind zu Tieren ziemlich grausam gewesen sein.

Ich weiß gar nicht, warum ich das irgendjemandem gegenüber mal zugegeben habe. Ja, mein Bruder und ich haben in Bagdad Eidechsen gejagt und ihnen mit Bambusstöcken die Schwänze abgeschnitten, schrecklich. Wir waren sehr jung.

Dann wären Ihre späteren Filmauftritte eine Art Wiedergutmachung.

Ja, Karma! Alles kommt zurück.

Haben Sie nach wie vor Katzen zu Hause?

Ja, aber die Katze, die mich zu Gollums Stimme inspirierte, indem sie Fellknäuel hervorwürgte, ist leider nicht mehr unter uns.

Und haben Sie nach all Ihren Expeditionen ins Tierreich das Gefühl, auch Ihre Katzen besser zu verstehen?

Sicher betrachte ich Tiere nun anders. Ich schaue sie an und frage mich nach ihrem Bewusstsein, danach, wie viel sie wahrnehmen. Und was unsere Katzen betrifft, so weiß ich ganz genau, was sie denken: Meistens dreht es sich ums Essen.

Die Fragen stellte Jörg Thomann.

Zur Person

Geboren 1964 in Middlesex, England, als Sohn einer Britin und eines Irakers mit armenischen Wurzeln. Erste Karriereschritte Ende der achtziger Jahre am Theater und im britischen Fernsehen.

Den Durchbruch im Kino brachte 2001 Serkis’ Auftritt als Gollum im ersten „Herr der Ringe“-Film. Es folgten Rollen als King Kong (2005), als Kapitan Haddock in Spielbergs „Tim und Struppi“-Film (2011), als Snoke in „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ (2015).

Den Affen Caesar spielt Serkis jetzt zum dritten Mal im Film „Planet der Affen: Survival“, der am 3. August anläuft.

Verheiratet mit der Schauspielerin Lorraine Ashbourne, drei Kinder.

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