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Andy Serkis im Gespräch : „Den Ehren-Oscar würde ich ablehnen“

Wir hatten angefangen, und Disney hat uns überholt. Lange sah es so aus, als kämen beide Produktionen gleichzeitig heraus. Doch ich habe kein Problem damit, weil es zwei völlig unterschiedliche Filme sind. Jon Favreaus Film ist toll, er ist wundervoll gemacht, aber unser Film ist sehr viel dunkler, er richtet sich an ein erwachsenes Publikum. Und er nutzt Performance Capture: Er spielt in einer echten, nicht in einer computergenerierten Welt. Es ist auch mehr ein Drama, wir setzen viel stärker auf das Schauspiel – mit Christian Bale als Baghira, Cate Blanchett als Schlange und Benedict Cumberbatch als Tiger.

Anders als es der Originaltitel „War for the Planet of the Apes“ suggeriert, ist auch „Planet der Affen: Survival“ viel mehr ein Drama als ein Kriegsfilm. Für mich ist es eher ein Film über Unterdrückung und Befreiung, und Caesar erinnert an die klassischen Filmhelden wie Spartacus.

Das ist wahr. Natürlich gibt es einen Krieg, auch einen Kampf in Caesars Seele zwischen Hass und Empathie, aber es ist ein psychologisches Drama.

Als Sie 2001 im „Herrn der Ringe“ erstmals Gollum spielten, bekamen Sie da eigentlich weniger Geld als die anderen Schauspieler, weil Sie noch kein großer Star waren, oder sogar mehr, weil Sie wesentlich mehr Arbeit hatten?

Wir bekamen alle das Gleiche.

Aber Sie mussten am meisten tun.

Ich musste mehrfach zurück ans Set reisen und Nachdrehs mit den Zeichnern machen. Aber das musste nicht nur ich allein.

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Ich habe gelesen, dass Sie an dem Tag, vor dem Sie erstmals als Gollum vor die Kamera getreten sind, auf Ihren Ellenbogen und Knien zu Ihrem Hotel in Neuseeland gerobbt sind. Gibt es dafür Zeugen?

Das Hotel war mitten im Niemandsland, und ich hatte nicht erwartet, dass da jemand sein würde. Ich war ganz im Gollum-Modus, kroch über den Weg und schüttelte meinen Kopf hin und her – und plötzlich lief ein Mann mit seinem Hund vorbei. Er sah mich an wie irgendeinen verrückten Typen. Ich bemühte mich, ihn zu ignorieren.

Mögen Sie eigentlich Ihr Gesicht?

Mein Gesicht? Ich habe nichts daran auszusetzen. Es ist okay, es ist das einzige, das ich habe – abgesehen von den Charakteren, die ich spiele. Aber ich nehme an, Ihre Frage zielt darauf ab, warum ich so viel Zeit damit verbringe, in einer Art digitaler Verkleidung aufzutreten. Was mich am Schauspielen am meisten fasziniert, ist die Möglichkeit der Transformation, dass man sich in alles verwandeln kann. Ich liebe es, dass man jedwede Kreatur zum Leben erwecken kann, mit einer großen Bandbreite an Emotionen. Dank der Technik kann man alles anthropomorphisieren. Daher betrachte ich Performance Capture als das größte Werkzeug eines Schauspielers im 21. Jahrhundert. Du machst nicht mehr einen Film nach dem anderen und siehst dabei immer gleich aus.

Sie haben vom Ende des „Type-Casting“ gesprochen: Man werde nicht mehr auf sein Alter oder auf sein Geschlecht beschränkt. Andererseits haben Sie bislang kein kleines Mädchen oder eine Großmutter gespielt.

Wir haben noch Zeit!

Und doch scheint es auch bei Ihren Rollen ein gewisses Type-Casting zu geben: Sie sind sehr oft als das am bizarrsten aussehende Geschöpf des ganzen Films zu sehen.

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