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Glücksspiel : Die gefährliche Macht der Automaten

Einblick in eine australische Spielhalle in Melbourne Bild: AFP

Nirgendwo geben die Menschen so viel Geld für Glücksspiel aus wie in Australien. Die Leidtragenden sind dabei diejenigen, die es sich eigentlich am wenigsten leisten können.

          4 Min.

          Der Ortsname ist etwas irreführend: In Sunshine ist nicht alles Sonnenschein. Der Vorort von Melbourne gehört zu den ärmeren Gegenden im Einzugsgebiet der Millionenmetropole. Das zeigt sich schon daran, dass am Bahnhof eine Gruppe voll ausgerüsteter Polizisten aufpasst. Die Geschäfte hinter dem Verkehrsknotenpunkt wirken heruntergekommen. Am Ende einer Straße, die von den Läden und Imbissen afrikanischer Einwanderer geprägt ist, geht es um die Ecke in Richtung des Derrimut-Hotels. Wie in Australien üblich, steht die Bezeichnung „Hotel“ dabei eigentlich für einen Pub, oder zu Deutsch: eine Kneipe. Allerdings ist das Derrimut-Hotel auch nicht nur das. Rund die Hälfte seiner Räumlichkeiten ist mit Spielautomaten vollgestellt. Öffnungszeiten: täglich bis vier Uhr morgens.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Die Maschinen heißen „Golden Cash“, „Clover and Gold“ oder „Secret Tomb“. Auf den Bildschirmen drehen sich virtuelle Räder. Bunte Symbole und Zahlen wirbeln durcheinander. Es fehlen nur die typischen Pieptöne der klassischen Spielautomaten. Dafür kommen Hits der achtziger und neunziger Jahre aus den Lautsprechern. Von den etwa 50 Automaten ist höchstens die Hälfte besetzt. An einem sitzen zwei junge Frauen mit Bierflaschen in den Händen, die mehrfach laut auflachen. Vor den meisten Flimmerkisten sitzen aber Männer mittleren Alters in angespannter Haltung. Und dann ist da noch die 75 Jahre alte Mary, die Münzen aus einem goldfarbenen Plastikbecher neben sich in den Schlitz einer Maschine wirft. Sie sei einmal die Woche da. „Ich komme hierher, um Gesellschaft zu haben“, sagt die betagte Dame.

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