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Gloria von Thurn und Taxis : Der Schwarze kraxelt halt gern!

„Ein Schwarzer ist von der CSU” Bild: picture-alliance/ dpa

Der Aachener Karnevalsverein hat seinen Orden „Wider den tierischen Ernst“ verliehen. Neue Trägerin ist das einstige enfant terrible des Adels, Fürstin Gloria von Thurn und Taxis, die den Anlass zu einer historischen Richtigstellung nutzte.

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          Als Fürstin Gloria von Thurn und Taxis noch Gräfin von Schönburg-Glauchau hieß und statt eines Trachtenrocks noch Lederkluft trug, hätte sie vielleicht auch lieber draußen gestanden - an der Treppe, vor dem Haupteingang des Aachener Eurogresses, in strömendem Regen. Ein Dutzend Demonstranten hat sich dort versammelt. „Das Töten von 25.000 Nerzen ist tierisch ernst“, steht auf ihrem Plakat. Das ist ein Vorgeschmack auf die rhetorischen Finessen, die das 1350 Personen zählende Publikum des Aachener Karnevalsvereins in den nächsten Stunden erwartet, wenn Fürstin Gloria von Thurn und Taxis unter dem Motto „Adel verpflichtet“ den Orden „Wider den tierischen Ernst“ erhält.

          Thomas Jansen

          Redakteur in der Politik.

          Wem das Schicksal der Tiere jedoch auch en passant schon Sorgenfalten auf die Stirn treibt, der braucht nur dem roten Teppich zu folgen, bis er nach 30 Metern die rettende „Ladies Lounge“ erreicht. Dort bemühen sich sechs Fachkräfte darum, mit den Segnungen der Kosmetik kurzfristig Falten zu glätten sowie mit Lockenwicklern Frisurschäden zu beheben. Der Andrang ist groß, die Sitzung wird im Fernsehen übertragen. Außerdem ist das im Ordensmotto beschworene Rebellentum hier ohnehin metaphysischer Natur: Die Garderobe des Publikums belegt das wie gewohnt.

          Kirmesmusik und Joe Cocker

          Dem Vorwurf der verdeckten Werbung, den sich der Aachener Karnevalsverein im vergangenen Jahr wegen der gehäuften Nennung eines Flugunternehmens einhandelte und der zu Ärger mit dem Westdeutschen Rundfunk führte, weicht man an diesem Abend elegant aus. Die Veranstalter beschränken sich auf Werbung vor der Veranstaltung, als die Fernsehkameras noch nicht das Geschehen bestimmen.

          Friedrich Merz (r.) und Wendelin Wiedeking bei der Sitzung des Aachener Karnevalsvereins

          Die Veranstaltung an sich ist bisweilen sogar mit beachtlichem Gespür für Hintersinn inszeniert. Etwa wenn zu dem rot-weißen Flugzeug aus der Flotte des vormaligen Ordensritters, das auf zwei Großleinwänden über den Wolken fliegt, der Aachener Reinhard May von der grenzenlosen Freiheit singt, die dort oben herrsche.

          Für die akustische Untermalung der Werbefilme eines Abwasserunternehmens und eines öffentlichen Geldinstituts muss hingegen Kirmesmusik herhalten. Es folgt - ohne direkte Produktzuordnung - Joe Cockers Rührstück „You are so beautiful“. Dann bereiten die Kameras des WDR dem kommerziellen Treiben ein Ende. Von nun an verfolgt die Nation an den Bildschirmen das Geschehen. Die Wirtschaft muss sich vorläufig verabschieden, und die Politik hält Einzug.

          Westerwelle wettert gegen das Rauchverbot

          Deren Liaison mit dem Karneval ist in Aachen stets eng gewesen. Nicht immer zu ihrem Vorteil, wie der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle beweist. „Ich bin heute Abend verabredet zu einem Rendezvous“ - Westerwelles Stimme hebt sich - „mit einer Frau“ - kurze Pause für einkalkulierte Heiterkeitsbekundungen -, „nicht mit Angela Merkel“. Mit dem ersten Satz ist der Spannungsbogen der Rede beschrieben.

          Dass einst „Ritter“ Carlo Schmid es war, der die Gründung eines Ordenskonventes für die ehemaligen Träger dieser Auszeichnung angeregt hatte, lässt dieser Vortrag nicht erahnen. Sicheres Terrain betritt Westerwelle hingegen wieder, als er gegen das Rauchverbot wettert. Auf den beiden Großleinwänden ist derweil ein im Publikum sitzender ehemaliger Präsident des deutschen Bauernverbandes, Constantin Freiherr von Heereman, zu sehen, der sich in Gentleman-Pose eine Zigarette anzündet. Einen solchen Auftritt hat Heereman lange nicht mehr gehabt.

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