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Andy Serkis im Gespräch : „Den Ehren-Oscar würde ich ablehnen“

Kann man Caesar, der immer menschlicher geworden ist, eigentlich noch als Affen betrachten?

Er ist eine sehr interessante Mischform. Als Kind hat er ein Mittel aufgenommen, das seine Intelligenz verbessert und seine Entwicklung stark beschleunigt hat. Emotional und kognitiv ist er so intelligent wie ein menschliches Wesen. Ich habe ihn immer als einen Menschen in der Haut eines Affen gespielt. Das ist der Widerspruch seines Charakters. King Kong hingegen habe ich als puren Gorilla gespielt, als Silberrücken. „King Kong“ war Fantasy, „Planet der Affen“ ist Science Fiction. Die Filme sind Allegorien, sie benutzen die Affen als Metapher, und es passt sehr gut, dass Caesar sich selbst als Außenseiter begreift, dass er weder Affe noch Mensch ist.

Frieden, so suggeriert der jüngste Film, ist für die Affen nur ohne die Menschen möglich. Sind wir ein Irrtum der Evolution?

Gut, der Film ist nur ein Teil einer Reise, wenn auch das Ende dieses Kapitels. Aber wir haben gesehen, was im ersten „Affen“-Film von 1968 mit den Affen passierte: Sie waren so brutal zu den Menschen wie diese jetzt zu ihnen. Selbst wenn sie eine friedliche Gesellschaft konstruieren konnten, ist das Verhältnis der meisten Affen zu den Menschen in den Filmen nicht empathisch.

Man kann auch zahlreiche religiöse Verweise erkennen: die Kreuzigung, den Einzug ins Gelobte Land . . .

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Es ist in vielerlei Hinsicht ein biblisches Epos. Matt Reeves, der Regisseur, hat sich Filme wie „Die zehn Gebote“ angeschaut, er wollte eine biblische Atmosphäre, und Caesar ist ein Charakter, der an Moses erinnert.

Die Kirche dürfte da protestieren.

Das hoffe ich! (Lacht)

Ihre Vorliebe für Außenseitercharaktere wie Caesar erklären Sie damit, dass auch Sie selbst in Ihrer Kindheit und Jugend in England ein Außenseiter waren. Nun sind die von Ihnen gespielten Außenseiter wie King Kong oder Gollum sehr eigentümliche, aggressive oder gar gewalttätige Typen. Was hat Sie vor einem ähnlichen Schicksal bewahrt?

Ich habe großes Glück, ich habe eine unglaubliche Familie. Mein Vater stammt aus dem Irak, meine Mutter ist Engländerin, und wir sind oft durch den Mittleren Osten gereist. Das hat mich davon abgehalten, mich jemals komplett britisch oder irakisch zu fühlen, ich hatte je einen Fuß in beiden Welten. Viele meiner Freunde waren sehr verankert in ihrer Herkunft. Ich hingegen war nie sehr gefestigt.

Für einen Schauspieler dürfte so etwas durchaus praktisch sein.

Es hat mir jedenfalls nie geschadet. Und ich mag es, den Aspekt der Identität zu untersuchen. Darum wird es auch im Film „Das Dschungelbuch“ gehen, bei dem ich gerade Regie führe: Auch Mogli, der von Wölfen aufgezogen wurde, hat je einen Fuß in zwei Welten, und er kommt an einen Punkt, an dem das nicht mehr möglich ist.

An diesem Projekt arbeiten Sie schon lange. Wie sehr haben Sie sich geärgert, als Sie von Disneys „Dschungelbuch“-Verfilmung hörten, die schon 2016 ins Kino kam?

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